Warum wir immer wieder beten: Herr, ich bin nicht würdig ..
Die Krise muss grundsätzlicher gelöst werden. Die Zuspitzung auf die Zölibatsfrage nervt zusehends. Wir haben ganz andere Sorgen: Verflachung der Spiritualität. Zahnlosigkeit in den sozialen Fragen der Gesellschaft. Sprachlosigkeit in der Sexualmoral. Um nur drei zu nennen.
Ein Lagerdenken hilft da wenig. Ist wirklich jeder „konservativ“, der den Pflichtzölibat befürwortet? Gibt es andere Gründe als die des Zeitgeistes, die für die unverbrüchliche Bindung von sakramentalem Amtspriestertum und Ehelosigkeit sprechen?
Manche erhoffen sich davon eine lebendigere Kirche – was immer das sein soll. Fakt jedoch ist, dass mir noch niemand nachgewiesen hat, dass die Möglichkeit der evangelischen Pfarrer, zu heiraten, zu einer Intensivierung des Glaubenslebens in der Kirche beiträgt. Der Blick in deren Sonntagsgottesdienste belegt aufs Ganze gesehen eher das Gegenteil.
Ob es weniger Kriminalität, Bürokratisierung, Verkrustung und gar Machtmissbrauch gibt, wenn Amtsträger verheiratet sind? Vorsichtig formuliert bin ich da eher skeptisch.
Überhaupt: Einzelfälle von glücklichen oder unglücklichen Verheirateten wie Unverheirateten taugen in der grundsätzlichen Diskussion nur bedingt. Darin muss es um die Grundlagen des christlichen Glaubens gehen: I s t Christus leiblich auferstanden und thront er zur Rechten des Vaters? Und wenn ja, was bedeutet das für die christliche Rede vom Leib, von Treue, von Erfüllung, die Christus leiblich im Leib gibt? Und dazu noch: Der seine Kirche ist.
An Pfingsten erbitte ich mir den Heiligen Geist Jesu, der uns grundsätzlich verlebendigen kann. Kirche ohne Beziehung zu Jesus Christus und zum Vater im Himmel ist nicht Kirche. Konservativ wirke er: Bewahrend in der Liebe untereinander und zum Vater. Und progressiv: Bewegend auf den wiederkommenden Christus hin.
Ihm sehnt sich die Kirche entgegen. Daraus lebt die Begründung für den Pflichtzölibat der Amtsträger Priester und Bischöfe. Er muss bleiben. Mir zeigt er überdeutlich: Die Kirche ist ohne Gottes erfüllende Pfingstliebe ein Nichts. Gesegnete Pfingstzeit Ihnen!
Ihr
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Lieber Bruder Paulus,
warum hat Jesus ausgerechnet den verheirateten Petrus zum ersten seiner Apostel(Papst)erwählt? Da war doch noch sein Lieblingsjünger, der jungfräuliche Johannes u.a.
Jesus hat nie gesagt, dass seine Jünger(spätere Priester)ehelos leben sollen. Sein Wort:"Wer es fassen kann, der fasse es", war allgemein gesprochen und bezog sich nicht nur auf seine Jünger.
Zölibat heißt ehelos leben und sich der Sexualität enthalten.Aber das allein ist es nicht, was vielen Priestern zuschaffen macht....
Vor Jahren erzählte mir ein Ordensmann. wie schrecklich die Einsamkeit sei, mit der er täglich leben muss.(Auch in einer klösterlichen Gemeinschaft kann der Einzelne sehr einsam sein)
Ich bin als Kind in einer rheinischen Großstadt aufgewachsen.
Da hatte jede Pfarrei ein eigenes Haus für seinen Pfarrer und x Kapläne.Ich denke, dieser Zustand damals war für die Geistlichkeit bestimmt erträglicher als die Situation vieler unserer Pfarrer heute ist, die mutterseelen allein in ihren Pfarrhaus sitzen.
Ich meine, die Zuspitzung auf die Zölibatsfrage ist notwendiger denn je.
Der Zölibat soll ja nicht abgeschafft werden sondern freiwillig werden. "Wer es fassen kann, der fasse es."
Lieber Bruder Paulus,
Sie schreiben: "Ihm sehnt sich die Kirche entgegen. Daraus lebt die Begründung für den Pflichtzölibat der Amtsträger Priester und Bischöfe."
Der Pflichtzölibat wurde aber erst im Jahr 1022 eingeführt. Da frage ich mich:
- Hat die Kirche erst ab dem Jahr 1022 angefangen, sich Christus entgegenzusehnen? Wenn nein, dann ist es auch keine Begründung für das Pflichtzölibat.
- Kann man wirklich annehmen, dass Gott es für wesentlich hält, ob Prister verheiratet sind oder nicht? Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.
Viele Grüße
Kewon
"Richtet die Augen auf zum Herrn und vor Freude erstrahlt, singt seinen Namen mit all Eurer Kraft, denn ER ist Euer Herr, ..." - so heißt es in einem Lied, dass bei der Frage um den Zölibat recht treffend ist.
Die Augen sind nicht zum Herrn aufgerichtet, sondern kreisen um weltliche Dinge. "Gott allein genügt" so hat es schon Teresa von Ávila erfahren dürfen wie viele andere auch, die ihm nachgefolgt sind. Wenn Gott allein genügt, dann ist diese ganze Diskussion so nichtig. Denn als Gerufener erfüllt mich eine so große Liebe zum Herrn, die mir kein Mensch geben kann. Und das hat nichts mit konservativ zu tun, sondern mit reich beschenkt.
Ein weiterer Grund für den Erhalt des Zölibats ist der, den jeder nachvollziehen kann, der seinen Beruf, in dem er mit anderen Menschen arbeitet und für andere Menschen da ist, mit ganzem Herzen und ganzer Kraft ausübt. Da wird es schwer die eingesetzte Kraft und Zeit noch mit einer Familie zu teilen. Da sind ganz schnell Grenzen erreicht.
Allerdings ist es leicht, über das Zölibat zu diskutieren, leichter als über den Wandel, ja eigentlich schon den Verlust unserer christlichen Werte nachzudenken. Hier sei als Beispiel nur die Sexualmoral angesprochen, die doch immer mehr abstößt. Sie ist eine Art Götzenbild geworden, dass das Leben so vieler Menschen zentral bestimmt und sich nicht wenige darüber definieren.
Heißt es nicht schon in Bezug auf die Abschiebung der Verantwortung im Evangelium an einer Stelle, warum siehst du den Stachel beim anderen, den Balken im eigenen Auge aber nicht.
Kriminalität, Machtmißbrauch, die Sexualmoral - das alles beginnt zunächst einmal in der persönlichen Verantwortung, dieser Versuchung nicht zu erliegen. Da ist also jeder in seiner Person gefragt - diese Verantwortung kann und sollte nicht Verpflichtungen wie dem Zölibat untergeschoben werden.
Müssen wir uns sonst nicht auch fragen, ob wir das Sakrament der Ehe nicht gleich mit abschaffen, denn damit verpflichten sich die Eheleute zur Treue füreinander - ein Leben lang.
Und was den Machtmißbrauch angeht, die Erfahrung mit dieser Versuchung hat wohl jeder schon gemacht, der eine Uniform im Beruf wie im Ehrenamt anzieht oder eine bestimmte Position bekleidet. Hier liegt es wieder an jedem selbst, nicht abzuheben, sondern Bodenhaftigkeit zu wahren.
So wünsche ich uns zu Pfingsten, dass die Augen wie die Herzen sich auf Gott richten und wir uns von IHM durch den Heiligen Geist - neu - füllen lassen.