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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 23. September 2010 - Pressebund - Ja, man wird von uns hören!

„Ja, man wird von uns hören!“

Br. Paulus Terwitte kandidiert für den Vorsitz des Katholischen Pressebundes

Br. Paulus Terwitte, der dem Orden der Kapuziner angehört und vielen Menschen in Deutschland aus Rundfunk- und TV-Sendungen bekannt ist, hat seine Bereitschaft erklärt, bei der Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Bonn als Vorsitzender des Katholischen Pressebundes e.V. zu kandidieren. Im folgenden Interview erläutert der Ordensgeistliche, wo er - im Falle seiner Wahl -  in der künftigen Pressebund-Arbeit mit seinen Vorstandkollegen  und dem ebenfalls zu wählenden Vereinsrat neue  Akzente setzen will. Helmut S. Ruppert, bisheriger Vorsitzender, und Josef Schlösser, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, stellen sich nicht einer Wiederwahl. Beide schlagen  Br. Paulus als Kandidat für den Pressebund-Vorsitz vor.     

Frage: Br. Paulus, Sie gelten als ein Mann der Kirche, der die Medien zu nutzen weiß. Wie wichtig sind für Sie und Ihre Anliegen die öffentlichen Auftritte etwa in Rundfunksendungen und auch in TV-Talkshows?

Br. Paulus: Die großen öffentlichen Sender - das muss man wirklich sagen - suchen nach Gesichtern und Stimmen der Kirche. Für sie ist jede Person interessant, die authentisch katholisch ist, die die Schwachen vertritt und so auf der Höhe der Zeit ist, dass er oder sie den Kräften in Politik und Wirtschaft Paroli bietet. Manches davon scheint auch auf mich zuzutreffen, so dass die Redakteure auf mich und auf leider zu wenige andere gerne zurückgreifen.

Frage: Sie gelten auch als ein engagierter Seelsorger, der insbesondere die Jugend erreicht. Ist es schwierig, junge Menschen für Anliegen der Kirche zu motivieren?

Br. Paulus: Die katholische Kirche wird zu wenig als Medium für das Wort Gottes wahrgenommen. Sie wird als Selbstzweck wahrgenommen, der einen ja nichts angehen muss. Die jungen Menschen wollen eine Kirche erfahren, die keine Angst um die eigene Zukunft hat und sich mit einer Gottesleidenschaft um die die Jugend kümmert. Das päpstliche „Medienmanifest“ Communio et Progressio, kurz CeP, von 1971 sagt: „Während seines Erdenwandels erwies sich Christus als Meister der Kommunikation. In der ‚Menschwerdung‘ nahm er die Natur derer an, die einmal die Botschaft, welche in seinen Worten und seinem ganzen Leben zum Ausdruck kam, empfangen sollten. Er sprach ihnen aus dem Herzen, ganz in ihrer Mitte stehend. Er verkündete die göttliche Botschaft verbindlich, mit Macht und ohne Kompromiss. Andererseits glich er sich ihnen in der Art und Weise des Redens und Denkens an, da er aus ihrer Situation heraus sprach. Tatsächlich ist Kommunikation mehr als nur Äußerung von Gedanken oder Ausdruck von Gefühlen; im Tiefsten ist sie Mitteilung seiner selbst in Liebe. Die Kommunikation Christi ist Geist und Leben.“ Auf gut deutsch meint das doch: Offen für die Menschen sein – katholisch weit; ihnen aus Liebe nicht nur nach dem Mund reden – katholisch kritisch; mitten in ihrer Lebenswelt persönlich und vielfältig ansprechend – katholisch medial.

Frage: Nach nur kurzer Bedenkzeit haben Sie sich bereit erklärt, für den Vorsitz des Katholischen Pressebundes zu kandidieren. Was hat Sie bewogen, neben Ihren vielfältigen Aufgaben auch innerhalb Ihrer Ordensgemeinschaft die künftigen Geschicke unseres traditionsreichen Verbandes zu leiten?

Br. Paulus: Ich las die E-Mail mit der Nachricht, der Vorstand des Katholischen Pressebundes wolle, weil keine Nachfolgereglung in Sicht, den Verein auflösen. Es sprach mich ganz tief innen an. Spontan schrieb ich Josef Schlösser zurück. Jetzt weiß ich: Ich war unbewusst auf der Suche nach einer Heimat für Medien-Katholiken, die in keinen Fachverband aufgenommen werden. Damit meine ich zum einen jene, die beruflich etwas mit Medien gemacht haben und sich, und mittlerweile auch mich, fragen, wie ihre Erfahrung für die katholische Kirche fruchtbar bleiben kann. Dann meine ich die vielen Medien-Laien, die Schaukästen, Pfarrbriefe, Broschüren und Internetseiten gestalten, die als Katholiken Leserbriefe schreiben oder sich anderweitig medial engagieren. Und schließlich gibt es viele junge, vor allem im Internet engagierte Katholiken, die ihre Erfahrungen für die Kirche wirksam machen möchten. Im Katholischen Pressebund könnten sie erfahren, dass die Kirche auf sie setzt. Ihre prophetische Kraft braucht Gewicht.

Frage:  Das klingt nach Veränderung. Welche neuen Akzente werden Sie im Falle Ihrer Wahl   setzen wollen?

Br. Paulus: Schauen wir einen Moment in die Geschichte. Monsignore Antonius Funke gründete 1965 den Katholischen Pressebund  und sandte an Redaktionen und Haushalte folgenden Aufruf zum Beitritt: „Alle Feiglinge bitte einen Schritt zurück und dann auf leisen Socken verschwinden! Wer aber dann noch bleibt, der ist unser Mann, ist die kernige Frau unserer Gesinnung. Er nehme seine Handschrift und trage sich unten ein. Wir entbieten ihm Willkommen und katholischen Pressegruß.“ Wir wissen auch, dass. Funke eine katholische Tageszeitung im Blick hatte. Manche Druckerzeugnisse des Katholischen Pressebundes bis in die achtziger Jahre hinein atmen einen Kampfgeist, den man bisweilen heute noch in der katholischen Kirche antreffen kann. Sicher, der Einsatz für und die Liebe zur Kirche sind beispielhaft. Was die Inhalte angeht, müssen wir im Respekt vor dieser Tradition die Geschichte des Pressebundes fortschreiben. Es gilt, die satzungsgemäßen Ziele Medienerziehung und Förderung der katholischen Publizistik ins Heute zu übersetzen und zwar mit dem Blick auf Morgen. Maßstab dafür könnte CeP Nr. 116 sein: „Darum müssen Katholiken sich völlig dessen bewusst sein, dass sie wirklich die Freiheit der Meinungsäußerung besitzen. Diese Freiheit gründet im Glaubenssinn und in der Liebe … Die verantwortlichen kirchlichen Obrigkeiten werden dafür sorgen, dass sich innerhalb der Kirche auf der Basis der Meinungs- und Redefreiheit der Austausch legitimer Ansichten lebendig entfaltet.“

Frage: Blicken wir auf die Praxis: Bislang hat der Pressebund über viele Jahre hin den „Ostkurs“ des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München mit verlässlichen Summen unterstützt. Werden Sie an diesem Förderprojekt festhalten?

Br. Paulus: Diese segensreiche Tradition hat schon viele junge Christen, Katholiken und Orthodoxe, unterstützt, die in den Ländern Mittel- und Osteuropas oft auf sich allein gestellt sind. Durch die dreiwöchigen Kurse an der katholischen Journalistenschule lernen sie sich - aus ganz unterschiedlichen Ländern - kennen. Sie schaffen sich eine Grundlage fachlicher Art und werden in ihrem katholischen Glauben gestärkt. Sie erfahren, wie die Kirche sich bemüht, kritische Menschen zu bilden, die mit geistlichem Fundament den Herausforderungen des Alltags begegnen. Dabei hilft ihnen das Netzwerk, das sich durch solche längere Kurserfahrung notwendig bildet und auf das sie im beruflichen Alltag zurückgreifen können.

Frage: Sie haben bereits in der letzten Ausgabe des Pressebund-Infos angedeutet, dass es  Medienprojekte gibt, die es zu fördern lohnt. Als da wären?

Br. Paulus: Wir würden im neuen Vorstand - falls mich die Mitgliederversammlung wählt -  besprechen, was unsere gemeinsamen Anliegen sein sollen. Ein dringliches Medienprojekt, für das ich hier jedoch jetzt schon um Spenden bitte, ist ein renoviertes Erscheinungsbild in Druck und Internetauftritt. Intern müssen wir einiges stemmen, um die Büroorganisation so verlässlich wie bisher zu erhalten. Auch das wird Übergangskosten verursachen. Ich hoffe, dass es auch Mitglieder gibt, die dem Katholischen Pressebund beim 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim durch persönliche Spenden eine Mitwirkung ermöglichen. Das sind innere Aufgaben, die uns fordern werden. Wichtiger sind jedoch praktische Aktivitäten. Katholiken, die eine gute Medienarbeit der Kirche vor Ort machen wollen, werden von ihren Bistümern oder Verbänden unterstützt. Manche haben mich jedoch schon nach überregionalen Angeboten gefragt. Hier gilt es zu sammeln, zu sichten und informellen Austausch zu ermöglichen. Ich würde so etwas wie überdiözesane Weiterbildungstreffen in Sachen katholischer Presse- und Öffentlichkeit vorschlagen: Wie schreibt man einen Leserbrief? Kirchenchor und Jahres-Pressekonferenz? Wie bringt man den Pfarrverbund so ins Internet, dass die Homepage gern besucht wird? Wie könnte man es anstellen, dass die Kirche in den örtlichen Medien öfter vorkommt? Wie bringt man Firmvorbereitung mit Facebook, SchülerVZ oder gar mit Youtube-Filmen zusammen? Was kann man beim Pfarrbrief rationeller machen? Ich werde auch etwas Praktisches vorschlagen: Der Katholische Pressebund könnte federführend in einem Projekt werden, dass die Möglichkeiten digitaler Informationsweitergabe durch einen ‚sprechenden Schaukasten‘ in den Gemeinden auslotet. Bestimmt gibt es noch andere Bedürfnisse medialer Art, die deutschlandweit an vereinzelten Stellen durch begabte Katholiken wach werden. Der Pressebund kann helfen, sie überregional zu vernetzen und Sprecher der Medien schaffenden Katholiken werden, deren Einzelerfahrungen sammeln und ins Medien-Gespräch der Kirche einbringen.

Frage: Wie würden Sie es  mit dem „Antonius-Funke-Preis“ halten? Wird diese vom Pressebund vergebene Auszeichnung für Arbeiten junger Volontäre eine Fortsetzung finden?

Br. Paulus: Ich werde dafür plädieren, die Palette auszuweiten, insbesondere auf Internet-Projekte. Mir wäre es recht, wenn Arbeiten junger Volontäre weiter prämiert werden - und in einer neuen Kategorie die besten Online-Arbeiten. Und warum nicht auch einen Wettbewerb „Innovativer Pfarrbrief“ starten?

Frage: Es gibt Pressebund-Mitglieder, die sich ein stärkeres Einmischen des Vorstandes vor allem bei strittigen Medienthemen wie in der gesellschaftspolitischen  Debatte wünschen. Werden Sie sich als neuer Vorsitzender, immer Ihre Wahl vorausgesetzt, vernehmbar zu Wort melden?     

Br. Paulus: Der Pressebund sollte mit dem neuen Vorstand wach das gesellschaftliche und kirchliche Mediengeschehen beobachten. Es müsste überlegt werden, wie die Mitglieder aktiviert werden können, Themen für Stellungnahmen vorzuschlagen. Es sind auch erneuerte Wege notwendig, im Vorfeld untereinander solche Stellungnahmen zu diskutieren. Dazu bietet sich sicher an,  aktiv mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM.) zu kooperieren. Der Pressebund ist ein starker Verband von Katholiken, die in der Mehrzahl - so wie ich - eher auf Umwegen zu den Medien gekommen sind; dazu haben wir aktive und ehemals aktive Medienfachleute in unseren Reihen. Wir dürfen unsere Medienkompetenz der Gesellschaft und der Kirche nicht vorenthalten. Um CeP (Nr. 187) auf uns anzuwenden: Der Katholische Pressebund geht seinen Weg durch die Geschichte. Mitteilend und empfangend blickt er mit Vertrauen und zum Engagement bereit auf die künftige Entwicklung der Sozialen Kommunikation. - Zusammenfassend: Ja, man wird von uns hören!


Pressebund, 23. September 2010



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