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Organ-„spende“?

Es hört sich wieder einmal sehr hart an, doch ist es faktisch so: Zur Explantation von lebenden Organen braucht die Medizin lebendige Menschen, die im Laufe der Explantationsoperation getötet werden. Toten kann man keine Organe entnehmen, die für eine Transplantation nutzbar sind.

Das Hirntotkriterium steht immer schon in Frage auch von führenden Wissenschaftlern. Nur ein Beleg: Laut Expertenbericht zur Anhörung vor dem Bundestag melden nur ca. 20 % der Intensivstationen in Deutschland explantationsfähige Sterbende – der Rest der verantwortlichen Intensivmediziner hat wohl Gründe, ihre Kranken vor dem Zugriff der Transplantationsindustrie zu schützen.

Angesichts der Möglichkeiten der Medizin zum Heil für die Menschen muss viel mehr Wert gelegt werden auf die ethische Bildung der angehenden Medizinerinnen und Mediziner. Allein etwas zu vermögen ergibt noch nicht die Pflicht, es auch zu tun. 

Es werden wohl noch weitere Zentren entdeckt werden, die Anzeichen von ethischer Überforderung der an Transplantationen beteiligten Ärzte sichtbar werden lassen.

Die Güterabwägung ist eine der vornehmsten Aufgaben der Freiheit des Gewissens eines Arztes, einer Ärztin, aber auch eines Patienten/einer Patientin. Ein Beispiel: Sind fünf Stunden friedlichen Sterbens nicht ebenso wertvoll wie dreißig Jahre mehr Leben ohne Dialyse? Woher weiß man das? (Sind dreißig Jahre leiden daran, dass man beim Sterben seines Kindes bis zum Tod nicht bleiben durfte, nicht auch ein Leid, das mitgesehen werden muss?)

Als Gesellschaft müssen wir diskutieren: Wollen wir wirklich Transplantationen? Ist das Geld gerechtfertigt, dass die Deutsche Stiftung Leben (ein irreführender Name – transparenter wäre: Deutsche Stiftung Organtransplantion) dafür schon erhalten hat?

Ich selber habe mich entschieden, keinen Organ“spende“-Ausweis zu haben, da ich nicht getötet werden will auf dem OP-Tisch und lieber, wie es meine Patientenverfügung besagt, in Frieden weder das Leben verlängert noch das Sterben verkürzt bekommen möchte. Ich würde für das Weiterleben eines Menschen vielleicht sogar getötet werden wollen – aber nicht für ein System, das mir die Selbstbestimmung über meine Organe entreißt.

In der Grauzone des Übergangs vom Leben und Tod wünsche ich mir Ärztinnen und Ärzte, wie ich viele kennengelernt habe, die im Respekt vor ihren Möglichkeiten mit ihrem Wissen dem Leben, wie es sich da sterbend vollzieht, dienen durch Tun oder Unterlassen, je nachdem, wie es ihnen gerade in ihrem Gewissen geboten scheint.

 

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Nachhören: 15.1.17, 11.30 Uhr Predigt Liebfrauenkirche Frankfurt

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