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Europa für alle

Die zwölf Sterne der Europaflagge stehen für eine Vision der Gründungsmitglieder: In der Geheimen Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) erscheint eine Frau, deren Haupt von zwölf Sternen bekränzt ist. Sie steht für die endzeitliche Kirche, in die durch Jesus Christus einst alle Völker vereint sein werden.

Die Gründer der europäischen Union mögen auch an die griechische Göttin Europa gedacht haben, die für den Aufbruch zum europäischen Kontinent steht: Die himmlische Frau aus dem Schlussbuch der Bibel verheißt darüber hinaus auf einen Aufbruch, der alle Völker angeht. Sie steht für den Exodus der zwölf Stämme Israels aus Ägypten. Die ersten Christen nahmen dies als Urbild für den Aufbruch der in Völker und Länder zertrennten Menschheitsfamilie in die Einheit bei Gott. Jesus Christus nannten sie den Guten Hirten, in dem alle Menschen zur Einheit miteinander und mit Gott geführt werden: Er führt sie als seine Kirche dem Vater zu. Die Zwölfzahl steht am Himmel für die vollkommene Verbindung von Welt (vier Himmelsrichtungen) und Gott (die heilige Zahl drei).

Franziskus wird zu seiner Zeit ebenfalls mit einem Wort aus der Offenbarung des Johannes charakterisiert: Er sei der „Engel des sechsten Siegels“. In ihm schien manchen Zeitgenossen die Endzeit angebrochen zu sein: Denn die Vereinigung von Männer und Frauen im Charisma des Sonnensängers machte vor keiner Grenze Halt. Die Brüder nahmen Männer aller Schichten in ihren Reihen auf. Interessenten aus den verschiedensten Ländern konnten im gemeinsamen Willen zur evangelischen Armut jedes Vorherrschaftsdenken aufgeben und eine (zunächst) europäische Gemeinschaft bilden, die sich bald auch interkontinental ausbreiten sollte. Auch Frauen traten mit Klara in die Fußstapfen des Poverellos und sammelten sich in der Vision der Einheit, als deren Schöpfer sie Jesus Christus in Seiner Armut nachfolgten.

„Frieden ist alleweil Gott“, hat Bruder Klaus von Flüe im 15. Jahrhundert den verzwisteten Bewohnern der Schweiz geraten, und dies aus der selbstgewählten Armut heraus. Im 17. Jahrhundert wurde in Österreich der selige Kapuziner Marco d’Aviano ein „Vorbild durch sein von allen geschätztes mutiges apostolisches Wirken und durch sein Gebet im Geiste der wahren Tradition der Franziskaner und Kapuziner … Der sel. Marco d’Aviano möge Europa beschützen, damit es unter Berücksichtigung der gemeinsamen christlichen Wurzeln seine Einheit aufbauen kann.“ (Johannes Paul II. bei seiner Seligsprechung). Mit dem heiligen Franziskaner-Minoriten Maximilian Kolbe und dem seligen Kapuziner Anicet Koplin weht der franziskanische Geist der Einheit aller Menschen im 20.  Jahrhundert durch Europa.

Es gibt keinen anderen Weg als den der Einheit. Alle Diskussionen um Eurobonds und andere Formen wirtschaftlicher Unterstützung schaden Europa, wenn damit nur die Gier einzelner befriedigt wird. Frieden wird erst dann in Europa, wenn sich alle verpflichten, mit Augenmaß und dem Willen zu einem einfachen Leben Einheit für alle zu wollen.

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