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Sie befinden sich hier: Medien Kolumnen Februar 2011 - Verfolgung ertragen

Christenverfolgung verbinden viele mit der frühen Zeit der Kirche. Dass römische Kaiser dem Volk einen Spaß bereiteten, in dem sie Christen gegen Löwen „kämpfen“ ließen, lässt Romtouristen heute noch schaudern. Doch wissen nur wenige, dass im 21. Jahrhundert zwischen 80% und 90% aller religiös Verfolgten Christen sind. Im Durchschnitt wird alle drei Minuten ein Christ wegen seinem Glauben umgebracht. Derzeit leiden ca. 200 Millionen Christen unter Verfolgung und Unterdrückung, meist in islamischen Staaten.

Zum Ende des vergangenen Jahres erreichten Nachrichten über die Welle der Gewalt gegen Christen endlich auch die Öffentlichkeit. Nur wenige Wochen nach den Morden von Bagdad und Mossul wurden im Norden Nigerias an Heiligabend sechs Menschen bei Angriffen auf drei Kirchen getötet. In der Stadt Jos im Zentrum des Landes, wo es starke Spannungen zwischen Christen und Muslimen gibt, sind über dreißig Menschen bei sieben Explosionen ums Leben gekommen. Auf der philippinischen Insel Jolo ist während einer Weihnachtsmesse eine Bombe explodiert. Anfang dieses Jahres riss in Alexandria ein Selbstmordattentäter über zwanzig Christen in den Tod.

Zu dieser mörderischen Verfolgung kommt der Ausschluss von Christen vom gesellschaftlichen Leben. Viel zu wenig ist im Westen Deutschlands bekannt, was Christen aufgrund ihres Glaubens in Ostdeutschland erduldeten zur Zeit der kommunistischen Herrschaft. Bis heute dürfen in China keine ausländischen Ordensleute pastoral arbeiten. Trotz gegenteiliger Beteuerungen ist auch die Türkei weit davon entfernt, den Christen ein freies Glaubensleben zu gestatten.

Die Schwestern und Brüder, die verfolgt werden, müssen an unserem Gewissen rütteln. Sie brauchen unsere Brüderlichkeit, unser Gebet und unseren öffentlichen Protest. Sie fragen mit ihrem Glaubenszeugnis auch uns an: Wie ernst nehmen wir unser Christsein? Sind wir so angepasst, dass wir von unserer Umgebung nicht mehr als „Gefahr“ gesehen werden? Oder wollen wir allen Ernstes behaupten, sie sei schon ganz von Gottes Frieden erfüllt?

Wer heute Gerechtigkeit am Arbeitsplatz einfordert, Nachhaltigkeit bei Anbau und Produktion von Lebensmitteln oder Teilhabe der Armen an Bildung und Kultur, muss mit Widerstand rechnen. Dann nicht in Aufregung geraten, sondern stark und standhaft bleiben, sei unsere Devise: „Sie sollen vielmehr darauf achten, dass sie über alles verlangen müssen, den Geist des Herrn und sein heiliges Wirken zu haben, immer zu Gott zu beten mit reinem Herzen, Demut zu haben, Geduld in Verfolgung und Schwäche und jene zu lieben, die uns verfolgen und tadeln und beschuldigen.“ (Bullierte Regel, Kapitel 10)

Br. Paulus Terwitte

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