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14. Juli 2011 domradio

 

Bruder Paulus Terwitte über die Faszination von Schulden

Immer weiter, immer mehr

Griechenland, Italien, Irland - die Finanzkrise hat die europäische Union fest im Griff. Im domradio.de-Interview fordert Bruder Paulus Terwitte mehr Kontrollmechanismen innerhalb der Gemeinschaft. Die eigenen Träume selbst zu verwirklichen, daran liege die Faszination von Schulden. Aber „dass Gott es eigentlich ist, der unsere Träume erfüllt“ werde vergessen, so der Kapuzinerpater.   

domradio.de
Haben wir bei der Einführung des Euro zu sehr an die Friedensvision eines vereinten Europas gedacht, ohne dabei die Realität der Haushalte in den Euro-Staaten zu berücksichtigen?

Bruder Paulus Terwitte: Im Rückblick muss man das sagen. Die große Vision von Europa ist eine biblische Vision. Die Sterne um das Euro-Zeichen zeigen, dass es eine Gemeinschaft geben kann, in der jeder Selbstständigkeit behält und wo man trotzdem gemeinsam unterwegs ist. Dass man in einer Gemeinschaft kritisieren und dem anderen auch auf die Finger gucken muss, hat man offensichtlich vergessen. Zur Liebe gehört auch die Gerechtigkeit und die Wahrheit, sage ich immer. Man wusste, dass Italien, Griechenland und auch Island auf tönernen Füßen stehen. Trotzdem hat man auf dem Weg hin zu einer europäischen Gemeinschaft das übersehen, wie man jetzt sagen muss. Jetzt müssen alle daran und die Wahrheit ans Licht bringen.

domradio.de: Woran entscheidet sich, ob Europa diesen Scheideweg nutzt, um den Euro wieder wettbewerbsfähig zu machen oder ob das Projekt Euro scheibchenweise wieder zurückgedreht wird, also einige Länder wieder eine eigene Währung bekommen?

Bruder Paulus: So seltsam sich das anhören mag, ich glaube, man muss die Vision noch einmal verstärken. Die Vision verkleistert nicht nur den Blick auf die Wirklichkeit. Wenn die Vision für Europa wieder weiter gestärkt wird und wir wirklich daran glauben, dass es eine gemeinsame Gemeinschaft geben muss, dann werden wir gemeinsame Kraftanstrengungen finden müssen, die Währung wieder stark zu machen. Das muss einhergehen, so sehr das Europa-Kritiker nicht gerne hören, mit einer stärkeren politischen Einheit für Europa. Es kann einfach nicht sein, dass jedes Land sein Haushaltsrecht einfach behalten kann und machen kann, was es will. Da braucht es Kontrollmechanismen der Gemeinschaft, die auch letztlich die Macht haben, einem Land zu sagen, so geht es nicht.

domradio.de: Wir sprechen mit Ihnen als Kapuzinerpater, der auch immer wieder den moralischen Aspekt in die Gesellschaft einbringt. Zeigt sich denn die Stärke einer Gemeinschaft, wie die der Euro-Gemeinschaft oder der EU insgesamt, nicht gerade besonders in dieser Krise?

Bruder Paulus: Damit würde sich diese Krise tatsächlich meistern lassen, wenn wir wieder sagen würden, ja, wir stehen zusammen. Aber man muss deutlich sagen, diese Krise hat viele Privatleute, Banken, die da unbeschadet herauskommen sollen. Es ist deutlich, dass in Griechenland und in anderen Ländern auch deutsche Banken verquickt sind und wenn dort in Griechenland ein Schaden kommt, dann sind natürlich auch deutsche Institute davon betroffen. Man muss aufpassen, dass man jetzt nicht Griechenlandhilfe sagt und eigentlich meint Hilfe für deutsche Kreditinstitute. Man muss einfach die Wahrheit ans Tageslicht bringen und es muss gerecht zugehen. Es kann einfach nicht sein, dass man einem Land unverhältnismäßig viel unter die Arme greift, das schlecht gewirtschaftet hat, ohne dass man politische Konsequenzen dort fordert und  ein anderes Land wird eben nicht entsprechend gefördert. Hier muss wirklich auf die Gerechtigkeit und die Wahrheit geachtet werden, damit die Liebe, wenn es denn so etwas gibt wie Liebe zwischen Ländern der europäischen Gemeinschaft, damit sie wirklich zum Zuge kommt.

domradio.de: Griechenland ist tief in den roten Zahlen. Italien, Irland, Deutschland sind in den roten Zahlen. Auch die USA, wo derzeit um eine Anhebung der Schuldengrenze diskutiert wird. Was ist denn so faszinierend an Schulden?

Bruder Paulus: Man kann noch hinzulegen, dass auch die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Haushalt auflegt, der jetzt wahrscheinlich wieder vor das Verfassungsgericht gezogen werden wird. Was ist so faszinierend an Schulden - das ist ganz klar: die Augen sind größer als der Mund und die Hände. Jeder zehnte Privathaushalt in Deutschland ist verschuldet. Das ist etwas, was im menschlichen Herzen so drin ist. Man glaubt, man müsse alles haben, was die anderen haben und man müsse sich das alles weiter erlauben. Zum anderen gibt es eine Bedienmentalität. Man muss sich nur an dem bedienen, was möglich ist. Egal, welche Folgen das haben wird. Das Faszinierende an Schulden ist, dass man glaubt, man könne selber Träume verwirklichen. Ich finde, die christliche Hoffnung hat uns da einen tollen Maßstab an die Hand gegeben, dass Gott es eigentlich ist, der unsere Träume erfüllt. Wir haben hier auf dieser Erde die Wirklichkeit zu bestehen, auch finanziell.

(dr)

domradio 14. Juli 2011

 


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