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Nicht auf später hoffen, sondern jetzt handeln

Weilheim. Wer trotz überraschendem Wintereinbruch in Sandalen in die Weilheimer Limburghalle kommt, steht damit eher etwas außerhalb der mehrheitsfähigen Norm. Wer als Gastredner zudem


in eine eher schmucklose Kutte gehüllt ist, macht damit zugleich aber auch schon augenfällig deutlich, dass es wichtigere Dinge gibt als Kleiderordnungen und andere Äußerlichkeiten.

Bruder Paulus Terwitte, Leiter des Kapuzinerklosters Liebfrauen in Frankfurt am Main, hatte den über 300 am vielschichtigen Thema „Glauben und Leben“ interessierten Menschen viel zu sagen, die seinetwegen in die Weilheimer Limburghalle gepilgert waren.

„Alle dabei? Vom Himmel und wie er zu finden ist“ lautete das Thema, mit dem sich der Kapuzinermönch im Rahmen der von der Evangelischen Kirchengemeinde Weilheim veranstalteten Reihe „Kreuz und quer“ beschäftigte. Sofort umsetzbare Patentrezepte hatte Bruder Paulus Terwitte freilich nicht dabei. Er stellte vielmehr sich und seinem Publikum viele zum Nachdenken anregende Fragen. Das war zweifellos spannender und zielführender, als fertige Antworten geben zu wollen, die es bei der individuellen Auseinandersetzung mit dem spannenden weiten Feld zwischen Himmel und Erde nun einmal gar nicht geben kann.

Der von Pfarrer Peter Brändle in seiner Einführung zitierte „Schlagerdichter Jupp Schmitz“ hatte es sich in den 50er-Jahren da noch vergleichsweise einfach gemacht und frohgemut versprochen: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“

Von dem medienerfahrenen hochkarätigen Referenten wurde zweifellos mehr erwartet. Am Vormittag hatten ihn manche Besucher des fulminanten Vortragsabends ja vielleicht schon auf dem heimischen Flachbildschirm im tief schürfenden Gedankenaustausch mit Heiner Geiß­ler über Gott und die Welt erlebt.

In der Limburghalle bewies der sehr weltoffene Klosterbruder bei aller Ernsthaftigkeit seines Impulsreferats auch kabarettistische Schärfe und hohen Unterhaltungswert. In einem Obdachlosenprojekt engagiert, war dem unkonventionellen Katholik die Bemerkung wichtig, dass er dort lediglich eine Zuflucht bieten, aber niemanden „sozialsorgerisch fertigmachen“ wolle.

Bevor Bruder Paulus zu seinem gehaltvollen und tief gründenden Diskurs anhob, hatte das stimmgewaltige „kreuz & quer“-Singteam mit den Besuchern zusammen schon einmal in gemeinsamem Gesang für den „erforderlichen Zusammenhalt der Gruppe“ gesorgt. Mit thematisch sehr gut zum Vortragsthema passenden Stücken von Eric Clapton, Sarah McLachlan, Florence Joy und Joan Osborne sorgte das Duo „Vocal Affair“ – Sandra Schöne und Patrick Schwefel – zusätzlich für einen gefälligen musikalischen Rahmen.

Der geladene Kapuzinermönch – der es sich laut Pfarrer Brändle „zur Aufgabe gemacht hat, junge Männer für ein Leben im Kloster zu begeistern“ – räumte zunächst gut gelaunt ein, dass er es „natürlich ­auf Neuzugänge“ abgesehen habe, warn­te­ aber umso ernsthafter davor, dass „Seelsorge nie zur Zählsorge“ werden dürfe, bei der Mitgliedszahlen wichtiger sind als Menschen.

Wer glaubt, dass „nur das Ich zählt“, und ja schließlich auch dann an alle gedacht sei, wenn jeder an sich selbst denkt, täusche sich. Auch wer „zu sich selbst finden möchte“ ist aus Sicht des Priesters in der falschen Richtung unterwegs. Wer an nichts anderes denke, als immer nur an das sprichwörtliche „Schaffa, schaffa Häusle baua“, für den sei der Himmel fern. Auf dem weiten Weg dorthin gelte es vielmehr, sich nicht allein auf sich selbst sondern vor allem auf seine Mitmenschen zu konzentrieren und auf Aufgaben, die nicht immer wieder nur halbherzig hinausgeschoben sondern entschlossen angepackt werden müssen, empfahl Bruder Paulus seinen versammelten „Brüdern und Schwestern“.

„Himmel“ bedeute zu wachsen, zu anderen Menschen zu finden und die darin liegenden Chancen zu erkennen, die viel größer seien, als man glauben mag. Jeder Mensch ist für Bruder Paulus Terwitte „ein Kraftwerk, das zu seiner eigenen Energie finden“ müsse. Entscheidend sei, den Mut zum Leben zu finden, dessen Unabgeschlossenheit zu bejahen und offen zu bleiben für Neues. Wer die Kraft hat, in angeblichen Problemen immer nur die darin liegende Herausforderung zu erkennen und konsequent anzugehen, könne auch der Einladung folgen, hier und heute die erforderlichen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Vom Himmel zu reden, heißt nicht, auf später zu hoffen, sondern jetzt zu handeln“, lautet die klar bezogene Position des Kapuzinermönchs, der überzeugt ist: „Wer an den Himmel glaubt, kann nicht verzagt sein.“ In seinem abschließenden Gebet formulierte Pfarrer Brändle dann auch die nach den vorausgegangenen Ausführungen sicher von allen Besuchern unterstützte Bitte nach „mehr Himmel auf unserer Erde“.

WOLF-DIETER TRUPPAT, Teckbote Online, 30. Oktober 2012

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