Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 31. März 2013 - LIMA, Hand aufs Herz

Wir brauchen eine neue Leidenschaft

LIMA Bruder Paulus, im Titel vieler Ihrer Bücher findet sich der Aufruf „Trau dich!“. Wie ist das zu verstehen?

Bruder Paulus: Das 21. Jahrhundert ist geprägt von einer tiefen Verunsicherung. Wir können technisch gesehen immer mehr, vermögen moralisch gesehen aber immer weniger.

Die Kunstfertigkeiten im Beruf nehmen zu, die Fertigkeit, darin glücklich zu werden, nimmt ab. Wir brauchen ein neues Zutrauen zu dem Glück, das jedem geschenkt ist. Dem Glück, das bedeutet, im Kleinen das Ganze erleben zu können.

LIMA Nach wie vor treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Was muss passieren, um die Menschen wieder für Gott, aber auch seine Kirche zu begeistern?

Bruder Paulus: Ich mache die Erfahrung, dass Menschen auch in die Kirche eintreten. Letztens sagte mir eine Frau: „In den 20 Jahren, in denen ich aus der Kirche ausgetreten war, wollte ich mich selber finden. Im Rückblick muss ich erkennen: Nie habe ich mich mehr verloren gefühlt als in der Zeit, in der ich nur mich selbst in den Mittelpunkt gestellt habe.“

Die Menschen werden Kirche wieder ernst nehmen, wenn sie Gott in ihrem Herzen ernst zu nehmen beginnen.

Lima. Sie kümmern sich im Kapuzinerkloster Liebfrauen in Frankfurt am Main vor allem um wohnungslose Menschen. Nimmt die soziale Kälte in unserer Gesellschaft zu?

Bruder Paulus: Bei uns im Franziskus-Treff kommen täglich 160 arme und obdachlose Menschen zum Frühstück. Viele Ehrenamtliche begegnen ihnen, und ich freue mich über eine offene und herzliche Atmosphäre in unserer Einrichtung. Wir werden von vielen Menschen unterstützt, die ein Zeichen gegen die soziale Kälte in unserer Gesellschaft setzen wollen.

LIMA Wie kann ein sozialeres Miteinander in unserem Leben gelingen?

Bruder Paulus: Wenn unsere Gesellschaft wieder lernt, dass Reichtum nur dann Wohlstand ist, wenn alle daran teilhaben können, dann sind wir wieder auf dem richtigen Weg. Im Umgang miteinander braucht es den Respekt vor der anderen Meinung und eine Lust an der Wahrheit. Wir brauchen eine neue Leidenschaft für das, was uns am Herzen liegt. Miteinander gelingt da, wo ein Feuer des Geistes gelegt ist, wo Menschen sich begeistern lassen. Und Begeisterung bringt Veränderung mit sich, biblisch gesprochen: neuen Aufbruch.

LIMA Sie selbst sind in den Medien sehr präsent. Was muss die katholische Kirche in Sachen Öffentlichkeitsarbeit noch dazulernen?

Bruder Paulus: Ich gehe gerne auf die Menschen zu. Es braucht Gesichter,
die gerne mit den Menschen sprechen. Ein Priester, der die Zeitungsredaktion besucht, muss Realität werden. Ein Bischof, der in eine Talkshow geht, ist heute notwendiger denn je. Aber vor allen Dingen sollten die Katholiken vor Ort einen guten Kontakt pflegen mit den Radiosendern, den Zeitungen, den Internetbloggern – und nicht ängstlich zuschauen, was sich dort alles tut. Die Menschen warten auf das Zeugnis von reifen und fröhlichen Christen.

Martin Mölder, LIMA 08/2013

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