Gott brodelt mit
„Es brodelt in der Kirche,“ titelt eine Initiative in der Schweiz auf ihrer Internetseite; sie will „die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Kirche fördern“. Hier und andernorts: Katholische Laien melden sich zu Wort. Mehr noch: Eine Pfarrerinitiative in Österreich ruft zum „Ungehorsam“ auf: „Wir werden gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, …“ Dem halten andere Initiativen entgegen, man müsse die kirchlichen Regeln noch mehr einschärfen. Die Einladung zu einer eucharistischen Anbetung gerät zum Testfall: Wenn Du noch gläubig bist, musst du das einfach gut finden. Oder, schlimmer noch wird das giftige Motto weitergegeben unter der Hand : Klagst du noch, oder betest du schon?
Solche Spannungen irritieren. Sie fordern geistlich heraus. Nicht wenige Christen verlieren das Gefühl von Heimat in der Kirche. Dazu fällt mir dieser Tage öfter die Herbergssuche ein: Die einen klopfen an die Türen der der alten Kirche und finden dort keinen Platz mehr: Alles ist voll von Vergangenheit. Wer mit neuen Ideen schwanger geht, muss sich einen neuen Platz suchen.
Das wird beiden nicht gerecht. Die Hausbesitzer werden wegen Nachwuchsmangel bald die Fensterläden für immer schließen müssen. Die Heimatlosen werden sich zerstreuen, weil sie vor lauter Sorge um das Heute nichts von Dauer fertig bringen. Beide brauchen einen Impuls, der sie wirklich weiter bringt. Es bietet sich an, was an Weihnachten normalerweise nicht gepredigt wird: Dass Gott selber Veränderung i s t . Er ist Bewegung und Zuneigung, Hinabstieg und Hinaufstieg. Wir sprechen von der Niederkunft des Gottessohnes im Stall von Bethlehem. Wir sprechen von seinem Aufstieg aus dem Grab. Sich dieser göttlichen Bewegung anvertrauen: Franziskus von Assisi steht als Heiliger des Unterwegsseins für dieses ambulante, bewegliche Gottesbild ein.
Wenn es in der Kirche brodelt, denke ich an die Hirten auf dem Feld, mitten in der Nacht: „Fürchtet Euch nicht!“ hören sie. Jene stiften Frieden in der Kirche und in der Welt, die Gott willkommen heißen, an ihm festhalten und so frei werden für die Veränderungen. In der Unwirtlichkeit auch unseres Kirche-Seins w i r d uns der Retter geboren!