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Gottes Liebe tun

In den richtigen Ton übersetzen

Der polnische Kapuziner Ksawery Knotz, in Deutschland bekannt geworden durch sein erstes Buch über Sexualität und Ehe hat nachgelegt. Soll ich sein neues Buch „Sex, wie ihr ihn nicht kennt“ in Deutschland mit herausgeben?

Darin heißt es z.B. laut einer Übersetzung des polnischen Originals:  „Viele Leute, die sich das Ehesakrament gespendet haben, reden nie miteinander über ihre Gottsuche, ihre Erfahrungen der Begegnung mit Ihm. Sie beten nie miteinander, manche besuchen sogar den sonntäglichen Gottesdienst nicht zusammen, vom Bibelteilen oder Gesprächen über Weisheiten religiöser Bücher ganz zu schweigen… Die Ehe wird nicht in der Dimension des Glaubens, d.h. der Beziehung zu Gott und damit in der Dimension des Sakraments, gelebt.

Solche und viele andere Sätze schon des ersten Kapitels machen mich skeptisch. In meinen Ohren klingt das herabwürdigend. Das Anliegen verstehe ich. Doch für den deutschen Kulturkreis müssen wir anders formulieren.

Etwa: „Paare, die ihre Ehe vor Gott geschlossen haben, reden nicht automatisch regelmäßig über Gott. So paradox es sich anhört: Je näher man sich ist, um so schwerer ist es, sich über eine intime Frage wie die der Gotteserfahrung auszutauschen. Selbst das Gespräch über die religiöse Praxis – ein Paar ist ja frei, in den eigenen vier Wänden zu tun, was es will: Aber es muss eben wollen! – kommt nicht von selber auf. Und es anzustoßen braucht, wieder paradox, gerade wegen der tagtäglichen Nähe oft eines kräftigen Impulses von außen. Dabei könnten Mann und Frau so manche Erfahrung, die sie in der Jugendzeit mit Bibelgespräch, Diskussion über religiöse und philosophische Texte oder schlicht mit Wallfahren gemacht haben, für ihre Ehe fruchtbar machen. So würde in abgesprochenen Riten und neuen Versuchen, Religion zu leben, die Dimension der Ehe als Sakrament oder „Kirche im Kleinen“ deutlicher werden.“

Wenn ich so umformuliere, merke ich, dass ich Lust habe, die Vorlage meines Bruders aus Polen aufzugreifen. Ich würde nach einem Ton suchen, der offener ist und den Inhalt christlicher Lebenserfahrung eher anbietet als ihn in alten Formeln einfach nur zu wiederholen.

Sollte ich mich daran wagen? Wie finden Sie meinen Übersetzungsversuch?

Mit herzlichen Grüßen aus meiner Nachdenk-Werkstatt

 

Ihr

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Kommentar

8 Kommentare

Seite 1 von 1 1

8 Onke schrieb am 16.06.2010 14:50

Lieber Bruder Paulus,

Sie fragen ob sie das Buch mit herausgeben sollen, aber eigentlich wollen sie es wohl neu schreiben. Dabei ist das Original im Gegensatz zu ihrer Neufassung wenigstens verständlich. So schreiben Sie zum Beispiel: "ein Paar ist ja frei, in den eigenen vier Wänden zu tun, was es will: Aber es muss eben wollen!"

Aha! Ein Paar muss also wollen wollen. Solche Ratschläge versteht keiner und braucht keiner. Deshalb der wohlmeinende Ratschlag: Lassen Sie es.

7 Tante schrieb am 15.06.2010 10:55

Lieber Bruder Paulus, auch ich kann den Bedarf nur bestätigen. Über die Sprache bin ich mit mir aber nicht so ganz eins: Das Original empfinde ich auch etwas hart, aber mir ist Ihre Version zu "weichgewaschen". Ich wünsche mir eine klare Sprache, ohne zu viel "könnte" und "würde". Vieleicht wäre so eine Art "Anleitungsbuch" mit Übungsschritten eine Alternative?

6 Roland schrieb am 13.06.2010 17:49

Lieber Bruder Paulus,

spontane Antwort: Ja!

Möglicherweise führt uns Diskussion dahin, daß wir - bezogen auf aktuelle Priestersituation -

 

a) verheiratete Laienpriester erhalten und gleichzeitig damit

b) den Stand der, das freiwillige Zölibat wählenden Priester aufwerten und schärfer profilieren (siehe "Ur"-Kirche, Orthodoxe Kirche ).

Dieses doch so revolutionäre Christentum mit zwei "Truppen"-Teilen voranbringen und Spaltungstendenzen die Kraft nehmen!

Herzlichen Gruß

Roland

5 Wilhelm schrieb am 13.06.2010 11:57

Lieber Bruder Paulus,

ob Sie die Übersetzung wagen sollten, kann ich nicht beurteilen, weil ich das "Original" nicht kenne. Wenn Sie sich dazu entschließen, würde ich dies aber nicht im Alleingang tun, sondern die Lebenserfahrungen von Eheleuten mit berücksichtigen oder mit einfließen lassen.

Aus meiner Sicht liegt das Defizit, bei Ehepaaren in diesen Fragen viel daran, dass die eheliche Lebensgemeinschaft sich auch viel mit Alltagsfragen in Organisation oder Wirtschaftsfragen bei Anschaffungen, Reparaturen etc. beschäftigt, was viel an Zeit und Energie für tiefgehende Fragen überlagert - zumindest besteht hier eine ganz große Gefahr.

 

Viele Grüße

Wilhelm

4 zaungast♀ schrieb am 13.06.2010 11:49

KommentarDa stimme ich zu, das Textbeispiel des polnischen Mitbruders hört sich recht vorwurfsvoll an und wirkt nicht sehr einladend, nicht jedem liegt Bibel teilen, nicht jeder interessiert sich für religiöse Schriften. Und eine solche ‚Spaltung’ geht durch viele Ehepaare.

Um Diskussionen zu religiösen oder philosophischen Themen zu führen, muss man sich aber zunächst mal mit diesen Themen auseinandersetzen. Wo kein Interesse und keine Grundlage da ist, kann auch nicht diskutiert werden.

Der Ton der Übersetzung ist moderater, verbindlicher als der des Originals, allerdings solltest du nicht zuviel voraussetzen:

Lange nicht jeder machte in seiner Jugendzeit Erfahrungen mit Bibel teilen, wallfahren und ähnlichem.

Auch muss man sich fragen, für welche Klientel geschrieben wird: Für Paare, die religiös gebildet sind oder für Menschen aus eher kirchenfernen Milieus.

Formulierungen wie: „in abgesprochenen Riten und neuen Versuchen, Religion zu leben…“

sind schon ok, führen sie aber nicht noch mehr zum Individualismus in dem sich jeder Glaube und Religion so zu Recht biegt wie es am bequemsten ist.

Soweit meine Gedanken, mit freundlichen Grüßen

3 Kewon Kister schrieb am 12.06.2010 13:23

Sex sells. Das scheint der einzige Grund zu sein, weshalb das Buch so heißt. Brauchen Eheleute zum Thema Sex geschwurbelte Ratschläge von Menschen, die Ehe und Sex nur vom Hörensagen kennen? Natürlich nicht.

Es ist richtig, wie H.Elisa schreibt, dass nach can 1084 die Ehe ungültig ist, wenn der Mann impotent ist (übrigens erst seit Johannes Paul II). Nur, braucht man Eheratschläge von einer Kirche, die so menschenverachtendes und dummes Zeug in die Welt setzt. Ganz gewiss nicht.

2 Martina Baro schrieb am 11.06.2010 19:58

Hallo Bruder Paulus,

schön, das Sie sich an eine solche Aufgabe wagen, den Bedarf kann ich nur bestätigen. In einer Ehe treffen zwei unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Familien zusammen, die oft eine gegensätzliche Glaubensgeschichte haben, mit Glauben und Kirche andere Erfahrungen machten. Auch das "katholische Milieu" wird auf verschiedene Weise gelebt. Dazu kommt noch, das die Entwicklung der Persönlichkeit auch bei einem Paar nie zeitgleich geschieht. Das führt zu Irritationen und Mißverständnissen, was für einen Partner zu wenig oder gerade so ausreichend ist, kann für den anderen zu viel oder exaltiert sein.

Wie damit umgehen? Die Beziehung zu Gott scheint in einer auch christlich gelebten Partnerschaft eine Stufe der Intimität zu sein, die nicht aus dem Stand zu erreichen ist.

Ich wünsche Ihnen Mut, Phantasie und Freude bei Ihrer Aufgabe.

Gruß

Baro

1 H.Elisa schrieb am 11.06.2010 17:49

Ja,lieber Bruder Paulus, machen Sie das. Wagen Sie diese Übersetzung, aber verlassen Sie dabei die engstirnige Einstellung der kath. Kirche bezüglich Sexulalität.

Got hätte 1000 andere Möglichkeiten gehabt, wie sich die Menschen hätten vermehren können. Er wollte die Sexualität. Gott will, dass wir Freude, Glück, Lust und gute Gefühle haben.

Die Ehe vor Gott ist erst vollzogen nach dem 1. ehelichen Akt. Wer denkt da schon an Nachwuchs wenn das "Heim" noch nicht bestellt ist? Also Sünde?

Wir reden als Eheleute kaum über persönliche Gottesbegegnungen. Wir reden über Gott und die Welt, über Gott und die Menschen, über Gott und die Kirche. Vor allem über die Kirche, wie Gott sie bestimmt nicht haben will.

Und wir besuchen "zusammen" da den Sonntagsgottesdienst, wo wir nachher bereichert nach Hause gehen können, z.B. im Käppele.

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