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Interview im Turmzimmer/ Juli 2015

Was ist Stille?

Bruder Paulus: Stille ist das Herz, aus dem die Welt geboren wird. Als tiefes Schweigen das All umfing, da sprang dein allmächtiges Wort, oh Gott in unsere Zeit und Niedrigkeit, heisst es im Buch der Weisheit.

Was ist Leben?

Bruder Paulus: Leben ist das Tanzen des Todes, denn im Abschied nehmen und empfangen, im Beginnen und Vergehen wird die Welt.

Welche Rolle spielt Zeit bei Stille?

Bruder Paulus: Manchmal ist die Stille so, dass sie uns quält. Ganz still im Wartezimmer eines Zahnarztes warten. Und manchmal ist die Stille so, dass sie uns aufbaut. Wie das stille Warten in sicherer Hoffnung, dass der Geliebte kommen wird, und wenn ich zwei Stunden auf ihn warten muss!

Welche Rolle spielt Zeit im Alltag?

Bruder Paulus: Ich kaufte mir in einem Laden, der allles vorrätig hatte, eine Stunde Zukunft und sprang dann ... leider kann ich es nicht weiter zitieren, ein Gedicht von Rose Ausländer, aber die Zeit in unserem Alltag, wir haben 24 Stunden, und wir sollten sie beherrschen und uns nicht von ihr beherrschen lassen.

Welche Rolle spielt  Zeit bei „Leben“?

Bruder Paulus: Wenn Leben das Tanzen des Todes ist, dann spielt Zeit dort keine Rolle. Denn mit jedem wird genau angemessen getanzt, mit dem einen 89 Jahre, mit dem anderen 2 Tage.

Was ist Zeit?

Bruder Paulus: Zeit ist die Blüte der Ewigkeit. Die Ewigkeit blüht in der Zeit auf, denn da Zeit Anfang und Ende hat, können wir nur so überhaupt begreifen, was Ewigkeit ist. Die Ewigkeit blüht in der Zeit auf.

Was fällt Ihnen ein, ´Alles´ zu beschreiben?

Bruder Paulus: Gott. Mein Gott und mein Alles.

Welche Bedeutung hat Tod im Bezug auf Stille?

Bruder Paulus: Der Tod wird für uns als Eingang in die Grosse Stille wahrgenommen, weil wir auf der Seite der Zeit sind. Die Stille des Todes ist die Rückseite des grossen Gesanges des ewigen Lebens.

Was hat Zeit mit Leben und mit Tod zu tun?

Bruder Paulus: Wir tanzen ein Leben lang mit dem Tod und gehen in diesem Tanz immer neu hervor und werden neu geschaffen, in manchmal schmerzlich langen Prozessen, manchmal in augenblicklichen Momenten der Verwandlung.

Gibt es einen Grund für Leben, einen Sinn für Tod?

Bruder Paulus: Die Bibel ist eindeutig. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt, weil der Mensch ausgestattet mit Ewigkeitskriterien von Gott her, seine Liebesfähigkeit und seine Kreativität und sein Sehnenurteil, um sich selbst zu feiern, missbraucht hat.Statt sich zu öffnen für den Gott, der ihn schuf, hat der Mensch sich den Faden zum Himmel abgeschnitten und ist zusammen gesunken bis auf die Erde, bis in den Tod. Bis Gott diesen Faden dann neugesponnen hat. Um uns in Jesus Christus, so sagen wir Christen, um in ihm den Menschen wieder neu aufzuheben.Eine wahnsinnige Vorstellung, aber Gott hat den Tod nicht gewollt, und der Tod ist schon gar nicht natürlich. Ich protestiere gegen den Tod. Zu sagen, jemand mit 89, na ja, der durfte ja auch sterben, finde ich ziemlich gewagt. Und genauso gewagt  finde ich es, wenn ein 19-jähriger stirbt, zu sagen, das war zu früh. Denn vielleicht wäre er mit 23 querschnittsgelähmt gewesen und hätte sich die nächsten 40 Jahre quälen müssen. Woher wissen wir das, ob es ein zu früh oder zu spät gibt?

Gibt es eine Frage, die Sie schon immer einmal stellen wollten?

Bruder Paulus: Warum es so vielen Menschen schwerfällt ihr Knie zu beugen vor der Liebe, die sie geschaffen hat!Was würden Sie sich schenken?Da ist es schwer für mich darauf zu antworten, weil ich nichts besitze und weil ich nur beschenkt bin. Ich bin mit allem beschenkt, ich habe kein Eigentum. Ich bin ein Kapuziner. Alles ist mir geschenkt.

Und was würden Sie der Welt oder der Menschheit schenken?

Bruder Paulus: Lust zur Leidenschaft in der Liebe. Und die Befreiung des Irrtums zur Liebeslüge. Es wird so viel über Liebe gesprochen und niemand will das Opfer bringen, das sie meint. Es wird so oft `ich liebe dich´ gesagt, ohne zu meinen: ´Ich bin bereit, für dich zu sterben´. Und wenn es gesagt wird, ´ich bin bereit für dich zu sterben´, wird damit heute komischerweise die Ideologie gemeint, eines kriegerischen Auseinandersetzen für irgendeine Idee.Aber ich würde mir wünschen, dass Männer und Frauen wieder mehr für einander sterben würden in der Liebe, dann würden auch wieder mehr Kinder geboren werden und wir hätten mehr Hoffnung in dieser Welt. Solange sich da zwei Egokraftwerke zusammen tun, gibt es keine Kernfusion.

Interview: Sandra Li

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