Im Nahen Osten verändert sich die Haltung der Menschen zu den Regierenden: Sie wollen sich nicht länger von Gnaden der herrschenden Familienclans oder Königsdynastien bevormunden lassen. Der Freiheitskampf hat auch Chaos und Gewalt hervorgebracht. In Ägypten gab es blutige Auseinandersetzungen.
Noch weiß keiner, wie sich der Nahe Osten weiter entwickeln wird. Die Regime haben eine lange Tradition. Sie versuchen, Berichte vom Aufstand der Bürger des Landes zu unterdrücken. Journalisten dürfen nicht mehr ungehindert berichten. Das Internet wurde zeitweise lahmgelegt.
Als Christen bangen wir mit den Demonstranten. Wir hoffen, dass das jetzige Chaos bald überwunden sein wird – hin zu einem demokratisch bestimmten Miteinander. Mancher mag da denken: Zu schön, um das hoffen zu dürfen? Christen antworten darauf: Nein, wir hoffen aus unserem Glauben heraus, nicht aus dem Blick auf eine politische Einschätzung. Gott hat uns Menschen frei geschaffen. Diese Freiheit lässt sich von keiner Macht der Welt auf Dauer in Schach halten.
Allerdings: Gott hat den Menschen zur doppelten Freiheit gerufen. Frei von allem zu sein, was uns hindert, unser Leben in Würde zu entwickeln. Aber auch frei zur Übernahme der Pflicht, ein verantwortliches Miteinander in Gerechtigkeit zu gestalten.
Die Freiheit von allem Möglichen verlockt dazu, rücksichtslos zu sein und sich aufzublähen. Wer nur demonstriert, um bald so zügellos leben zu können, wie es im Westen weithin üblich wurde, kommt vom Regen in die Traufe. Die Freiheit, sich nicht treiben zu lassen, sondern sein Leben stark, verantwortlich und pflichtbewusst zu gestalten, muss im Blick sein. Der heilige Franziskus rät den Verantwortlichen der Brüder, dass sie das gut unterscheiden sollen. „Wisset, dass vor dem Angesicht Gottes manche Dinge überaus hoch und erhaben sind, die bisweilen unter den Menschen für niedrig und wertlos angesehen werden. Und andere Dinge sind unter den Menschen wertvoll und ansehnlich, die vor Gott als ganz niedrig und als wertlos gelten.“ (2 Kust)
Die Freiheit, wie Gott sie meint, muss im Nahen Osten zum Zug kommen. Wenn Christen, Juden und Muslime sie im echten Gebet erbitten, ist mir um den Weg der Menschen im Nahen Osten nicht mehr bang. Sie werden frei, Freiheit zu gestalten.
Br. Paulus Terwitte