Deutschland atmet auf. Christian Wulff klebte doch nicht so fest am Amt des Bundespräsidenten, wie er selber zu lange zu glauben schien. Er konnte die einzige Macht, die dieses Amt hat, nicht mehr glaubwürdig verkörpern: Das wahre Wort. Die Aufrichtigkeit der Person im Handeln.
Beides braucht eine demokratische Grundordnung. Wahrheit und Aufrichtigkeit scheuen jede widerliche Klebrigkeit. Wulff hat Ehrenbegriffe wie Freundschaft und Dienst Anführungszeichen angeklebt: „Freundschaft“ und „Dienst“ erscheinen seit Monaten doppeldeutig und brauchen Adjektive, wenn einer sie im ursprünglichen Wortsinn einsetzt: Echter Freund, wirklich aufrichtig.
Vielleicht ist Wulff nur ein Symptom. Das wäre schlimm. Sein Rücktriff schärft – so bleibt zu hoffen - die Aufmerksamkeit derer, die mit falschem Klebstoff andere von sich abhängig machten oder die in solche Abhängkeiten geraten sind.
Wulffs Rücktritt könnte reinigend wirken. Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche sollten in Freiheit zusammenspielen. Die Achtung vor dem Gemeinwohl und der Verzicht auf persönliche Vorteile aus der Gemeinwohlaufgabe heraus sind nicht klebrig, halten deswegen zusammen – und machen alle zu Freunden.
Ihr
Bruder Paulus