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Pax – Franziskanische Impulse zum Frieden
Abhängig? Na klar!

Franziskus entdeckte: Alle Menschen sind voneinander abhängig. Sünde heißt: Einer will sich absondern, im schlimmsten Fall: sich auf Kosten anderer für etwas Besonderes halten. Deswegen drängte es den Heiligen aus Assisi, seinen ehemaligen Fress- und Saufkumpanen den Bettelnapf unter die Nase zu halten. Damit offenbart er ihnen, was er auch schon als ihr Jugendkönig vor seiner Bekehrung war: Von ihrer Gunst abhängig.

Franziskus entwickelte eine bis heute wirksame Sensibilität. Er verabscheute es, jemanden zu dominieren. Er wollte als Armer leben, immer „euer ganz geringer Knecht“ sein. Das hielt er für den Grundauftrag Gottes: Die Menschen sollen einander übertreffen in eilfertiger Dienstbereitschaft, immer gehorsam dem, was Gott dem einzelnen an Charismen gegeben hat. Die Brüder mit Leitungsamt heißt er deswegen „Minister“, das heißt: Diener. Gerade die Führung in der Gemeinschaft sollte wissen, dass sie abhängig ist von den Gnadengaben der einzelnen Brüder, die es zu heben und zu moderieren gilt.
Abhängigkeit voneinander zu sein ist die Grundgrammatik, die Gott dem Menschen gegeben hat. Darum liebt Franziskus Weihnachten. Und er beweint vor Rührung den Kreuzweg Jesu: So abhängig macht sich der Herr der Welt vom Urteil der Menschen. Franziskus sieht in Jesus den wahren Bettler, den göttlichen Armen, der durch seine Wehrlosigkeit dazu ermuntern will, die raffgierigen Hände und die angstvoll verteidigenden Fäuste zu lösen.
Franziskus ist es fremd, sich zu fragen, ob ihn einer ausnutzen könnte. Arglos geht er auf den Sulatan zu, der voller Angst vor den Christen ist, die ihn mit einem Kreuzzug erobern wollen, was sie für ihren Besitz halten. Das Gespräch kommt zustande, weil der Poverello absichtslos kommt und sich in die Hände des mächtigen Führers begibt und ihm bedeutet: Wir brauchen doch einander.
Niemand wird uns Christen glauben, es ginge ihnen um die ganze Welt, wenn wir auf unsere Privilegien bestehen wie etwa: Dem Kloster und der Gemeinde steht soundsoviel Geld zu, woher auch immer. Unsere Kulturgüter könnten wir der Gesellschaft übergeben; die hat ihre Museen dafür. Das Kirchensteuerprivileg in Deutschland hindert viele, ob man es will oder nicht, Kirche und Reich Gottes miteinander zu verbinden.

Wer wenig Geld hat, muss beginnen, mit den Menschen zu sprechen, die in seiner unmittelbaren Umgebung leben. Er macht sich abhängig von dem, was vor Ort wirklich möglich ist. Und beginnt wirksamer als Geld es könnte, mit dem konkreten Projekt auch den Mitmenschen aufzubauen, indem er ihn ohne viele Worte erfahren lässt: Ohne dich können wir nicht sein. Und wer kann einem solchen Friedenswort schon widerstehen?

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