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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 26. Mai 2012 - OP Online - Herzensaugen öffnen

Herzensaugen öffnen

Frankfurt/Offenbach - Der entscheidende Satz der biblischen Pfingstgeschichte lautet: „Ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“ Pfingsten ist ein nur schwer zu greifendes Fest.

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Mit dem Segway bewegte sich Kapuzinermönch Paulus Terwitte auf dem Mannheimer Katholikentag. Im Gespräch mit unserer Zeitung wirbt er dafür, Pfingsten neu zu entdecken.
© dpa

Mit dem Segway bewegte sich Kapuzinermönch Paulus Terwitte auf dem Mannheimer Katholikentag. Im Gespräch mit unserer Zeitung wirbt er dafür, Pfingsten neu zu entdecken.

Worum geht es wirklich? Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte den Frankfurter Kapuzinermönch Paulus Terwitte:

An Weihnachten wird eine Krippe aufgestellt. An Ostern blicken die Christen zum Kreuz als Symbol für Tod und Auferstehung. An Pfingsten machen viele einfach mal frei. Und was noch?

Sie schauen zum Himmel. Sie fahren „ins Blaue“. Das Oben und die Weite faszinieren selbst jene, die nicht glauben können, es stecke etwas jenseits dieser Grenzen. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin meinte dazu lakonisch: Ich war oben, aber Gott habe ich nicht entdeckt! Ich sag darauf: Dann muss man mal die Herzensaugen öffnen. Pfingsten ist das Fest für den weiteren Blick: Luft, Regen, Sonne und Weltall beschenken uns mit Leben. Pfingsten feiern Christen: Der Atem in allem Leben ist Gott selber, Gott Heiliger Geist.

Es geht also um den Geist Gottes. Was bedeutet das konkret,wie kann man ihn erfahren?

Er ist die Kraft, mit der einer sich zur Versöhnung aufrafft. Er ist der Beweger, wenn einem die Ideen ausgehen. Er ist der Stopper, wenn man auf der Lustschiene abfährt. Gehen Sie mal auf www.statt-seitensprung.de. Da finden Sie viele Beispiele, wie man Heilig-Geist-kreativ mit Partnerschaft und Liebe umgeht. Wenn man etwas Neues ausprobiert in der Treue - dann ist ja erst die Angst da: Wird das was werden? In diesem Wagnisraum ist der Heilige Geist besonders kreativ am Werk. Merken Sie, mit wie viel Vertrauen auf diesen Heiligen Geist ich einfach drauflosrede und Freude daran habe, was er mich mir einfallen lässt?

Warum gelingt es der Kirche oft nicht, die Menschen zu erreichen?

Da geht es der Kirche zunächst mal so wie den Parteien, Gewerkschaften und Vereinen. Es gibt viele, die mitlaufen, und wenige, die sich engagieren. Bei der Kirche kommt noch das schwere Marschgepäck der Jahrhunderte hinzu: Doch gerade darin hat sich ja Jesu Botschaft und Sein Wirken bis heute für die Menschen begreifbar gemacht. Und genau darin liegt die Herausforderung: Wenn sich die Zeiten ändern, müssen sich die Botschaften ändern. Auch da der Vergleich: Fußball war mal ein Spiel, heute werden Spieler für Beträge verkauft, mit denen man eine Kirche bauen könnte. Die Kirche war mal weltlich einflussreich, heute muss sie sich für alles Weltliche rechtfertigen, mit dem sie noch behaftet ist.

Auch Pfingsten wird ja wieder deutlich, dass immer mehr Menschen der katholischen Kirche skeptisch gegenüberstehen. Welchen Themen sollte sich die Kirche besonders zuwenden?

Ich finde es gut, wenn viele Menschen der katholischen Kirche skeptisch gegenüber stehen. Ich versuche das sogar auch mir selber gegenüber, mit mehr oder weniger Erfolg (lacht). Der Kirche tut es gut, Fragen gestellt zu bekommen und Antworten darauf zu suchen, die verstanden werden können. Aber: Manches wird man am Christentum nie verstehen können. Und es bleibt das Rätsel des Heiligen Geistes, warum er die einen zum Bekenntnis führt: Jesus ist der Herr! und manche davon zur Kirche, und warum er die anderen zu anderen Bekenntnissen führt und manche gar noch im Zögern belässt, ob sie überhaupt etwas bekennen sollen. Wenn Sie mich nach „attraktiven“ Themen fragen: Ich würde mich freuen, wenn sich an Pfingsten alle Gemeinden im Umland entschließen würden, ab sofort jeden Tag zwei Stunden pro Tag in der geöffneten Kirche mit zwei Mitgliedern für alle Menschen sichtbar offen zu sein - wie Gott. Das stille Gebet und Menschen daran teilhaben zu lassen ist der erste Dienst der Christen, die an Pfingsten besonders stolz von sich sagen dürfen: Wir sind Dank der Gabe Gott, dem Heiligen Geist, alle Geistliche. Zum Wohl für alle Menschen.


OP Online, 26. Mai 2012

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