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Sie befinden sich hier: Originalton Kolumnen 27.12.2009 - Es gibt keine Standesordnung mehr

Der Ordens-„Stand“ ist passé.

Ständekleidung kennt die Gesellschaft nicht mehr. Höchstens noch Berufskleidung.  Die Orden sind ins Glied der Gesellschaft zurückgetreten.

Gut so, dass es keine Standesordnung mehr gibt, womöglich noch unter einem Herrscher „von Gottes Gnaden“. Mit recht erschrickt die Bürgergesellschaft, wenn einzelnen muslimischen Gruppen davon tönen, in Europa ihre Religion mit Politik verbinden zu wollen. Das walte Gott, dass Frauen wie Männer unter uns nicht zu mittelalterlichem Ständeverhalten gedrängt werden! 

Trotzdem: Die klare Trennung von Glaube und Gesellschaft erleben zumal ältere Ordensleute als dauerhafte Kränkung: Früher, da war man noch wer. Und heute wird man nicht einmal mehr besonders gegrüßt. Höchstens noch gemustert.
Einige, auch jüngere, setzen dennoch, wie sie sagen, auf die alten Werte. Wer genau hinschaut, sieht, dass sie vor allem auf die alten Formen setzen. Sie rutschen leicht in die History-Schublade oder in die Charts und verkommen zum wirkungslosen Event-Beitrag ihrer dauergelangweilten Zeitgenossen.

Unter ihnen sind in West-Europa ja schon etwa 40 Prozent nicht Mitglieder einer Religionsgemeinschaft. Zwischen den über 55-Jährigen (25%), den 36 bis 55-Jährigen (40%) und den bis 35-Jährigen (47%), hat sich der Anteil der religiös Ungebundenen nahezu verdoppelt.

Dies ist der Moment, das Ordensleben von der Versuchung zu befreien, weiter im Old-timer zu fahren. Wir können uns heute gesellschaftsverständlicher bewegen!

Jesus wurde nicht in eine altehrwürdige Thorarolle gewickelt, sondern in 0-8-15 Windeln. Das Besondere an ihm war nicht der Stand, in den er eingetreten ist. Er schlug sein Zelt „nackt und bloss“ mitten unter den Religionslosen seiner Zeit auf. Sie erkannten voller Freude: So also behütet Gott. Er sprengt Grenzen auf. Und setzt dazu auch uns Menschen instand!

Treten wir mit Freude aus dem Ordens-„Stand“ zurück ins Glied. Rechts und links von uns stehen dann Menschen, die wir eben noch für fernstehend hielten und nun den Ort bilden, an denen Gott auch uns nahe geboren wird.

orden.de 27. Dezember 2009

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