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2009 Januar - Das Leben findet heute statt! Ein Anschlag auf die Vertröstungsgesellschaft

Titel: Das Leben findet heute statt! Ein Anschlag auf die Vertröstungsgesellschaft
Von: Br. Paulus Terwitte
Preis: €18,90
Erschienen: 1. Aufl. 2009
ISBN: 978-3-498-00659-4
Verlag: rowohlt, Reinbek (Spitzentitel)
Seitenzahl: 224 Seiten, gebunden mit SU
Sprache: Deutsch

Beschreibung:

Br. Paulus Terwitte entgagiert sich in seinen vielfältigen Vorträgen für ein Leben, dass nicht nur geträumt wird, sondern heute stattfindet. Zu viele zögern, sich gesellschaftlich und politisch einzusetzen, weil sie noch auf den richtigen Moment warten. Bruder Paulus lädt mit diesem Buch ein, dem Handeln mehr Kraft zu verleihen als dem Planen, das oft genug nur Zögerlichkeit ist.

Bruder Paulus geißelt die neue Körperfeindlichkeit unserer Gesellschaft und nimmt ihre Beziehungsunfähigkeit aufs Korn. Er zeigt aus der franziskanischen Tradition alternative Wege in der Finanzkrise und gibt eine Anleitung, wie der gottsuchende Mensch heute schon heute wieder Gott finden kann, der den Menschen ins Heute hinein befreit.

Diese und viele andere Themen spricht er an, während er den Leser mit auf einen Rundgang durch ein Kapuzinerkloster nimmt. Dabei hält er in seiner provozierenden Art der Gesellschaft einen Spiegel vor. In der lebenspraktischen Tradition seines Ordens entlarvt der deutschen Vertröstungsgesellschaft ihre Standardsätze als billige Entschuldigung, nicht heute zu leben: «Lieber lebt Deutschland in einer riesigen Pause. Wir reden uns ein, dass das Eigentliche noch aussteht und wir uns deswegen auch hier und heute nicht zu engagieren brauchen.»

"Wir haben Angst, im Leben nicht genug zu bekommen. Wer allein lebt, sucht die perfekte Beziehung. Wer einen Partner hat, schielt danach, ob nicht noch was Besseres im Angebot ist. So jedenfalls hörte sich die Antwort des 28-Jährigen an, den ich fragte, warum er denn seine Freundin nicht heirate, mit der er seit acht Jahren zusammenlebte: „Es könnte ja noch was Besseres kommen!“ Arbeiter und Angestellte träumen sich vom Heute in den Urlaub. Dort erst könnte man endlich richtig leben, meinen sie. Und wer ohne Arbeit ist, sucht nicht nur eine Anstellung. Es muss jetzt sofort der Traumjob her. Und der perfekte Chef. Oder man möchte selber endlich einer sein. Und wer es dann irgendwie bis oben hin geschafft hat, findet - wie könnte es anders sein - dass es die da unten viel besser haben. Nur da, wo wir gerade leben, können wir nicht zufrieden sein. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist immer grüner." (Aus dem Vorwort)

   1. Die Klosterpforte
      „Dürfen Sie Fernsehen?“
      oder: Bilder behindern Begegnung
   2. Die Klosterpforte
      „Grüß Gott – wenn du ihn siehst.“
      oder: Ironie macht immun
   3. Die Sprechzimmer
      „Ganz kurz: Wie geht’s?“
      oder: Berührung braucht Zeit
   4. Die Klosterkirche
      „Ich fühl mich so leer.“
      oder: Stille zum Staunen
   5. Der Chorraum
      „Ist doch immer dasselbe.“
      oder: Rhythmus statt Langeweile
   6. Die Klosterküche
      „Ich mach schnell ne Dose auf“
      oder: Frisch vom Leben nehmen

(aus dem Inhaltsverzeichnis)


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Rezensionen zum Buch

Paulus TERWITTE, Das Leben findet heute statt! Ein Anschlag auf die Vertröstungsgesellschaft. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag, 2009, 223 S.

Der in Deutschland schon recht bekannte Autor dieses Buches ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden; er ist Kapuziner der Rheinisch Westfälischen Provinz und tritt als solcher oft im Fernsehen auf. Insofern hat er sich mit vielen modernen Themen vertraut gemacht und bringt auch schon eine längere Erfahrung im Ordensleben mit. Dieses verbindet er in diesem Buch originell und gekonnt mit Problemen der heutigen Gesellschaft. Er scheut sich nicht, unbequeme Dinge beim Namen zu nennen und die Gesellschaft zu provozieren. In Gesprächen und Diskussionen erlebt er, wie Menschen nie genug bekommen können, mehr kaufen als sie brauchen, dreimal im Jahr verreisen, dabei aber doch nicht das Leben genießen. Die Gesellschaft hilft ihnen dabei, indem sie immer Neues und Besseres verspricht, die Zukunft (bei zweiter Lebensversicherung und höherem Gehalt) rosig ausmalt und somit die Menschen auf später vertröstet, schlimmer als es je die Religion getan hat, wenn sie für die Leiden und Nachteile in dieser Zeit den Himmel versprach. Diese Dimension ist für die meisten Menschen am Horizont verschwunden, was zur Folge hat, dass man jetzt in kurzer Zeit möglichst viel erleben will und darum alles als störend erfährt, was nicht geplant ist: Kinder, Krankheit, Krisen.

Das Buch ist ein Appell, die Chancen des Lebens in allen seinen Phasen zu ergreifen, in der Jugend nicht alt und im Alter nicht jung sein zu wollen, Kinder in frühen Jahren der Ehe anzunehmen (statt abzutreiben) und nicht auf später zu verschieben (wenn sie nicht mehr kommen); Kinder nicht zu überfordern und Alte nicht abzuschieben. Es geht dem Autor darum, die Menschen zufriedener zu machen, indem sie hier und heute maßvoll und bewusst leben, das Glück nicht erst vom nächsten Urlaub, von der Pension, von einer besseren Partnerschaft, einem besseren Staat erwarten.

Der Kapuziner führt seine Attacke gegen die allzu billig vertröstende Gesellschaft, indem er die Leser einlädt zu einem Rundgang durch sein Kloster. Die Klöster erscheinen ja vielfach als heile Welt, und es ist erstaunlich, wie viele Menschen bei „Tagen der Offenen Tür“ durch ein Kloster gehen, ein Kloster-Museum besuchen oder die bei der Säkularisation vor zweihundert Jahren untergegangene „Welt der Klöster“ studieren. Es gibt trotz Schließung vieler Klöster in unseren Breiten während der letzten Jahre so etwas wie ein Heimweh nach Klöstern. Dies macht sich Bruder Paulus zu nutze. Indem er in 19 Kapiteln durch das Kloster führt – von der Pforte über die Kirche, die Küche, das Refektorium, die Zellen, den Garten, das Bad, den Vorratsraum, den Beichtstuhl, die Gästezimmer, die Krankenzimmer bis zur Armenstube – eröffnet er den Lesern die Welt des Klosters mit ihrem anderen Rhythmus, ihrer inneren Ordnung und einem anderen Lebensstil. An ihm gemessen, erscheint manches in unserer Gesellschaft überzogen, hektisch, oberflächlich und gegen die Natur des Menschen.

Beim Sprechzimmer zum Beispiel konstatiert Paulus: „Begegnung braucht Zeit“ (51). Grußfloskeln nach der Art „Wie geht’s?“, virtuelle Netzwerke und flüchtige Reisen sind noch keine Begegnung. Bei der Klosterküche wettert er gegen den Griff nach der Konservendose, nach Fertigprodukten zum Aufwärmen, und plädiert für frisches Gemüse vom Garten oder vom Markt. Natürlich gehen die Gedanken darüber hinaus: „Kochen beginnt mit dem Horchen auf die Heimat der Lebensmittel“ (83). Die müssen nicht von weither kommen. Dass es beim Essen nicht nur um Nahrungsaufnahme geht, sondern um Mahlgemeinschaft, erfährt man im Kapitel zum Refektorium (86-93). Bei der Waschküche (125-134) kommt er auf die Mode zu sprechen, die manche Leute in Stress versetzt, um immer modisch zu sein. Davon wollte Franziskus frei sein und hat sich darum sein eigenes Gewand zusammengenäht, das zum Habit, zum Signet des Ordens geworden ist. Der Autor bekennt sich dazu, zumal es praktisch ist und „die Frage, was ich anziehen soll, entfällt“ (126). Ganz aktuell wird Bruder Paulus, wenn er unter dem Stichwort „Ökonomie“ auf die Finanzkrise von 2008 zu sprechen kommt. „Wir brauchen wieder eine Ökonomie, in der noch gespürt wird, dass jeder von jedem abhängt und sich niemand erlauben darf, auf Kosten des anderen in die eigene Tasche zu wirtschaften. Wir brauchen einen Aufstand gegen den Glauben, dass nur die großen und übergroßen Systeme effizient sind, In Wahrheit holen sich die riesigen Einheiten Läuse in den Pelz und Maden in den Speck, die es am Ende zu Fall bringen“ (166). Daher sein „Plädoyer für den Mittelstand und ein übersichtliches Marktgeschehen“ (168). Allerdings stimmt hier die Schilderung des Klosterlebens als Alternative wohl nicht überall: „Wir Brüder kaufen deswegen lieber teurer, aber in der Nachbarschaft ein“ (169).

„Gesund ist jeder, der krank sein kann“ (197) ist eine weitere These, die der Autor dem Slogan entgegenstellt: „Hauptsache gesund!“ Er integriert die Krankheit in das Leben und damit die Kranken in die Gesellschaft. Ohne die weiteren Themen zu nennen, dürfte klar geworden sein, dass hier ein Kapuziner von Franziskus und seinem Orden her kritisch auf die zeitgenössische Gesellschaft schaut und ihr mal hintergründig und versteckt, mal unverblümt und offen die Leviten liest: eine richtige Kapuzinerpredigt also.

Das Buch übertrifft die üblichen Klosterführer, die meist (kunst-)historisch orientiert sind; es übertrifft aber auch Handbücher der Spiritualität, die zumeist in einem Überblick über die Inhalte und die Geschichte der christlichen Spiritualität bestehen. Hier ist die Spiritualität zwar auch am Neuen Testament und an der Geschichte orientiert, aber im Blick auf eine Gesellschaft heute, die eher vertröstet als Fragen stellt. Dass hier einer ganz ungewohnte Fragen stellt und schon fast vergessene Antworten „aus der Klosterzelle“ bietet, dazu in frischer, zupackender Sprache, das hat den sehr „weltlichen“ Verlag wohl bewogen, den Text zu drucken. Ihm ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

LEONHARD LEHMANN


Rezension vom 3. März 2009

Hypomed - www.hypomed.at


Von Christian Döring jesus.de

Der Autor dieses Buches, Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte, ist kein weltfremdes Mönchlein aus einem alten düsteren Kloster. Bruder Paulus ist 50 Jahre alt, moderiert auf N24 die Talksendung "Um Gottes Willen" und ist auch regelmäßig auf Sat. 1 zu sehen.

Er unterliegt wie alle 160 in Deutschland lebenden Kapuzinermönche den strengen Regeln ihres Ordens, steht aber dennoch mitten im Leben. Dieses Buch, mit seinen 222 Seiten habe ich innerhalb eines Tages verschlungen, obwohl Bruder Paulus mir eine ganze Reihe unangenehmer Wahrheiten ins Gesicht gesagt hat.

Zum Beispiel, dass ich mich Zeit meines Lebens um das Morgen sorge. Wir sparen unser Geld, damit wir es in Zukunft haben, wir sind oft neidisch und pessimistisch, wenn wir an das Alter denken. Nur eines tun wir heute nicht: Wir fangen nicht an zu leben. "Wenn der Motor unseres Lebens nur das Morgen ist, dass wir erreichen wollen, verpassen wir hier und jetzt wichtige Momente", sagt Bruder Paulus. Er rät uns nicht jetzt und sofort, all unser Geld auszugeben, aber er will uns wegführen von all unserem Pessimismus.

Eindrucksvoll weist Bruder Paulus gleich an mehreren Stellen seines Buches auf Jesus hin. Er spricht vom Reich Gottes im "hier und heute" und redet seinen Lesern sehr direkt ins Gewissen: Wer dieses Reich jetzt bereits erleben will, der muss jetzt anfangen sich zu bewegen. Durch Jesus, so der Autor, ist Nachfolge sichtbar geworden. Aber Bruder Paulus stellt auch fest: "Das christliche Abendland ist gerade dabei, diesen Namen (Jesus) zu verspielen."

Von Bruder Paulus habe ich mir gern die Leviten lesen lassen. Gut, dass ein renommierter Verlag wie Rowohlt den Mut hat, dieses Buch zu veröffentlichen. Es sollte auch und gerade für uns Christen zur Pflichtlektüre gehören, bestärkt es uns doch darin, unseren Glauben an Jesus Christus nicht hinter dem Berg zu halten.

jesus.de, 06. Feburar 2009


Ein Plädoyer für das Leben hier und heute

Dieburg (eha)  Ungewöhnlich für einen Mann, der doch von Berufs wegen den Blick ins Jenseits gerichtet hat: „Das Leben findet heute statt!“ heißt das neue Buch von Bruder Paulus Terwitte, das im Rowohlt-Verlag erschienen ist. Aber wer den Guardian des Dieburger Kapuzinerklosters kennt, der im Frühjahr nach Würzburg wechselt, findet den Titel doch nicht so ungewöhnlich. Mit seinem „Anschlag auf die Vertröstungsgesellschaft“, so der Untertitel, steht er mitten im Leben. Das Buch ist keine geistige Betrachtungslektüre für einsame Stunden, sondern ein praktischer Lebensratgeber mit religiösem „Background“, wie der von Funk und Fernsehen bekannte Medien-Mönch wohl selbst sagen würde. Bruder Paulus nimmt die Leser mit auf einen Rundgang durch ein Kapuzinerkloster von der Pforte bis in die Zelle - es muss nicht Dieburg sein, es ist eine exemplarische Tour. Dabei schaut er kritisch auf die heutige Gesellschaft. Immer wieder greift er seine Erfahrungen als Kapuziner auf - einerseits mit Gott, andererseits mit den Menschen. Dabei ermutigt er die Leser, statt lange zu warten, das Leben anzunehmen, wie es sich im Moment ereignet. „Wenn der Motor unseres Lebens nur das Morgen ist, das wir erreichen wollen, verpassen wir hier und jetzt wichtige Momente“, heißt es an einer Stelle.

Bruder Paulus macht deutlich, wie sehr die verschiedenen Vorstellungen von einem glücklichen Leben Deutschland derzeit lähmen. Zur Berufung des Menschen gehöre es, so der 49-jährige Ordensmann, sich für das eigene Leben verantwortlich zu zeigen und es mit dem zu gestalten, was es hier und heute biete und auch einfordere. Also, alles andere als eine jenseitsgerichtete Vertröstung auf ein undefinierbares „Danach“. Im Stil einer volksnahen Predigt geht er auf die deutsche „Vertröstungsgesellschaft“ ein, entlarvt ihre Standardsätze als billige Entschuldigung, lieber von einem Morgen zu träumen, als das Heute zu gestalten.

„Deutschland lebt in einer riesigen Pause. Wir reden uns ein, dass das Eigentliche noch aussteht und wir uns deswegen auch hier und heute nicht zu  engagieren brauchen.“Bruder Paulus wäre nicht Beauftragter für Berufungspastoral der Kapuziner, wenn er nicht einen Gegenentwurf machen würde: Eine Entscheidung für ein Leben mit Gott könne den Menschen von den ungezügelten Phantasien über ein Paradies, das er selber schaffen könne, befreien. Wer an Gott glaube, so Bruder Paulus, sei fähig, die Berufung zu einem konkreten Leben mit all den Einschränkungen, die es vermeintlich mit sich bringe, anzunehmen.

Ob dieser „Königsweg zu einem erfüllten Leben“ für ihn in Frage käme, muss der Leser selbst entscheiden.

Dieburger Anzeiger, 29. Januar 2009


Da ich unter dem Burn-Out-Syndrom leide und deswegen nicht nur in aerztlicher, sondern auch in psychologischer Behandlung bin, ist "Das Leben findet heute statt" Balsam fuer meine Seele.

Ich habe mich in so vielen Dingen, die Sie angesprochen haben, wieder erkannt und war gluecklich, endlich einmal von jemandem klipp und klar zu hoeren, dass wir uns nicht staendig selbst unter Druck setzen sollen, dass wir uns nicht dem Abnehm-Wahn oder sonstigem aussetzen sollen und dass wir als Menschen schlichtweg einfach so gut sind wie wir sind.

Ich selbst habe das fuer meinen Teil nie geglaubt. Ich leide sehr oft unter der Vorstellung, dass mich die Leute z.B. nicht moegen, wenn ich nicht endlich 10 Kilo abnehme und somit mein Idealgewicht erreiche oder aehnliches in dieser Richtung.

Einerseits sehr harmoniebeduerftig bin ich doch ebenfalls jemand, der schlecht "Nein" sagen kann, kaum gelernt hat, an sich selbst auch ein wenig zu denken und sich oft ausnutzen laesst.

Ich will schlicht und einfach DANKE sagen.

DANKE fuer den ein oder anderen "Augen-Oeffner".
DANKE fuer so viele schoene Gedanken und Denkanregungen.

Ich werde mich ab heute taeglich bemuehen, mein Leben JETZ­T zu leben und stets PRAESENT zu sein.

Nuria M.
 
März 200


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