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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 22. Januar 2010 Mainpost - Mutig mit Gottes Hilfe

Mutig, mit Gottes Hilfe

Der Kapuziner Bruder Paulus ist ein bekannter Fernsehmann, trotzdem arm und ein mutiger Geistlicher

Als sich der 17-jährige Bernhard Terwitte im Jahr 1977 entschied, ins Kloster zu gehen, hatte er eine der größten Mutproben seines Lebens bereits hinter sich: Ein Jahr zuvor sagte er seinem Vater, dass er seine ihm zugedachte Rolle als Nachfolger im elterlichen Obst- und Gemüsehandel nicht annehmen wird. „Ich sollte Gärtner werden“, erinnert sich der heutige Bruder Paulus. Daraus wurde nichts. Stattdessen wurde er zu einem bekannten Vertreter seines Ordens mit mehreren eigenen TV-Formaten. Inzwischen lebt er im Kloster am Würzburger Käppele.

Was heute so einfach klingt, war damals ein Kraftakt für den gerade 17-Jährigen. „Da musste ich all meinen Mut zusammen nehmen“, sagt Bruder Paulus. Dagegen seien die Entscheidungen für ein Leben im Kloster und damit natürlich auch für Ehelosigkeit und Armut ein Klacks gewesen. Von Kindheit an habe das kirchliche Leben eine große Faszination auf ihn ausgeübt. Er war Ministrant, leitete Jugendgruppen, fuhr auf Kirchenfreizeiten und las im Gottesdienst aus dem Evangelium vor. „Das fanden viele Gleichaltrige schon recht komisch“, räumt er ein.

Zum Beispiel auch die beiden Freundinnen, die der junge Bernhard zwischen 15 und 18 Jahren hatte. „Die hatten es nicht leicht mit mir“, erzählt er. Anstatt seine Freundin am Samstagabend ins Kino auszuführen, ging er lieber früher schlafen. Sonntags leistete er nämlich immer Krankendienst im Krankenhaus – kostenlos und aus Spaß an der Freude. „Und wenn ich dann mal Zeit für die Mädchen hatte, habe ich ihnen ständig etwas vom Liturgiekreis oder Messdienern erzählt“, erklärt er. „Ich hab den beiden ganz schön was abverlangt“, ergänzt der Kapuziner.

Es sei nicht mutig gewesen, sich statt der Liebe zu  Gott mit einer Frau in einer Familie für die Liebe zu Gott mit Brüdern in einem Orden entschieden zu haben, sagt er. Mutig sei nur gewesen, sich nicht von diesem Weg abbringen zu lassen und den Schmetterlingen im Bauch dann und wann nicht nachgegeben und widerstanden zu haben. „Immer wenn das Herz von einer Beziehung erfüllt ist, wie bei mir zu Gott, dann wachsen einem Flügel“, erklärt Bruder Paulus. Dennoch sei es „natürlich schmerzlich, keine Kinder und keine Frau zu haben“. Doch er  wisse, „wie schmerzlich es auch sein kann, wenn man beides hat“.

Bruder Paulus, der seit dem  Eintritt bei den Kapuzinern in verschiedenen Klöstern gelebt und unter anderem als Sozialarbeiter und Seelsorger gearbeitet hat, ist inzwischen eine kleine Berühmtheit. So ist er zum einen ein gern gesehener Gast in Talkshows, zum anderen moderiert er selbst Sendungen auf verschiedenen Sendern. Doch von all der Medienarbeit hat er nicht viel, zumindest nicht finanziell. „Es macht mir schon was aus, nichts mein eigen nennen zu können“, sagt er. Und es schmerze, „nur die Kontonummer der Gemeinschaft angeben zu können“.

Dennoch lebt er gerne in der Gemeinschaft der Kapuziner – und in Armut. „Man kann seinen Reichtum ja nicht essen und immer nur einen kleinen Teil genießen“,  erläutert er. Die Klostergemeinschaft am Käppele lebe „nun weiß Gott nicht in Elend“, nur verzichte man eben auf überflüssigen Luxus. „Wer sich ‚was leisten will’, der will sich oft nur von anderen abgrenzen“, fügt der Pater hinzu. Damit verstoße man aber gegen grundlegende christliche Werte. „Vor allem das anonyme Geld zerstört die Gemeinschaft der Menschen.“ Dennoch reize auch ihn „das Archaische“ am Besitz.

Mutproben, sagt Bruder Paulus über sich selbst, habe er nie eine mitgemacht. „Es kommt allerdings ganz darauf an, was man unter eine Mutprobe versteht!“ So hat er sich mutig gefühlt, als er jungen Eltern den Aufschub der Taufe ihres Kindes empfahl, weil diese der Sinn dahinter nicht interessierte. Mutig hat er dem thüringischen Innenminister in den 1990er Jahren persönlich gesagt, dass dort die Polizei die rechten Jugendlichen stets laufen ließ, die linken aber regelrecht hetzte. „Mutig fand ich mich auch, als ich eine Nacht  am Bett eines sterbenden Balletttänzers saß und mit ihm Musik hörte, bis er gestorben war.“

Daniel Staffen-Quandt, Mainpost, 22. Januar 2010

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