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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 5. November 2010 BZ Offenburg - Handarbeit hat göttlichen Charakter

"Die Handarbeit hat für mich göttlichen Charakter"

BZ-INTERVIEW mit dem früheren Offenburger Kapuzinerpater Bruder Paulus Terwitte über Arbeit und warum sie Spaß machen sollte.OFFENBURG. Zum Thema "Arbeit muss sein, aber ethisch und fröhlich" hatte der Förderverein der Gewerblich-Technischen Schule den früheren Offenburger Kapuzinerpater Bruder Paulus Terwitte als Referenten eingeladen. Gertrude Siefke unterhielt sich mit dem Ordensmann, der mit seinen Sendungen auf N24 und SAT.1 sowie als Buchautor aktiv auf seine Mitmenschen zugehen will.
BZ: Herr Terwitte, dieses Interview – ist das Arbeit für Sie?
Paulus Terwitte: Nein, denn damit verdiene ich kein Geld. Es gibt Anstrengungen und Mühen, es gibt den Schrebergarten und die Kindererziehung. Das alles würde ich streng genommen aber nicht als Arbeit bezeichnen.

BZ: Wie würden Sie "Arbeit" denn definieren?
Terwitte: Arbeit heißt, dass ich meine Leistung einbringe, und die Leistungsempfänger geben mir dafür Geld, das es mir ermöglicht, mit der Gesellschaft zu kommunizieren. Konsum hat etwas mit Kommunikation zu tun.

BZ: Und inwiefern soll Arbeit ethisch und fröhlich sein?

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Terwitte: Der Arbeitnehmer sollte sein Bestes geben, sich um Sachkundigkeit bemühen und nicht nur das Nötigste tun. Er sollte in der Arbeit aufgehen.

BZ: Das dürfte nicht immer so leicht sein.
Terwitte: Halt, erst einmal die andere Seite, die Arbeitgeberseite: Sie sollte ein Wirtschaftsgefüge schaffen, die es dem Arbeitnehmer ermöglicht, sich darin wohl zu fühlen. Das Ambiente muss stimmen, aber auch die Bezahlung. Henry Ford soll einmal gesagt haben: Meine Arbeiter sollen so viel verdienen, dass sie sich das Auto leisten können, das sie gerne fahren würden.

BZ: Gibt es diese guten Arbeitgeber?
Terwitte: Ja, viel mehr, als man denkt. Den ganzen Mittelstand würde ich dazu zählen. Klar, schwarze Schafe gibt es immer, auch in der Kirche. Aber alles in allen sind die Arbeitgeber besser als ihr Ruf.

BZ: Worin besteht der Impuls für Ihren Vortrag an der Gewerbeschule?
Terwitte: Ich fühle mich an berufsbildenden Schulen wohl. Denn eine meiner Thesen lautet, dass mit der Vertreibung des Christentums hierzulande das ehrbare Handwerk an Anerkennung verloren hat. Und dagegen will ich etwas unternehmen. 90 Prozent der Eltern sagen heutzutage: Was, du willst Metzger werden? Dann doch lieber Bankangestellter oder Online-Redakteur. Für mich ist das Handwerk oder vielmehr die Handarbeit Mitarbeit an der Schöpfung.

BZ: Und was hat das mit der Vertreibung des Christentums zu tun?
Terwitte: Damit kommt die alte griechische Philosophie wieder an die Oberfläche. Deren Credo bestand darin, dass das Leben erst dann sinnvoll ist, wenn man nicht mehr arbeiten muss, wenn man es sich leisten kann, den ganzen Tag mit Nachdenken und Müßiggang zu verbringen, und gleichzeitig auf diejenigen herabschaut, die wirklich arbeiten. Paulus hingegen hat mit der Idee erfolgreich missioniert, dass Gottes Sohn Handwerker war. Dieses Anpacken, dieses Sich-nicht-zu-schade-sein, darum geht’s. Arbeit soll Freude bereiten. Ich halte wenig von dem Ansatz: Mache deine Zen-Meditation, um diesen Fluch der Arbeit auszuhalten.
BZ: Aber wir können auch nicht alle Handwerker sein.
Terwitte: Aber wir brauchen einen Bürgermeister, der seinen Garten umgräbt. Wir brauchen keine feinen Pinkel, sondern Menschen, die sich nicht zu schaden sind, dort anzupacken, wo es nötig ist.

BZ: Mitunter macht Arbeit aber eben keinen Spaß.
Terwitte: Ja, manchmal ist es auch blöd zu arbeiten. Lassen Sie mich das als Kapuzinermönch begründen: Das liegt daran, dass wir aus dem Paradies vertrieben wurden. Aber liegt es oft nicht an der schlechten Bezahlung? Denken Sie an Altenpfleger und Krankenschwestern. Bei uns stimmt etwas mit der Entlohnung nicht.

BZ: Was halten Sie vom Grundeinkommen?
Terwitte: Ich bin ein Verfechter des Grundeinkommens. Dadurch gäbe es viel mehr Kreativität, weil die Leute keine Angst mehr haben müssten, nicht mehr "Mitglied der Gesellschaft" zu sein.

BZ: Macht Arbeit Ihrer Meinung nach glücklich?
Terwitte: Wir sollten die Frage umkehren, denn sonst wird die Arbeit instrumentalisiert. Wir sollten uns fragen, freut sich der Rasenmäher darüber, dass ich ihn benutzt habe? Sagt mein Schreibtisch danke, dass ich an ihm saß? Die Menschen haben kein Gefühl mehr für die Dinge, für das, was ihnen anvertraut wurde. Ich möchte die Handarbeit aufwerten, sie hat für mich göttlichen Charakter. Das Sprichwort mit dem "goldenen Boden" bezieht sich ja nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Zufriedenheit. Und daraus folgen Rechte und Pflichten, sowohl auf Arbeitgeber- wie auf Arbeitnehmerseite. 

Autor: ges
Badische Zeitung Offenburg, 5. November 2010

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