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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 05.05.2016 - Interview Offenbach Post

Christi Himmelfahrt

1.    Christen glauben, dass Jesus Christus 40 Tage nach Ostern in den Himmel auffuhr, um bei Gott zu bleiben. Seinen Jüngern, die auf der Erde zurückblieben, gab er den Auftrag, in seinem Geist der Liebe und des Miteinanders gemeinschaftlich eine Perspektive aufzubauen. Also etwas Tragfähiges zu machen. Wie verstehen Sie diesen Auftrag?
Als Anstoß, mehr Schnitte zu wagen. Das Neue des Christentums war ja von Anfang an, die Traditionen der Menschheit auf den Prüfstand zu stellen. Ob vorher religiös oder eher philosophisch orientiert, in der Sprache der Bibel: Ob Jude oder Heide – die Begegnung mit Jesus eröffnete aus dem, was man kannte, eine echte Alternative durch eine neue Perspektive. Darum wurden und werden Christen so oft als progressiv wahrgenommen: Sie können sich lösen aus Familientraditionen, Dorf- und Staatstraditionen. Für sie gilt nicht, was war, sondern das, was kommt: Denn der, der in den Himmel auffuhr, den erwarten Christen ja zurück als Richter der ganzen Welt.

2. Für viele Christen ist die  Himmelfahrtsgeschichte besonders berührend, lebensbejahend ...geht Ihnen das auch so?
Uns Menschen durch Jesus bei Gott gut aufgehoben zu wissen, macht mich täglich neu froh.  Was immer und wo immer Menschen sind, müssen diese deshalb den Vorrang haben vor allem, was man aufrechterhalten, sichern oder gar vor anderen verstecken will. Sich nicht festhalten am Althergebrachten, sondern dem „Fürchte dich nicht“ des auferstandenen Jesus vertrauen: Neue Nachbarn willkommen heißen, Fremde nicht abweisen, Hungernde speisen, Obdachlosen Heimat anbieten. Das kann man nur, wer die Angst um das Vertraute überwindet, eben einen Schnitt macht, und unbeschwerter  lebt: Dem Vertrauen in den Himmel Vorrang gibt, von dem aus der Mensch Jesus uns zu einer solchen wahren Humanität erzieht. Oder, wie ich es empfinde: Ich werde regelrecht von ihm dazu angezogen,.

3. Müssen wir gerade in diesen Zeiten - mit Millionen Flüchtlingen und entsetzlichen Kriegen - mehr Absturzangst haben?
Wir nehmen jetzt durch die vielfältigen Medien intensiver wahr, was auf der Welt alles passiert. Doch Katastrophen gab es immer; dazu braucht man nur in die Heimatmuseen gehen. Interessant ist, wie gläubige Christen auf solche Katastrophen reagiert haben: Statt sich ängstlich zurückzuziehen, haben sie für ihr Land die Alternative gewählt, ihre Häuser aufzubauen, Fremde einzuladen, ihre Kirche wieder aufzubauen als Hinweis: Gott baut auf; er will uns Menschen erheben. Mit dem Blick auf den Himmel überwindet man die Angst. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Deshalb sehen Christen nicht Probleme, sondern nur Herausforderungen. Das Schicksal, das uns widerfährt, will uns veredeln. Probleme sollten neugierig darauf machen, welcher Himmel sich darin verbirgt, das heißt, welche Möglichkeiten Gott uns damit eröffnen kann.  Das, was mir Angst machen darf, das wähle ich selber aus, mit Christus im Himmel und mit ihm an meiner Seite.

4. Wie ist die Himmelfahrt von Jesus denn zu verstehen - sind die Menschen denn heute noch offen genug für diesen wichtigen Punkt im christlichen Glauben?
Ohne den Glauben an die Erdenfahrt Jesu ist seine Himmelfahrt nicht zu verstehen. Der Gott ist und beim Vater war, ist durch den Heiligen Geist Geschöpf geworden, geboren von der Jungfrau Maria. Das Urmodell des Menschsein, der wahre Mensch war auf Erden. Und wurde ermordet, weil: Wer will schon erinnert werden, was von Gott her gesehen für jeden Menschen möglich ist, nämlich: Jedem Bruder, jedem Schwester zu sein. Jesus war Opfer der Angsthasen seiner Zeit, die seine Furchtlosigkeit als pure Provokation auffassten. Selbst im Tod blieb Jesus der Mensch, der möglich ist: Ein Liebender, der sich von der Angst oder vom Hass nichts diktieren lässt. Deswegen hat Gott ihm die Treue gelohnt in der Auferweckung von den Toten, als ersten von uns Menschen. Wer zu Jesus findet, muss einfach weltoffen, freundlich, barmherzig, fröhlich, heilsam, furchtlos usw. werden. Ich habe den Eindruck, dass es zunehmend Menschen in unserem Land gibt, denen solche Lebensart auf die Nerven geht und die lieber wieder kleinkariert von ihrer besseren Welt reden, von denen sie andere meinen fernhalten zu müssen.

5. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann ist also Jesus vor den Augen seiner Jünger verschwunden, aber er ist nicht "aufgefahren gen Himmel", wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt und wie es viele Jahrhunderte lang alle Christen glaubten?
Verschwunden ist er allemal, zuerst am Kreuz: Da war er eine Leiche. Wirklich weg vom Leben. Und dann verschwunden aus dem Grab. Es war leer. Und, dass diese Leere Fülle hieß: Dazu mussten ihnen erst einmal die Augen aufgehen. „Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“ – das, was sich so anhört wie eines nach dem anderen, ist eher zu lesen als Aufzählung von Aspekten ein und desselben: Dass Gott in Jesus seine Welt aufgesucht hat und mit der Auferstehung Jesu die Welt ein für alle Mal einen Platz bei Gott hat. Dass Gott und Welt kein Widerspruch sind; dass Himmel und Erde jedem gehören, und niemand ausgeschlossen werden darf in der weltweiten Schar der Kinder Gottes. Um auf Ihre Frage direkt zu antworten: Doch, Jesus ist „aufgefahren gen Himmel“, und feuert uns von dort „gen Erde“ mit Heiligem Geist an, alternativ das Menschsein nach himmlischer Vorstellung zu wagen.
 
Offenbach Post, 05.05.2016

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