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Das Leben ist (k)eine Loveparade

Freud und Leid sind unzertrennliche Geschwister. Aufstehung und Tod sehen Christen zusammen. In einem Atemzug nennen sie Erlösung und Sünde. Jeder Kreuzweg – ein Stationenweg mit 14 Stationen – erzählt davon.

Leid, Tod und Sünde sind grausam. Sie sind das schon an sich. Am schlimmsten wirken sie, wo sie ungefragt einschneiden in den Lauf der Dinge.

Dann provozieren sie den Aufstand der Frage aller Fragen: Warum? Apokalyptische Antworten á la  Eva Hermann  -  „eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen“ – führen verständlicher Weise zu einem neuen Aufschrei. Recht so. Gott wirft nicht mit Feuer. Und wer trauert, braucht anderen Trost.

Trotzdem müssen unangenehme Fragen gestellt werden. Wenn viele wussten, dass es Unregelmäßigkeiten gab im Genehmigungsverfahren: Warum haben die Medien davon nichts erfahren? Und wenn sie es erfahren hatten: Warum wurde daraus keine Schlagzeile gemacht? Wo waren die „Wächter“? Hätten nicht auch sie den Druck erhöhen können auf die Verantwortlichen?

Bevor symbolische Rücktritte gefordert werden, um die Masse zu beruhigen: Die 21 Toten konfrontieren uns einmal mehr damit, dass jeder sich angesichts des Lebens und Möglichkeit von Leid, Tod und Sünde selber an die Brust zu schlagen hat: Wo hänge ich mit drin? Ja, auch wenn es weh tut: Jeder ist bei aller Sehnsucht, das Leben als einzige Loveparade zu sehen, Täter und auch Opfer des Gegenteils von Freude, Auferstehung und Erlösung.

Für mich bleibt dennoch Hoffnung. Einer läuft mit in dieser paradoxen Lebensparade von Glück und Unglück. Jesus ist zertrampelt worden, und er war in denen, die panisch zertrampelt haben. Er lebt in uns Menschen: In denen, die fahrlässig genehmigt haben, und in denen, die davon – vorher – nichts berichtet haben.

Mich tröstet, dass einer von uns Menschen im Hass, in der Schuld, im Tod entschieden Liebender blieb. Jesus als Auferstandener ist die richtige Adresse für alle Fragen, alles Leid, alles Warum?  Lassen Sie sich von Seinen Augen auffangen: Ich spiele in Solidarität mit den Toten, ihren Zerquetschern und allen, die im Netz der Schuld ihre Rolle noch eingestehen müssen, den Kreuzweg von Liebfrauen.

Augen fangen uns auf. Mögen sie die Toten wie die Lebenden sehen machen.

Ihr

Bruder Paulus

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Nachhören: 15.1.17, 11.30 Uhr Predigt Liebfrauenkirche Frankfurt

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