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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 7. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Ein Entertainer des Glaubens

„Was zählen Werte, die nicht zählen?“ – das fragte am Donnerstagabend der Kapuzinermönch Bruder Paulus in der Hinterlandhalle in Dautphe seine mehr als 1.200 Zuhörer.

Dautphe. Die Grundlagen des erfolgreichen Handels schilderte Bruder Paulus auf Einladung der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach am Donnerstagabend den Mitgliedern, Kunden, Mitarbeitern und Geschäftsfreunden des genossenschaftlichen Kreditinstituts. Dass erfolgreiches Handeln nichts mit finanziellem Reichtum zu tun hat, stellte der Kapuzinermönch gleich zu Beginn klar. „Haben wir nicht alle oft das Gefühl, dass uns die Leute in die Augen und direkt weiter in den Geldbeutel schauen, um sich an uns zu bereichern?“, fragte er, nur um gleich darauf zu antworten: „Was im Herzen oder im Gewissen gefühlt wird, spielt heute kaum noch eine Rolle.“

Mitarbeiter, die nur als Humankapital gelten, Bankberater, die von ihrer Provision leben müssen, Versprechen von heute, die morgen nichts mehr gelten – vielfältige Beispiele des Ordensmannes dafür, dass die Menschen häufig zuerst an sich denken würden und dann an die anderen: „Was immer wir auch benutzen, wir sollten es nicht benutzen, um uns anderen überzuordnen“, forderte Bruder Paulus ohne eine Minute stillzustehen. In Ordenskutte und Sandalen versprühte der Kapuzinerpriester aus Frankfurt seinen ganz eigenen Charme, machte Witze – auch auf eigene Kosten – und zog die Zuhörerschaft in der Hinterlandhalle als ein Entertainer des Glaubens in seinen Bann. Zahlreiche bunte Beispiele aus seinem Leben ließen den recht philosophischen Vortrag lebendig werden.

Werte, das verdeutlichte schon Wolfgang Brühl, Vorstandssprecher der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, in seiner Begrüßung, sollten nicht nur Menschen haben, sondern auch Unternehmen: „Wann, wenn nicht jetzt, in einer Zeit der Unsicherheit, zählen die Werte Vertrauen, Nähe, Solidarität, Selbstverantwortung und Zuverlässigkeit“, sagte Brühl. Um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, müsse auf der Grundlage moralischer Werte gehandelt werden.

Das sah auch Bruder Paulus so: „Der Glaube ist mein Job“ sagte der 52-Jährige, nur um zu ergänzen: „Und ich glaube, Werte sind nichts anderes als Stoppschilder. Werte sagen uns: Das geht nicht. Das darf man nicht. Das tut man nicht.“

„Was aber zählen nun Werte, die nicht zählen? Sie sorgen dafür, dass die Werte, die zählen, überhaupt ins Rollen kommen“, erläuterte der Guardian des Kapuzinerklosters Liebfrauen in Frankfurt. Sie sorgten zudem auch dafür, dass große Zahlen plötzlich ganz klein wirken. „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der die Menschen so reich sind, dass sie sich an mir nicht mehr bereichern wollen, dass sie so zufrieden sind, dass sie anderen zu mehr Zufriedenheit helfen wollen“, schilderte Bruder Paulus seine Wünsche an die heutige Gesellschaft und schloss seinen Vortrag mit den Worten: „Wer erfolgreich handeln will, muss sich anderen offenbaren.“

Katharina Kaufmann, Oberhessische Presse, 7. Oktober 2011

 

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