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Pax – Franziskanische Impulse zum Frieden

Da bleiben

Er war dann mal eben weg. Und zur Frühstückzeit ist er nun wieder da. Papa Udo stellt die Tüte mit Brötchen auf die Anrichte. Mama Karin schaut an ihm vorbei. Die kleine Sarah ist unruhig. Thorsten, schon etwas älter, würdigt seinen Vater keines Blickes. Ulli, mit dreizehn der Größte von den Kindern, spricht endlich aus, was bleiern in der Luft liegt: „Warst du heute Nacht wieder bei ihr?“ Wie zur Antwort klingelt das Handy. Papa verabredet sich für heute Nachmittag mir „ihr“ zum Kaffee.

Was dieser Mann seiner Frau und den Kindern antut, füllt ganze Buchregale. Obwohl die Schäden bekannt sind, verschließt eine ganze Gesellschaft die Augen davor. Zu viele Männer und auch Frauen erklären die Wirklichkeit ihrer Entscheidung, die sie für einen Menschen einmal getroffen haben, zu einem Märchen: Früher, ja, stimmt, es war einmal… Doch dann wurden sie dessen überdrüssig, was sie einst versprochen hatten: Nur mit diesem Menschen und mit nur diesen Kindern das ganze weitere Leben zu gestalten. Sie erliegen dem Wahn, wie Götter oder Göttinnen des Ego-Glücks sich neu erfinden zu können. Oder gar zu müssen.
Es braucht nur einen kurzen Moment im Internet, auf der Dienstreise, beim Friseur oder in der Nacht auf einem der unsäglichen „Ruf mich an“ Sender. Vor dort dringt dann die Einflüsterung in Herz und Hirn, die in der Bibel mit der mythischen Gestalt der Schlange verbunden ist: Warum soll man dem verlockenden Schönen widerstehen? Warum sich mit der grauen Alltagsmusik begnügen, wenn der ganze Himmel voller Harfen lockt? Warum sich mit der anvertrauten Eva oder dem anvertrauten Adam zufrieden geben? Es lockt die Vorstellung, man könne aus der einen Verpflichtungen zu einer nächsten springen und dort dann, allen Ernstes, versprechen, nun sei man einer geworden, der von nun an nie mehr aus Verpflichtungen springen werde.
Doch wohin man auch geht, man nimmt sich selber immer mit. Der Trugschluss, Weggehen verändere automatisch, stiftet einen umfassenden Unfrieden. Er beginnt mit dem Urlaubsreisestress und hat bei Beziehungskatastrophen noch längst kein Ende.  Das Ungenügen bleibt. Hier, klar. Aber auch da. Bleiben kann, wer das Ungenügen auf Gott hin öffnet. Franziskus von Assisi vermochte es mit den Worten: „Du bist all unser Reichtum zur Genüge.“ (LobGott)

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