Leben mit dem Schmutz

Zu viele Menschen lassen sich vom Saubermensch-Traum hemmen. Ein aseptisches Leben gibt es aber nicht. Wer erst dann gut sein will, wenn es alle anderen auch sind, macht nie den Schritt, der weiterführt.

Gleiches gilt auch für die Kritik, die zu üben ist. Wer sich zurückhält, weil er selber Dreck am Stecken hat, versagt der Gesellschaft, der Familie, der Kirche, der Nachbarschaft oder dem Betrieb, was notwendig ist, Übel zu beseitigen: Das beherzte Aussprechen des Unaussprechlichen, das unerschrockene Ansprechen eines Missstandes, die mutige Ansage, was so nicht weitergeht.

Wer schweigt, weil er, weil sie fürchtet, es könnte offenbar werden, dass auch er selber oder sie selber noch in der Entwicklung steht oder Kritik verdient hat, sollte bedenken: Wir Menschen sind Reisende, gezeichnet vom Schmutz der Geschichte. Soll mich doch jemand meines Schmutzes zeigen: Zum Schweigen bringt er, bringt sie mich nicht.