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Bruder Paulus findet Weihnachtsspot legitim

"Das ganz tolle Hyperfest"

In diesem Jahr beherrscht nicht der Geiz unter der Tanne die Werbung, sondern die Einsamkeit. Der kirchliche Medienexperte Bruder Paulus findet den neuen Edeka-Spot grundsätzlich gut, denn wofür nimmt man sich wirklich Zeit?

domradio.de: Was haben Sie gedacht, als Sie den Spot gesehen haben?

Medienexperte Bruder Paulus Terwitte: Als erstes habe ich gedacht, das ist ganz schön witzig gemacht. Beim zweiten Hinschauen muss ich dann sagen, ich kenne viele alte Menschen, die haben gar keine Leute, die sie einladen können und wieder andere, die haben sich so mit ihrer eigenen Familie verkracht, dass sie selber ein bisschen eine Aktie dran haben, dass keiner mehr kommen will. Also es ist ein bisschen schlicht gemacht.domradio.de:

Vor allem spielt es ja mit den Gefühlen, es versucht einen dahin zu manipulieren, dass man etwas empfindet, oder?

Bruder Paulus: Genau, nämlich zu empfinden, dass Weihnachten vielleicht doch das ganz tolle Hyperfest ist, bei dem wir alle zusammenkommen und natürlich alle mit Edeka unseren Tisch decken wollen. Da wird natürlich auf dieses Gefühl gemacht, dass ich ein bisschen grenzwertig finde.

domradio.de: Finden Sie es denn legitim, damit Werbung zu machen?Bruder Paulus: Ich finde es erst einmal legitim, dass kreative Leute da ein Thema aufgemacht haben. Das Thema jetzt so brutal hin zu bringen, dass Leute tatsächlich nur bereit sind, ihren Alltag zu unterbrechen, wenn der Tod angekündigt wird, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Leute halten ihre Trauung auch nicht mitten in der Woche, auch wenn es schön wäre, weil es etwa der Jahrestag ihres Kennenlernens ist. Die sagen auch, es muss windschnittig gemacht werden, dass es allen irgendwie passt und am Ende passt es niemanden. Nur wenn sie gestorben sind, dann können sie alle plötzlich kommen. Da ist schon eine Wahrheit dran.

domradio.de: Ich habe jetzt keine Lust erst einmal einkaufen zu gehen.

Bruder Paulus: Das ist eine Strategie, die man nicht unbedingt verstehen muss von Edeka. Andererseits wissen wir auch, dass viele Firmen auf diese Weise sich einfach ins Gespräch bringen wollen, was ja auch durch unser Gespräch gelingt. Grundsätzlich finde ich das richtig, dass man in der Gesellschaft eine Diskussion anstößt: was ist Dir wieviel Wert, dass Du Dir wirklich Zeit nimmst? Wenn das angestoßen wird, dann ist das Ziel erreicht.

domradio.de: Wie sollten wir mit älteren einsamen Menschen umgehen?

Bruder Paulus: Ich glaube, am wichtigsten ist, dass man in seiner Nachbarschaft, die Augen offen hält. Man muss jetzt nicht die berühmte Einladung zum Heiligen Abend selbst aussprechen. Da hat jeder auch eine Verantwortung, sein eigenes Leben zu gestalten, aber man darf durchaus auch aufmerksam in die Nachbarschaft hinein schauen, ob da ein Mensch ist, der tatsächlich froh ist, dass er mal angesprochen wird.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

domradio

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