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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 13. Dezember 2009 Bamberger Heinrichsblatt - Vortrag Männer-Einkehrtag der Erzdiözese Bamberg

13. Dezember 2009 - Bamberger Heinrichsblatt - Vortrag beim Männer-Einkehrtag der Erzdiözese Bamberg

Bruder Paulus Terwitte (OFMcap) spricht  beim Männer-Einkehrtag der Erzdiözese Bamberg

"Die Finanzkrise ist eine globale Kommunikationskrise..."
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Dem Kapuziner Paulus Terwitte zuzuhören ist ein Genuss. Er ist ein moderner Mönch, der alle Medien nutzt, um als Seelsorger und  Beauftragter für Berufungspastoral mit den Menschen über aktuelle Themen, ethische und moralische Zeitfragen und Fragen der Lebensgestaltung  ins Gespräch zu kommen. Bekannt sind seine Talksendung "Um Gottes Willen- N 24 Ethik", seine Beiträge in Sat 1 ("So gesehen") und im Hörfunk HR 4 ("Radioladen"), seine Homepage und zahlreiche  Buchveröffentlichungen ( Reihe:
Trau dich...).

Der Diözesanvorsitzende Dipl. Theol. Thomas Leimbach hatte den Kapuzinermönch als Fachmann für Ethik und Wirtschaft zum diesjährigen diözesanen Männer-Einkehrtag in die Benediktinerinnen-Abtei Maria Frieden nach Kirschletten eingeladen, um über das Thema
"Eigentum- Verantwortung: Meditation über die Finanzkrise" zu sprechen.

Obwohl es um ernste und bedrückende Fragen unserer Zeit ging - wie ist die Finanzkrise enstanden, wie ist sie zu bewerten und was können wir tun? - gelang es dem Medienprofi Paulus Terwitte rasch, seine große Zuhörerschaft mit schauspielerischem Talent und lebhafter Ausdrucksweise zu fesseln. Seine Fähigkeit, auch schwierige Sachverhalte mit einfachen Bildern zu erklären und auf den Punkt zu bringen, verblüffte die Zuhörer und entlockte manchem ein Schmunzeln.

Der Kapuziner sprach als "Sohn des Franz von Assisi" und erklärte die grundlegende ökonomische Idee, die dieser Kaufmannssohn im 13. Jahrhundert erkannt hatte: Alle Menschen sind gegenseitig voneinander abhängig, keiner kann alleine leben.

Franz fand in der Hinwendung zu den Armen zu Gott und sah, dass Gott Verbundenheit zwischen den Menschen stiftet. Gott kommt aber nicht als Reicher, sondern als Bedürftiger. Deshalb mache es keinen Sinn, sich  (als Reicher) von der Gemeinschaft abzugrenzen. Man muss sich öffnen und miteinander kommunizieren

Sodann vermittelte Bruder Paulus einige grundlegende "Basics", um die Finanzkrise zu verstehen:
Nach Kardinal Josef Höffner, einem Mitbegründer der katholischen Soziallehre, stehen Ökonomie und Wirtschaft im Dienst der Menschen und nicht umgekehrt. Auch Geld ist kein Ziel. Es ist an sich gar nichts wert, sondern nur ein Kommunikationsmittel, das einen Gegenwert braucht. Gerade für Wirtschaftsleute sei es unabdingbar, immer einfach und aufrichtig zu bleiben.
Weitere "Basics" sind die drei Grundprinzipien der katholischen Soziallehre: Personalität, Solidarität und Subsidiarität.

Jeder Mensch hat das Recht auf würdige Behandlung (Personalität). Daraus erwächst die Pflicht, miteinander zu kommunizieren, denn die Vernetzung der Menschen ist eine von Gott gewollte Aufgabe.
Keiner hat das Recht, sich wertvoller als andere zu erachten. Alle sollen sich brüderlich verhalten (Solidarität) und sich im Notfall gegenseitig unterstützen (Subsidiarität).

Wie ist nun die  Finanzkrise zu bewerten?

Paulus Terwitte erhebt keine Vorwürfe gegen geldgierige Manager ("Verträge sind einzuhalten, das muss man sich vorher überlegen"), sondern setzt ganz unten an:"Die Finanzkrise ist eine globale Kommunikationskrise. Es fehlt das wahre Gespräch, die wahrhaftige Kommunikation."

Die Ursachen der Finanzkrise sind leicht ausgemacht. Die amerikanische Kreditgesetzgebung habe es erlaubt, Leuten Kredite zu geben, die nicht kreditwürdig sind. Diese Gesetze seien deshalb gemacht worden, weil es der Finanzbranche gut tue.

Den Menschen wurden also per Gesetz und legal erlaubt, große Kredite für ihre Häuser aufzunehmen, die sie nicht abbezahlen können. Die Banken kaufen verschuldeten Besitz auf, geben ihn als ihr Eigentum aus und verleihen es als Geld weiter. Damit sind die einfachsten kaufmännischen Regeln nicht beachtet worden.

Es wird klar: Geld hat etwas mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu tun. Alle Finanzaktionen brauchen Wahrhaftigkeit und Wahrheit. Da sich bis heute nichts an der US-Kreditgesetzgebung geändert hat, wird so weiter gewirtschaftet wie bisher. Für Bruder Paulus ist die Finanzkrise aber auch eine Wandlungs- und Strukturkrise.

Die Welt ändert sich heute schnell und die Menschen wollen nicht darauf reagieren. Das gilt für die Wirtschaft wie für die Kirche und das Privatleben.
So werde beispielsweise heute über 20% des deutschen Kapitals nicht in Deutschland, sondern in Afrika und Asien erarbeitet.

Durch die finanzorientierte Welt wird leider auch Misstrauen unter uns gesät. Wir haben z.B. heute Angst, der Arzt behandle uns so, dass es ihm gut tut, und nicht uns.

Was können wir tun?

In der Finanzkrise helfe es nicht, nach einem starken Mann zu rufen. Vielmehr brauchen wir Rechtssicherheit und mehr Vertrauen in das Ringen um das Gemeinwohl. Dies sei unsere Weltaufgabe, eine schwere Aufgabe der Kommunikation.
Dabei sei es eine Ironie der heutigen Zeit, dass wir die Geräte zur globalen Kommunikation besitzen, aber nicht die Herzen dazu.

Nach dem Grundprinzip der Subsidiarität haben Christen die Pflicht, Schwächere zu unterstützen. Wie sieht es damit in unserer persönlichen Umgebung aus?

Kommunikation untereinander stärken!

Wir sollten uns trauen, uns gegenseitig unsere Armut zu zeigen, um Hilfe zu bitten und Fragen zu stellen, auch auf die Gefahr hin, Schwäche zu zeigen. Dies gilt für Entfremdung und Probleme in der Kirche ( " es hat sich viel verändert in den vergangenen 20 Jahren, aber wir feiern unsere Gottesdienste und Pfarrfeste wie bisher") und in den Familien.

Pfarrer sollten in ihrer knapp bemessenen Zeit dringend Jugendliche , z. B. an ihrem 18. Geburtstag, besuchen, um ihnen Orientierung zu geben und ihre Fragen zu beantworten.

Auch in den Familie müsse wieder mehr miteinander gesprochen und gemeinsam gehandelt werden, anstatt über Weihnachtsgeschenke nachzudenken. Es ist gut, wenn Großeltern fähig werden, ihre Enkel einzuladen, um mit ihnen ihren Reichtum zu teilen und sich mit ihnen auszutauschen, was ihnen wichtig ist. Es ist gut, wenn Eltern und Kinder und Eheleute gegenseitig sich wieder um etwas bitten und besser miteinander kommunizieren.

Auch Jesus trat als Bittsteller und Bettler auf - er bat eine Frau um Wasser und öffnete dabei eine Quelle.

Eva Lederer / Bamberger Heinrichsblatt (Kirchenzeitung für das Erzbistum Bamberg), Nr. 50 v. 13.12.09 

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