Wa(h)re Wissenschaft
Antonius von Padua hilft dem, der sucht. Der „doctor evangelicus“ ist sicher auch gern den Studierenden nahe: Denn das lateinische Wort „studere“ heißt so viel wie: sich einer Sache eifrig widmen, mit Hingabe arbeiten. Das Ziel ist klar: Etwas zu entdecken, was so noch niemand vorher entdeckt hat.
Wer so arbeitet, steht in der Tradition der Klöster mit ihren großen Bibliotheken. Trotz des Armutsgelübdes haben auch die Minderbrüder über die Jahrhunderte, vom Beispiel des heiligen Antonius inspiriert, nicht darauf verzichtet. Die Theologen haben mit dem Bewusstsein geforscht, dass Gott in seiner Fülle jeden Menschen als Original geschaffen hat. Niemand ist eine Kopie des anderen. Jeder kann einen noch nie vorher da gewesenen Gedanken in die Welt bringen kann, den eben nur er als einzigartiges Geschöpf haben kann.
Darum verlangen die Universitäten von allen, die eine wissenschaftliche Arbeit abgeben, eine Ehrenerklärung. Auch Theodor zu Guttenberg hatte dies getan: Ich habe die Doktorarbeit ohne fremde Hilfe und nur mit den von mir angegebenen Quellen verfasst.
Das öffentliche Ehrenwort gegenüber den Prüfern hat der heutige Verteidigungsminister als Bundestagsabgeordneter gegeben, also eine öffentliche Person. Er hat dem Frieden im Land geschadet. Auf Ehrenworte muss verlass sein. Sonst bricht der Zusammenhalt der Menschen in unserem Land.
Frieden wird, wenn wir der Ehrlichkeit und damit der Originalität des Menschen trauen. Jeder ist zu achten, weil in jedem ein Erfinder steckt. Schwindet der Respekt vor diesem Geheimnis, bekommen Titel die Oberhand. Solche galten lange als Auszeichnung für die erbrachte Leistung. Werden die Ehrenworte bezüglich des selbständigen Forschens immer unehrenhafter, bleibt am Ende nur ein unwürdiger Wettkampf um Prädikate und Plaketten: Die Wissenschaft verkommt zur Ware.
Mehr noch: Es geht auch um den Ernst und die Würde des (Er-)Findergeistes. Die Studierenden brauchen ein glaubwürdiges Klima der Wissenschaft, damit sie ihr Wissen und Forschen entfalten können. Sie sollen die Welt ja weiterbringen – und sie nicht im Wiederholen von schon Gesagtem sich im Kreis drehen lassen.
Nur zum Schein sich einen Schein erwerben: Damit ist keinem geholfen. Die Mühe des Studiums, die selbsterbrachte Leistung, das Ringen um einen neuen Gedanken: Mit Gottes Hilfe und auf des Doktor Evangeliucus‘ Fürsprache kann jeder Studierende der wahren Wissenschaft dienen.
Br. Paulus Terwitte