Mit Christian Wulff zieht nun eine Patchworkfamilie ins Schloss Bellevue ein. Er wurde 2007 nach 19 Jahren Ehe von Christiane Wulff geschieden. Mit seiner zweiten Ehefrau Bettina und Sohn Linus Florian freut er sich über seine glückliche Familie.
Sein Schicksal ist das von vielen Männern und Frauen. Trotzdem wollen mir Wörter wie „Ehefrau“ und „Familie“ nicht so leicht über die Lippen gehen. Natürlich: Jedem ist zu wünschen, dass ihm nach dem Scheitern einer Ehe eine neue Partnerschaft möglich wird. Wenn aber auch diese neue Beziehung „Ehe“ genannt wird, was beginnt dann mit dem Versprechen, das sich ein Mann und eine Frau zum ersten Mal geben: „Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe?“
Als Katholik kennt der Bundespräsident das Wort Gottes zur Ehe. Ich bin gespannt, wie er von Ehe und Treue, Versprechen, Scheitern und Neuwahl eines „Ehe (?)“-Partners sprechen wird. Dabei habe ich auch die jungen Menschen im Blick. Viele von ihnen wissen, wie es sich anfühlt, wenn der Vater die Mutter verlässt, die Mutter den Vater.
Der höchste Repräsentant von „Vater Staat“ wird seinen Bürgerinnen und Bürgern erläutern müssen, was für ihn ein Eheversprechen zählt. Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft braucht auch seinen Schutz.
Ihr
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Joh.8, 1-11
Jesus und die Ehebrecherin
1Jesus aber ging an den Ölberg. 2Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. 3Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten ein Weib zu ihm, im Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte dar
4und sprachen zu ihm: Meister, dies Weib ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. 5Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen; was sagst du? {3 Mose.20,10} 20,10
Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat. 6Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf daß sie eine Sache wider ihn hätten. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. {Römer.2,1} 2,1
Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der da richtet. Denn worin du einen andern richtest, verdammst du dich selbst; sintemal du eben dasselbe tust, was du richtest. 8Und bückte sich wieder nieder und schrieb auf die Erde. 9Da sie aber das hörten, gingen sie hinaus (von ihrem Gewissen überführt), einer nach dem andern, von den Ältesten bis zu den Geringsten; und Jesus ward gelassen allein und das Weib in der Mitte stehend. 10Jesus aber richtete sich auf; und da er niemand sah denn das Weib, sprach er zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt? 11Sie aber sprach: HERR, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!
Ehe und Ehescheidung
1Und er machte sich auf und kam von dannen an die Örter des jüdischen Landes jenseit des Jordans. Und das Volk ging abermals in Haufen zu ihm, und wie seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals. 2Und die Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden möge von seinem Weibe; und versuchten ihn damit.
3Er antwortete aber und sprach: Was hat euch Mose geboten? 4Sie sprachen; Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. {5 Mose.24,1} 24,1
Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelicht sie, und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas schändliches an ihr gefunden hat, so soll er einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Haus entlassen.{Matthäus.5,31} 5,31
Es ist auch gesagt: "Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief." 5Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härtigkeit willen hat er euch solches Gebot geschrieben; 6aber von Anfang der Kreatur hat sie Gott geschaffen einen Mann und ein Weib. {1 Mose.1,27} 1,27
Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib. 7Darum wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und wird seinem Weibe anhangen, {1 Mose.2,24} 2,24
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch. 8und werden die zwei ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht zwei, sondern ein Fleisch. 9Was denn Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. 10Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger darum. 11Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr; {Lukas.16,18} 16,18
Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von dem Manne Geschiedene freit, der bricht auch die Ehe.{1 Korinther.7,10} 7,10
Den Ehelichen aber gebiete nicht ich, sondern der HERR, daß sich das Weib nicht scheide von dem Manne; 12und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen anderen, die bricht ihre Ehe.
Sehr geehrter Bruder Paulus,
manche Priester brechen ihr Zölibat und manche Mönche ihre Gelübde. Ändern sich deshalb die Feiern? Natürlich nicht. Auch sonst sind ihre Überlegungen nur schwer nachvollziehbar? Sie fragen: “Welches Ideal sollten wir den jungen Menschen mitgeben als das, was menschenmöglich ist?“ Ähm,… was wollen uns diese verschwurbelten Worte sagen? Dem Menschen Wulff war es nicht möglich, in seiner ersten Ehe zu bleiben. Ist das jetzt ein Ideal oder wie oder was?
Haben Sie eine ungefähre Ahnung, wie abwertend und verachtend Ihre Worte für Menschen klingen, die um ihre Ehe gekämpft haben und bei denen die Ehe dennoch gescheitert ist? Es mag bei Ihnen oben auf dem Käppele in ihrem Meditationsstüblein so aussehen, als wenn alle Menschen leichtfertig mit ihrer Ehe umgingen. Ich kann Sie beruhigen: So ist es nicht!
Danke, Zaungast - Sie haben exakt das in Worte gefasst, was ich beim Lesen von Zweifelsfreis Worten auch gedacht habe.
Ich unterstreiche jedes einzelne Ihrer Worte!
Wie bitte ist das zu verstehen: Zitat Zweifelsfrei „Ist es etwa besser in einer Ehe zu bleiben, bei einem Menschen, den man nicht mehr liebt, der einem aber als Mensch wichtig ist und daran dann evtl. zu zerbrechen?
Warum, bitte, soll man daran zerbrechen, wenn man mit einem Menschen zusammen lebt, der einem als Mensch wichtig ist? Wenn mir mein Ehepartner wichtig ist, dann liebe ich ihn doch.
Wie definiert sich Liebe denn sonst? Möglicherweise wird Liebe sehr oft mit dem rosaroten Wolkenkuckucksheim gleichgesetzt, das man anfangs empfindet. Nur im Märchen gibt es das:‚glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende…’
Im Alltag bewährt sich doch erst eine Partnerschaft, man muss daran arbeiten – ein Leben lang.
Warum denken so viele gleich an aufgeben, wenn die Gefühle nicht mehr so sind wie am Anfang? Warum versuchen sie nicht mit dem, was noch vorhanden ist, weiter zu machen?
Gemeinsamkeiten suchen, jeder ein Stück auf den anderen zu gehen.
Aus Bequemlichkeit? Weil es so viele andere attraktive Frauen/Männer gibt?
Etwa weil es in unserer Zeit einfach akzeptiert wird, eine Ehe zu trennen.
Insofern geben die Promis schlechte Orientierungshilfen mit dem oft so selbstverständlichen Partnerwechsel.
Eben weil das Verhalten der Prominenten von der Öffentlichkeit beobachtet wird und auch abfärbt, darum muss ein Bundespräsident Wulff damit rechnen, dass er auch zum Thema Ehescheidung/Wiederverheiratung gefragt wird.
Mich macht es jedes Mal sehr traurig, wenn ich höre z.B. Mutter und Tochter wohnen jetzt in A, Vater mit Sohn bleibt in B. Wieder eine Familie zerstört.
Sicher, vielleicht finden beide Elternteile wieder neue Partner . Sehr oft hält aber auch diese neue Beziehung nicht oder die Kinder vertragen sich nicht mit ‚Muttis Neuem’.
Was soll an so einer Situation dann bitteschön besser für die Kinder sein? Oder barmherzig?
Auch meine Mutter ist Lehrerin, und von ihr höre ich ähnlich drastische Beschreibungen von Kindern, die eine Trennung der Eltern verkraften müssen: Ich denke, wir sind uns einig, dass das Wohlbefinden der Kinder im Fall des Zusammenseins, der Trennung oder Neuverbindung IMMER auf die Eltern ankommt.
Jede Familie ist verschieden, jede Konfliktsituation ist individuell.
Die Paare, die mit Freuden gemeinsam alt werden, sind die gesegnete Ausnahme.
Die bittere Ausnahme sind die, die die Hölle in der Ehe erleben. Nein, niemand sollte so ausharren müssen, DIES schadet gewiss auch den Kindern, und diese schlimmen Ehen nehme ich ausdrücklich aus dem nachfolgend gesagten aus.
Denn viele derer, die scheitern, scheinen einfach zu vergessen (oder haben es nie gelernt), dass eine Ehe auch Beziehungsarbeit ist. Von Anfang an. Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu, wenn Sie sagen: "Welche Ideale sollten wir den jungen Menschen mitgeben? Genau das Ideal,das die Kirche immer schon jedem Ehepaar mitgegeben hat: Treu bis in den Tod. Ich denke, die meisten jungen Leute gehen mit diesem Wunsch und Willen in die Ehe."
Doch Liebe verändert sich, und wer sie nicht pflegt, wird irgendwann dastehen und feststellen, dass das alles "nicht mehr so ist wie am Anfang".
Und hier bedaure ich eben das Beispiel, das die Neu-Familie Wulff gibt, gerade den jungen Menschen, die den Schritt in Ehe und Familie gehen, und denen - überspitzt ausgedrückt! - einmal mehr demonstriert wird, dass das alles ja gar nicht so schlimm sein kann, und wenn eine Ehe einem nicht mehr gefällt, man sich eben eine neue Partnerin, einen neuen Partner aussucht, mit dem dann alles wieder ganz prima ist.
Wenn Mama und Papa nur je wieder froh sind, werden es schon auch die Kinder sein.
Ich selbst komme aus einer Familie, in der die Eltern viel gestritten haben. Meine Eltern sind wunderbare Menschen, jeder für sich, aber im Zusammenleben gab es immer reichlich Zündstoff, und als Kind hatte ich oft (begründete!) Angst, sie könnten sich trennen. Ich habe viele Tränen vergossen.
Aber dennoch: ich bin ihnen heute dankbar, dass sie zusammen geblieben sind - um ihrer Kinder und des vor Gott gegebenen Eheversprechens willen.
Ihre Trennung hätte mir das Herz zerrissen! Mit dieser Erfahrung kann ich das so oft vorgebrachte Argument, eine Trennung wäre besser als eine konfliktbeladene Familie, pauschal nicht mehr gelten lassen.
Natürlich: es gilt IMMER, abzuwägen und den Einzelfall zu betrachten.
Aber ich bin sicher, manch anderer hätte an Stelle meiner Eltern den Partner verlasssen mit der Begründung, es sei besser für die - uns - Kinder.
Wäre es nicht gewesen. Wissend, dass das sehr egoistisch gedacht sein mag. (Kinder sind naturgemäß egoistisch, was das Zusammenleben mit Mama und Papa angeht.)
Meinen Respekt, meine Hochachtung vor und meine Liebe zu meinen Eltern hat dieses Wissen sehr gestärkt.
Es gab sie nicht oft, aber es gab auch in ihrer Ehe noch die Anzeichen gegenseitiger Achtung und Respektes, oft verschüttet unter Streitigkeiten.
An diese erinnere ich mich sehr genau, und die haben mich tief geprägt.
Eine Ehe kann mühsam sein, wie auch jeder andere Lebensentwurf.
Ich glaube, viele Paare geben zu schnell auf.
Was Kinder betrifft,sie sind,so fern Kinder da sind, immer die Hauptleidtragenden bei einer Trennung oder Scheidung.
Aber was ist besser? - Die Kinder erleben tagtäglich die Streitereien und Sticheleien der Eltern,werden mit hineingezogen, werden gegen den anderen Elternteil ausgespielt, sie weinen, schreien, werden zu Versagern in der Schule. Als Lehrerin weiß ich, wovon ich spreche.
Oder: Man macht einen sauberen Schnitt. Die Kinder können bei einem Elternteil ruhig und in Frieden Leben, wobei ihnen der andere Elternteil nicht vorenthalten werden darf.
Zweifelsfrei schreibt:
Ist es etwa besser in einer Ehe zu bleiben, bei einem Menschen, den man nicht mehr liebt, der einem aber als Mensch wichtig ist und daran dann evtl. zu zerbrechen? Ist es für ein Ehepaar verpflichtend beieinander zu bleiben, auch wenn beide unglücklich sind?
- ist es also besser um des eigenen Glückes Willen die Kinder unglücklich zu machen? Im Zweifel sie zerbrechen zu lassen, die sich am wenigsten wehren können?
Ist DAS barmherzig, menschlich, wunderbar, vernünftig?
Ich weiß, das ist provokant gefragt, aber mir kommen in dieser "Vernunfts"-Diskussion die Kinder fast immer zu kurz. Wer fragt SIE, was sie brauchen?
Lieber Bruder Paulus,
Sie ermuntern uns, den Gedanken weiter zu spinnen.
Welche Ideale sollten wir den jungen Menschen mitgeben? Genau das Ideal,das die Kirche immer schon jedem Ehepaar mitgegeben hat: Treu bis in den Tod.
Ich denke, die meisten jungen Leute gehen mit diesem Wunsch und Willen in die Ehe. - Und es gibt sie noch, diese Ehen, die das durchhalten.
Möglicherweise ist es auch nur Glück oder die ganz große echte Liebe, die sie mit Freuden durchhalten lässt.
Es ist aber manchmal unbegreiflich, wie sehr sich er oder sie im Laufe der Jahre verändern können. Da wird das Zusammeleben zur Hölle. Niemand sollte in so einer Situation an seinem Eheversprechen zerbrechen.
Was "Zweifelsfrei" schreibt, ist wunderbar, einfach menschlich, barmherzig, aber auch vernünftig.
Ähm, warum heuchlerisch? Lassen Sie uns den Gedanken weiterspinnen. Welches Ideal sollten wir den jungen Menschen mitgeben als das, was menschenmöglich ist? Sollen wir ihnen sagen: Versprecht nichts. Legt Euch nicht fest! Oder was für feiern werden wir halten alternativ zu denen, bei denen sich Mann und Frau versprechen, vorbehaltlos aus lauter Gnade und ohne Berechnung zu lieben, bis das der Tod sie scheidet? Ist es denkbar, dass wir feiern haben, wo ein Mann einer Frau (und umgekehrt) sagt: Bis mir eine bessere als du über den Weg läuft? Oder: Bis es nicht mehr geht? - Und welche Art von Elternschaft würde das mit sich bringen: Wir sind euch gemeinsam Eltern, bis es nicht mehr geht? Wenn mir was besseres, auch bessere Kinder, über den Weg laufen, werde ich damit probieren? Fragen über Fragen. Ich suche da nach Antworten. Echt.
Liebe Mitchristen,
wie heuchlerisch ist denn diese Diskussion? Darf ich mich tatsächlich als Kirchenmann hinstellen und mit dem erhobenen (Moral-)Zeigefinger auf einen Mitmenschen zeigen, der "Ehrlichkeit" auf seine Fahne geschrieben hat? Darf irgendjemand es verurteilen, wenn zwei erwachsene Menschen feststellen, dass sie einander nicht mehr lieben, sich aber noch so sehr achten, dass sie es für ehrlicher und gesünder halten sich zu trennen. Und, oh Gott, auch noch scheiden lassen? Ist es etwa besser in einer Ehe zu bleiben, bei einem Menschen, den man nicht mehr liebt, der einem aber als Mensch wichtig ist und daran dann evtl. zu zerbrechen? Ist es für ein Ehepaar verpflichtend beieinander zu bleiben, auch wenn beide unglücklich sind?
Über Gründe und Motive des Herrn Wulff weiß ich nichts. Aber ich weiß wohl, dass es sich niemand anmaßen sollte über eine gescheiterte Ehe zu moralaposteln, der die Hintergründe nicht kennt!
Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein! Und ich rede hier nicht von Menschen, die heiraten als Hobby betreiben und alle paar Jahre den Partner gegen ein jüngeres Objekt der Begierde austauschen!
Liebe H.Elisa,
ich finde Ihre Reaktion völlig in Ordnung, räume ein, dass die Zerrissenheit, die ich gemeint habe, gewiss in Ihrem Falle nicht zutrifft und möchte mich bei Ihnen entschuldigen, falls ich Sie verletzt haben sollte. Das "immer" mag hier fehl am Platz gewesen sein.
Natürlich bedeutet "Patchwork" zusammenfügen. Aber dem geht eben ein Zerreißen voraus. Ja: es ist ein großer Unterschied, ob ein Elternteil stirbt oder geht. Der Schmerz ist immer groß. Doch in letzterem Fall kommt noch die Verletzung dazu.
Ich kenne Kinder - und derer ist jedes Einzelne ist zu viel! - die sehr unter patchworking leiden! Die sich in den Schlaf weinen, weil Papa gegangen ist. Die Verlustängste entwickeln, und die mitansehen müssen, wie Papa mit seiner neuen Frau eine neue Familie gründet, während sie ihn schrecklich vermissen.
Ich maße mir kein Urteil über das Privatleben der Familie Wulff an, ich kritisiere nur das Verharmlosen der Belastungen, die duch Patchwork-Situationen sehr wohl auftreten. Sie mögen da eine glückliche Ausnahme bilden, Ihre Ausgangssituation war nun auch eine gänzlich andere.
Nun, und das "brüllend plakative Patchwork-Familienglück": Ich bin gewiss alles andere als eine Yellow-Press-Leserin, aber dem kann man derzeit doch nun wirklich nicht entgehen. Man muss beileibe nicht ein Leben lang in Sack und Asche gehen, wenn eine Ehe gescheitert ist. Aber ein bißchen leisere und nachdenklichere Töne hätte ich mir durchaus gewünscht von einem, der das Bundespräsidentenamt anstrebt. Wenn er denn selbst seinen Familienstand thmematisiert!
Lieber Bruder Paulus,
Sie schreiben: "Der höchste Repräsentant von „Vater Staat“ wird seinen Bürgerinnen und Bürgern erläutern müssen, was für ihn ein Eheversprechen zählt."
Das muss er natürlich nicht! Seine Ehe ist seine Privatangelegenheit. Er muss vielleicht seinen Kindern aus erster Ehe Rechenschaft ablegen. Ihnen und mir muss er über sein Eheverhältnisse sicherlich keine Rechenschaft ablegen.
Es ist vielleicht unüblich, hier auf einen Kommentar zu reagieren. Aber ich kann die Behauptung von Maria B. "Patchwork bedeutet auch immer Zerrissenheit",nicht so stehen lassen. Es gibt vorbildliche Patchworkfamilien, und "normale" Familien, die chaotisch sind.
Da stirbt eine Mutter von 4 Kindern.
Der Varer braucht eine neue Partnerin, die zugleich auch Mutter für seine Kinder werden soll. Er findet sie ein Jahr später, und diese Frau bringt auch noch ein Kind mit. Es ist eine Patchworkfamilie entstanden.Die Kinder, die bei Onkeln und Tanten zerstreut lebten, wurden wieder zusammengeführt.Ich selber gehöre zu dieser P.-Familie und lasse nicht zu, dass obiges Pauschalurteil auch auf uns zutrifft. Man sollte nachdenken, bevor man so etwas behauptet.
Und noch etwas:Wo und wann wurde"dieses brüllend plakativ zur Schau gestellte Patchworkfamilinglück" gezeigt?
Und wo sind die vermeintlichen "Trümmer"von früheren Beziehungen, auf die sich solch ein Glück aufgebaut haben soll? Merken Sie Maria B. wie Unrecht sie mancher P.-Familie tun?
Patchwork heißt nicht zerreißen, sondern zusammenbringen, zusammenkitten.
Wie groß wäre die Not, gäbe es die Patchworkfamilien nicht.
Exakt diese Frage stelle ich mir auch, lieber Bruder Paulus, und exakt dieses Problem nimmt mir die Begeisterung für unseren neuen Bundespräsidenten. Es ist nicht das Scheitern, was ich ihm vorwerfe, aber mich stört dieses brüllend plakativ zur Schau gestellte Patchworkfamilienglück, das keinen Raum lässt für Nachdenklichkeit und Ehrlichkeit im Scheitern. Ich frage mich, wie dies seine große Tochter, seine erste Ehefrau, wie das alle Kinder wahrnehmen, die unter der Trennung ihrer Eltern und eben jener Patchworksituation leiden, die uns allen hier fröhlich-kitschigbunt entgegendröhnt, ob wir es hören wollen oder nicht.
Patchwork bedeutet immer auch Zerrissenheit, und wer dies leugnet, tut allen trauernden Kindern und unglücklich verlassenen Partnern bitter unrecht.
Patchwork-Familienglück baut sich auf auf Trümmern von früheren Beziehungen und dem Kummer von Kinderseelen.
Von unserem neuen Bundespräsidenten, der sich so gerne mit religiösen Werten schmückt, würde ich mir gerade in dieser Frage mehr Nachdenklichkeit, Ehrlichkeit und vor allem leisere Töne wünschen.
Patchwork IST nicht himbeerrosa!!
Lieber Bruder Paulus,
ich erinnere mich, dass Sie einmal in einer Predigt erwähnten, die Kirche verwehre Wiederverheirateten-Geschiedenen den Zugang zu den Sakramenten, dass Sie aber darüber ein wenig anders denken. Das war großartig und mutig.
Mir fällt da eine Jesuswort ein: "Alles war ihr auf Erden lösen werdet...." Wo immer auch diese Lösungsgewalt angewendet wird, bei der Ehe jedenfalls nicht. Oder doch?
Ja, ein Herrscherhaus muss es sein, Blaublütige wie in Monaco! Bei so manchem unerträglichen Eheproblem der einfachen Leute kennt die Kirche keinen Ausweg. Da zeigt man mit dem Finger auf diese Leute, wie jetzt auf unseren neuen Bundespräsidenten. War das nötig gleich am ersten Tag, am Tag seiner Vereidigung?
Hätte Herr Gauck die Wahl gewonnen, wäre die Situation ein wenig anders aber doch ähnlich. Nun, Herr Gauck ist Protestant und die evengelische Kirche ist in so mancher Hinsicht viel menschenfreundlicher, großzügiger und vor allem ehrlicher.
Es ist schön, dass sie diese Problematik einmal so klar ansprechen! Manchmal habe ich den Eindruck, dass auch bei vielen geweihten Priestern keine Klarheit mehr vertreten wird. Ich weiß, wovon ich rede, da ich selbst betroffen bin, allerdings das seltene Glück habe, wieder in einer kath. Ehe leben zu dürfen. Es ist sicher ein schwieriges Thema, aber wir können uns die Gebote nicht zurechtbiegen, wie sie uns angenehm sind, auch wenn um uns herum viele anders leben! Aber: Getrennt lebende Eheleute benötigen viel mehr Zuspruch und Unterstützung von der Kirche = anderen Katholiken!