Die Analysen und Thesen von Thilo Sarrazin sorgen für aufgeregte Diskussionen. Er hat den Nerv der Gesellschaft getroffen. Mich empört, dass ein hoher Staatsbeamter Stammtischparolen Nahrung bietet. Er bezichtigt muslimische Mitbürger der Dummheit. Diese sei erblich. Er suggeriert die Notwendigkeit einer positiven Auslese (fragt sich nur, wer die vornehmen soll?).
Das ist eine im wahrsten Sinn des Worte furchbare alte Laier. Schon die Bibel berichtet, wie Fremde im Land dämonisiert werden. Sie seien schuld an schlechten Ernten. Ihre Nachkommen bedrohten den Bestand des eigenen Volkes. Besser sei es, sie stärker zu reglementieren.
Gegen so ein Denken treten Gottes Propheten an.
„Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“ (Lev 19,34)
Das heißt doch für heute: Macht euch klar, dass jeder Ausländer ist – fast überall in der Welt. Und auch: Der Reichtum eines Landes ist für alle da; er ist Gabe Gottes!
Auf dieser Glaubensgrundlage steht die Hoffnung für ein gutes Miteinander: Offen, kritisch, menschenfreundlich. Davon nähren sich viele Integrationsprojekte in unserem Land. Die franziskanische Lebenspraxis fußt darauf.
Fürchte dich nicht, Deutschland. Halte an Gott fest. Dann brauchst du niemanden abzuschaffen.
Ihr
Bruder Paulus