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26. August 2010 - frischfischen.de - Die Kirche ist jung

Kirche ist jung.“ (Benedikt XVI.) Ihre Medien planen die Alten.

Ein Zwischenruf.

Die Empörung werde ich nie vergessen. 1973. Unser alter– er war damals keine 50 (!) Jahre alt! – , unser für uns alter Pastor kannte unser Konzept nicht. Und keine Minuten der zwei Monate, in denen wir den Jugendgottesdienst vorbereitet hatten. Fünf Stunden vor Beginn des Jugendgottesdienstes wollte er die Texte sehen! Strich, was ihm nicht passte; unserem Kaplan blieb nur, uns Aufgebrachte zu beruhigen. Zornig klampfte ich das erste Lied. Erste Erfahrungen, was hinter den Kulissen so läuft …

Mittlerweile bin ich ebenso alt wie unser Pastor damals. Und ich muss feststellen: Was ihn zum „alten“ Pastor machte, ist immer noch sehr lebendig. Nur hält er heute das Konzept junger Menschen von Leben mit dem Internet in der Hand – und streicht lustig darin herum.

Wie ihm damals die Discos im Pfarrheimkeller und Ferienlager fremd waren, sind es ihm heute virtuelle Soziale Netzwerke, Communities und ähnliches. Welche Medien-Konzeptionierer der Bischofskonferenz oder einzelner Bistümer , viele davon meine Alters(!)-genossen, leben in Facebook, mySpace, StudiVZ, Twitter, LinkedIn oder anderswo? Müssen sie ja auch nicht. Doch dann dürfen sie auch nicht reinreden, wohin die Web-Reise der Kirche geht. Die jungen, noch engagierten katholischen „Digital Natives“  haben ihre „Jugendmesse“ schon vorbereitet. Sie werden sich nicht von einem Kaplan beruhigen lassen und brav ihren Beitrag spielen, soweit der Pastor von heute es zulässt – (damals waren wir noch so … erinnert Ihr Euch, meine Mit-Alten … ?)

Die grauen alten Pastoren von heute machen in Sachen katholisch.de, Internet-Präsenz und Netzwelt einen Arbeitskreis. Unter sich. Das ist ungefähr so kreativ, als hätte unser Pfarrer damals im  Konveniat, dem Pfarrertreffen, die Jugendmesse vorbereitet.

Was dabei herauskommt? Texte, die sich jugendlich geben, aber nicht jugendlich sind. Nehmen wir ein öffentliches Beispiel. Es ist der Werbetext einer Kirchen-Firma; denn Gesellschafter dieser APG sind alle deutschen Bistümer. Auf deren Homepage heißt es:

“Ähnlich wie Xing.com ein ,Globales Networking für Geschäftsleute‘ ist, so ließe sich auch für das katholische Deutschland eine Kontakt- und Kommunikationsplattform entwickeln, ein Netzwerk für Katholiken, das auflösende Strukturen stabilisieren hilft.“

Mir bleibt die Spucke weg. Das hört sich so an, als würde unser alter Pastor über Jugendgottesdienste schreiben: Sie heben die Frömmigkeit des Jugendlichen, bringen sie zum Beichten und zum Bestellen von Heiligen Messen; die Jugendmessen werden den Wegbruch der Jugend stabilisieren helfen. Punkt. Mehr Horizont ist nicht.

Nein, nein, möchte man rufen, lieber Herr Pastor im Heute:  Internet hilft nicht stabilisieren; Internet bringt in Fluss. Wie die Jugendgottesdienste damals.

Und den Fluss fürchtete der alte Pastor von damals. Und die neuen alten Pastoren fürchten ihn auch. Web 2.0? Diskussion? Kommentarfunktion? Das destabilisiert doch!? –  Ja. Wie damals unsere frechen Sätze im Jugendgottesdienst. (Erinnert Ihr Euch? Seid nicht die, die Ihr damals gefürchtet habt!)

Sicher. Unserem Pastor daheim lag daran, den Glauben zu bewahren. Er wollte auch die Alten nicht verprellen. Am Ende hat er trotzdem viele von uns Jungen (und auch von den Alten) verloren (wofür es bestimmt noch viele andere Gründe gibt als die Striche im Konzept von Jugendgottesdiensten).

Von solcher Art wollte ich nie sein. (Vielleicht bin ich es manchmal doch. Wo? Sagt es mir!) Virtuelle Netzwerke, Konzeption von katholischer Internet-Community, katholische Medienplanung und Sinn für die neue Zeit: Wir Alten (etwa 50-jährigen) müssen einsehen, dass wir nicht wissen, wie die Jungen ticken.

Also, meine Mit-Alten in den Pfarrhäusern kirchlicher Medienplanung: Wer von Online-Community spricht, muss in Online-Communities leben.  Die engagierte junge Generation muss sich selbstbestimmt katholisch vernetzten können dürfen. Und muss uns dabei mitnehmen.

Geben wir ihnen dafür das Geld in die Hand. Die Kirchensteuer für Online-Aktivität darf der alte Pastor nicht im Konveniat (Treffen der Geistlichen in einem Dekanat. – Anmerkung der Redaktion) herumreichen; sie gehört in junge Hände. In neue Schläuche. Für den neuen Wein.

Sonst geht es der Medienstrategie-Planung der Kirche in Deutschland wie unserem Jugendgottesdienst in unserer Stadt damals: Er sollte zwar stattfinden, aber nur nach dem Konzept unseres Pastors. Unser junges Leben damals und das Leben der Jugend in der Stadt spielte in seiner Kirche keine Rolle.

frischfischen.de, 26. August 2010


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