Pax – Franziskanische Impulse zum Frieden
Verschiedenheit gelten lassen
Es gibt entscheidende Unterschiede. Wer sie respektiert, trägt zum Frieden bei. Ganz anders die Gleichmacher. Sie kennen kein Pardon. Einheitsbauten und Einheitsdenken haben sozialistische Gesellschaften nicht gerechter gemacht. Wellen von Modeschuhen und Markenkleidung werfen Kinder wenig verdienender Eltern gnadenlos ins Abseits.
Wir brauchen eine Standhaftigkeit im Unterschied. Nach dem Ökumenischen Kirchentag in München umso dringender. Bei aller Pflicht zur Einheit: Im kleinsten gemeinsamen Nenner darf sie nicht beginnen. Stark ist die Einheit da, wo die schmerzlichsten Unterschiede unerbittlich benannt werden. Erst dann können sich Türen öffnen, die keiner vorher ins Kalkül gezogen hatte.
Franziskus fordert zum Unterscheiden und zum Ertragen von Unterschieden auf. In seinen „Ermahnungen“ an die Brüder spricht er ausführlich davon. Die erste beschäftigt sich mit Zentrum der brüderlichen Gemeinschaft. Das Sakrament der Eucharistie schult den Geist der Unterscheidung und lehrt, Unterschiede bestehen zu lassen. Wer die Kommunion empfängt, schärft den geistlichen Sinn für die Wirklichkeit Gottes im Unterschied zur Wirklichkeit dieser Welt. Man muss – und man kann! – unterscheiden zwischen dem, was man selber sieht und dem, was der Geist Gottes für uns aufnimmt und uns zum Schauen gibt: „Daher ist es der Geist des Herrn, welcher in seinen Gläubigen wohnt, der den heiligsten Leib und das Blut des Herrn empfängt.“ (Erm 1)
Ohne den Heiligen Geist lässt sich Brot und Leib Christi nicht unterscheiden. Ohne ihn lässt sich auch der Unterschied nicht ertragen. Die Versuchung ist groß, alles nur mit eigenem Verstand verstehen zu wollen und damit eindimensional zu werden. Franziskus lädt dazu ein, sich durch den Heiligen Geist weiten zu lassen. Wie dringend er einlädt, kann man daran erkennen, dass er das Gerichtswort aus dem Ersten Korintherbrief aufgreift: „Alle anderen, die nichts von eben diesem Geist haben und den heiligsten Leib und das Blut Christi zu empfangen wagen, ‚essen und trinken sich das Gericht‘ (vgl. 1 Kor 11,29).“ (Erm 1)
Friede kehrt ein, wo man unterscheiden kann und Unterschiede gelten lassen kann. Dafür ist der Heilige Geist notwendige Kraftquelle und kreativer Einsichtenvermittler. Er ist der Garant einer Friedensgemeinschaft, deren Einheitsprinzip Gottes Geist ist. Sie ist nicht eintönig grau, sondern vielstimmig und bunt - wie man es an den franziskanischen Brüdern und Schwestern studieren kann.