Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
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Sterbehilfe-Diskussion: Wider die Freiheits-Müdigkeit

Jeder lebt sein eigenes Leben. Es ist ihm geschenkt. Und mancher sagt: Aufgebürdet.

Die Pflicht, sich ihm zu stellen, entspringt dem Leben selbst. Man kann sich ihrer erwehren wollen. Davor flüchten. Sie verneinen. Freiheit wäre: Sich von den Ansprüchen, Belastungen und Überforderungen nicht in die Sterbewunschecke drängen zu lassen.

In der Diskussion um das Sterbehilfe-Gesetz brodelt aber der verquere Begriff von Freiheit auf: Freiheit wäre, die Grundlage der Freiheit zu zerstören, das Leben selbst. Was sich so gutmenschlich anhört, ist jedoch die Bankrotterklärung vor der Pflicht, die der Freiheit des Menschen entspricht: Sie zu nutzen. Und nicht, sie ihrer Grundlage zu berauben.

Ärztliches wie pflegerisches Bemühen muss es sein, dieses Fundament der Freiheit zu pflegen: Den Leib des Menschen, der – vielleicht schon bald – sich dem Tod zu stellen hat. Dazu braucht es Liebe, Geduld und vor allem die Demut, die eigenen Grenzen anzuerkennen und umfassendere Hilfe zu erbitten. Wie schwer das ist, musste ich in den letzten Tagen erleben, wo Urologen meinten, sie könnten bei einem alten Menschen Tumorschmerzen behandeln und an ihm tagelang ohne Hinzuziehung von Palliativmedizinern herumdoktern.

Jeder lebt sein eigenes Leben. Leiden zu lindern ist die umfassende Aufgabe der Angehörigen und Freunde mit Hilfe des medizinischen Personals. Insofern war die Szene mit den Krankenbetten bei der Eröffnung der Olympiade wichtig: Die Pflege der Kranken ist gesellschaftliche Aufgabe. Das macht Mühe. Da kann man schon mal freiheitsmüde werden.

Einen kranken Menschen so zu pflegen, dass keiner – der Kranke nicht, und die Familie und die Mediziner nicht - , also wirklich keiner der Versuchung nachgibt, sich der Freiheit zu Leben und Liebe durch seine Ermordung zu entledigen, ist unser aller Herausforderung.

Ihr
Bruder Paulus

 


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Nachhören: 15.1.17, 11.30 Uhr Predigt Liebfrauenkirche Frankfurt

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