Energie muss auch ihre Folgen kosten
Fukushima hat eine falsche Umkehr bewirkt. Im März 2011 hatten das tragische Erdbeben und der schreckliche Tsunami eine ganze Region in Japan getroffen. Im Kernkraftwerk Fukushima ereigneten sich an mehreren Blöcken schwere Havarien bis hin zu Kernschmelzen. Nach dem Schock wird deutlich: Es handelte sich um Reaktoren, die über 35 Jahre alt waren – zu alt, um sicher sein zu können.
Regierungen kerntechnisch führender Länder, insbesondere die deutsche Bundesregierung, haben nach der Katastrophe Umkehr geheuchelt. Ihre populistisch motivierten Schlussfolgerungen muten uns in Deutschland zwanzig Jahre nach der Wende aufs Neue politische Wendehälse zu. Alle reden jetzt pathetisch von Umkehr im Denken. Die Folge: Ein Aktionismus, der den globalen Problemen nicht gerecht wird und den Teufel mit dem Beelzebul austreibt.
Solcher Art Umkehr wählt vor Schreck den Rückschritt. Doch zum Frieden mit der Schöpfung und unter den Menschen führt das nicht. Christliche Umkehr lässt sich vielmehr vom „Fürchte dich nicht“ locken. Sie ist nicht Frucht der Angst, sondern des Glaubens: Trotz unserer Fehler dürfen wir vertrauen, dass Gott uns Zukunft gibt. Wahre Umkehr ist Hinkehr, Hinkehr zum Guten, zur Zukunft, zu Gott. Angstfrei. Zuversichtlich.
Der gläubige Kopf ist gefragt. Franziskanische Menschen wissen: Was man auch tut – alles hängt in Gottes Schöpfung zusammen. Das Unglück von Japan etwa mahnt eine internationale Ordnung an, denn Kernreaktoren sind zwar Teile nationaler Energieversorgungssysteme, können aber im Störfall globale Auswirkungen entfalten. Diesem Dualismus muss künftige Kernenergiepolitik gerecht werden. Die Energieversorgung der Zukunft, ihre Sicherheit, die Überalterung vieler Reaktoren und die verantwortbare Lösung der Entsorgungsfrage bilden ein vernetztes Problembündel, das ganzheitliche Lösungen erfordert (siehe www.frankfurter-zukunftsrat.de).
Ein isolierter vorzeitiger Totalausstieg führender Industrieländer verringert nicht, sondern erhöht wegen des damit verbundenen Know-How-Verlustes sehr wahrscheinlich die globalen Kernenergie-Risiken. Und wer jetzt mehr Kohlekraftwerke fordert, verschweigt, dass die Größenordnung der Folgeschäden von Kohlekraftwerken denen von Kernkraftwerken vergleichbar ist.
Keiner darf nur nehmen. Jeder muss entsprechend auch geben. Für alle Energieformen gilt, dass ihre Nutzung auch die Vorsorge für die Bewältigung ihrer Folgen beinhalten muss. Die Umkehr, die jetzt unter anderem „dran“ ist, ist eine Hinkehr zu einem gerechten Preis für Energie: Sie muss auch ihre Folgen kosten!