Katholisch bleiben
Sind Sie ein „konservativer“ oder „liberaler“ Kirchenmensch? Wer mit der weltweiten Kirche denkt, dem ist eine solche Zuordnung herzlich egal. Die christlichen Gemeinden im Nahen Osten etwa, oder die Franziskusbrüder- und Schwestern die in Albanien oder China ihren Dienst tun, haben andere Probleme. Wer ihren Freuden, ihren Hoffnungen und ihren Schmerzen nahe ist, kann geradezu schockiert darüber sein, wie man in der Kirche in Deutschland bisweilen aufpassen muss, nicht genau zwischen die Fronten der „Konservativen“ und der „Liberalen“ zu geraten.
Der Dialog muss in der Mitte der Kirche stattfinden. Wir müssen uns einfinden im Bekenntnis der Osterzeit: Dem Bösen zu widersagen. An Gott den Vater, an Jesus, seinen Sohn und an den Heiligen Geist zu glauben, aus dessen Wirken sich die katholische Kirche ergibt. Dies zu fordern, huldigt nicht einem Spiritualismus, ganz nach dem bösen Motto: Klagt ihr noch oder betet ihr schon. Denn der Verstand ist auch getauft. Seine Kraft und sein Licht müssen jedoch aus gläubigem Herzen kommen.
Wir bleiben katholisch. Die friedlose Welt braucht diese gottgeschenkte Weite. Das ist mit Kreuzschmerzen verbunden: Jesus erlitt sie für uns, mit weit ausgebreiteten Armen. Diese Weite ist anstrengend in einer Kirche, bei der es Lagerkämpfe gibt. Dem widersage ich gern. Ich lese im Internet katholisch.de und kath.net, auch gloria.tv und Bibel.tv tun viel Gutes. Die katholische Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz mit kirche.tv ist mir lieb, auch k-tv bietet Sinnvolles. . Ich unterstütze es, dass der Heilige Vater Vertreter anderer Religionen im Oktober zum Gebet einlädt, womit er sich in manchen Kreisen unmöglich macht. Ich sehe einen tiefen Sinn darin, dass das kirchliche Amt nur Männern verliehen wird von Christus. Und vor allem: Ich mag mich nicht einem Lager zuordnen. Und auch nicht zuordnen lassen.
Vielmehr staune ich: Was für eine Spannweite allerorten. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns. (Lk 9,50) Wir kommen aus dem Brunnen der Taufe, wurden eingefügt in seine heilige Kirche, und sind nun Gesandte an Seiner statt. Für uns und für alle hing Jesus weit ausgespannt am Kreuz. Franziskus sah das. Und wählte die Kirche. Mit ihr wollte er die Welt in Blick nehmen. Ertragen, dass Gott nicht leicht Antwort gibt, schweigen, schauen, auch: leiden. Ausgespannt zwischen den Polen der Erkenntnis in der Kirche. Und hineingespannt in das Verhältnis von Gott und Welt. Katholisch eben.
Br. Paulus Terwitte