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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 30. November 2011 - Das deutsche Obrigkeitsding

Das deutsche Obrigkeitsding
Als Gast der Kirdorfer Kolpingfamilie spart Bruder Paulus nicht mit Kritik an Kirche und Glauben

Bruder Paulus glaubt nicht an den Papst und die Kirchensteuer, sondern an Christus. Im Bürgerhaus Kirdorf fand er klare Worte, weshalb die katholische Kirche nicht in Bewegung komme. Die Zusammenlegung der Pastoralen Räume sah er kritisch.

Kirdorf.

"Wenn zwei zusammen beten, dann sind sie die Kirche", sagte Bruder Paulus, in seinem Vortrag zum Thema "Wie kommt Kirche wieder in Bewegung", im Bürgerhaus. Doch das werde meist so nicht gesehen. Das "hat mit dem Obrigkeitsglauben zu tun. Das ist ein deutsches Ding", weiß Bruder Paulus, Kapuzinermönch am Kapuzinerkloster Liebfrauen in Frankfurt. Doch wenn eine Kindergärtnerin mit Kindern bete, dann sei das genauso heilig, als träfe sich der Papst sich mit den Kardinälen.

Der Andrang zum Vortrag des Kapuzinermönchs bei der Kolpingfamilie war groß. Rund 270 Besucher waren dazu ins Kirdorfer Bürgerhaus gekommen.

"Ich glaube an Christus"

Zunächst analysierte Bruder Paulus die Institution Kirche: "Die Kirche soll Werkzeug der innigsten Vereinigung zwischen Gott und den Menschen sein. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Wir sind kein Selbsterhaltungs-Club, sondern haben einen Auftrag, in Bewegung zu sein", stellte er klar. Die Kirche sei nie ein Verein der Vollkommenen gewesen. "Mir geht das Papstgetue auf die Nerven. Ich glaube nicht an den Papst, den Bischof, den Pfarrer, das Pfarrbüro und die Kirchensteuer. Ich glaube an Christus", sagte er. In Bewegung kommen könne man aber nur, wenn man ein Fundament habe, das einen trägt, betonte Bruder Paulus. "Bewegung setzt etwas Bleibendes voraus. Und dieses Bleibende sei die Zusage Gottes, für die Menschen da zu sein. Doch man selbst müsse auch etwas tun, man selbst zum Brückenbauer werden. Das Ordensleben sei dafür ein lebendiger Gottesbeweis. Denn hier würden aus Fremden Freunde. Die sieben Brüder im Frankfurter Kapuzinerkloster würden bestimmt nie zusammen in Urlaub fahren, zu unterschiedlich seien ihre Interessen. "Aber auch die Apostel wären nie zusammen kegeln gegangen." Scharf verurteilte der Ordensmann den heutigen Egoismus in der Gesellschaft. "Sünde heißt, dass ich etwas Besonderes sein will auf Kosten der anderen und mich absondere", sagte er.

"Seien Sie mutig!"

Die Zusammenlegung der Pfarreien zu großen Pastoralen Räumen sah der Ordensmann kritisch. "Das gibt riesige Überstrukturen, an deren Ende autoritäre Gebilde stehen, weil niemand mehr durchblickt. Ich glaube, dass das Heil nicht von der Struktur kommt." Die Anwesenden forderte er zu großer Wachsamkeit auf. "Prüfen Sie die Charismen und bitte seien Sie mutig, vor Ort das zu suchen, was dort möglich ist."

Und da könne auch die Kolpingfamilie noch einiges mehr als bisher in die Wege leiten, schlug Bruder Paulus vor. "Gründen Sie Nachbarschaftshilfen, damit nicht an 27 Herden mittags jeweils zwei Kartoffeln und ein halbes Schnitzel zubereitet werden." Und er fragte weiter: Warum machen Sie sich nicht gemeinsam auf den Weg? "Dafür braucht es keine Struktur. Man lädt einfach zwei bis drei alte Leute ein."

Die katholische Gemeinde fragte er: "Wo haben Sie Gasträume, wo andere sich wohlfühlen?" Eine Antwort wartete er erst gar nicht ab, sondern stellte klar: "Wir sind eine Art gruppendynamischer Inzuchtverein. Wir unterscheiden immer genau, wer dazugehört." Und weiter: "Sie müssen nicht alles tun, aber achten Sie darauf, dass Sie nicht [bloß] für sich da sind."

Sophia Bernhardt, Taunus Zeitung, 30. November 2011

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