Reifen

Das trotzige Kind lernt nach und nach: Leben ist mehr, als nur seinen eigenen Willen erfüllt zu bekommen. Es gibt den anderen. Es gibt den ganz anderen. Und es gibt den, mit dem ich mich nie verstehen werde.

Dies zu bejahen und dennoch die Hand ausstrecken: Eine Reifungsaufgabe, die wohl nie ganz vollendet sein wird.

Jetzt im Herbst beginnen die Abende, die zum Bedenken einladen: Wo bin ich unreif festgefahren in meinen Beziehungen. Zu einem Mitmenschen. Zu einem Thema. Zu Gott.

So wie nicht ganz reife Früchte eingelagert werden, und erst später genießbar sind, so ist es mit Lebenserfahrungen: Später betrachtet, ist jede und jeder frei, ein neues Verhältnis dazu zu finden. Und aus trotziger Ablehnung ein reifes Willkommen zu sagen. Nicht immer gern. Aber doch reif und voller Liebe zu einem selbst.

Denn was wir sind, sind wir mit allem, was wir erfahren haben.