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16. Februar 2010 - Darmstädter Echo - Fastenbräuche

1.    Welche Bedeutung hat die Fastenzeit für Sie?
Ich konzentriere mich wieder neu auf meine christliche Berufung. Mehr Gebet, intensiver Gottesdienst feiern, Arme wirklich persönlich kennen lernen und mit ihnen einige Lebensschritte gehen. So hoffe ich, sechs Wochen etwas zu trainieren, was mir das Osterfest wieder ganz neu schmackhaft macht. Da werde ich ja dann mit vielen Christen feiern, dass durch die Auferstehung Jesu einem ein Ausbruch aus dem Ewigen Kreisen ums Ego gelungen ist, der es uns nun auch möglich macht durch seinen Heiligen Geist.

2.    Wie startet man in die Fastenzeit?
Durch den Besuch des Gottesdienstes am Aschermittwoch, das Wegschließen von Alkohol, Süßigkeiten oder anderen Suchtmitteln je nach eigener Wahl, durch einen Plan, wie man seinem Leben eine neue Ordnung geben will: Bewusst jede Woche zwei Bekannte anrufen, sich jeden Tag eine Viertelstunde Ruhe gönnen,  umweltbewusster zu fahren, biologischer zu kochen usw. Solche Vorsätze sollte man mit seiner Umgebung besprechen, damit die nicht vor den Kopf gestoßen werden.

3.    Fastet man im Kloster anders als im Alltag?
Wir hören natürlich öfter Texte aus der Bibel als im normalen Alltag. Vermutlich können wir uns auch leichter auf reduziertes Essen und Trinken einstellen oder auf eine gesündere Ernährung. Vor allem aber sind wir uns leichter einig, über Gott und die Welt ausführlicher in der Fastenzeit zu sprechen als zu anderen Zeiten des Jahreskreises.

4.    Viele fasten nur, um ihr Gewicht zu reduzieren. Gibt es für Sie noch andere Gründe zu fasten?
Fasten erweitert den Horizont. Man weiß ja oft gar nicht mehr, wie wenig man eigentlich zum Glücklichwerden braucht. Fasten ist Seelentraining; wir üben, den Nächsten neu zu lieben, Gott die Ehre zu erweisen, den Dialog unter den Menschen zu fördern. Im Grunde geht es darum, für das endlich mal wieder zu leben, was einem wirklich was wert ist.

5.    Wie kann man sich den Verzicht in der Fastenzeit erleichtern?
Man muss sich klar machen, wofür man es will. „Ich faste aus Liebe zu dir“, sage im Gebet zu Jesus. Andere sagen: Ich möchte wieder bewusster die Werte pflegen, die so leicht untergehen im Sucht- und Event-Betrieb des Alltags. Dritte spüren: Sie leben falsch, sie haben keine Freunde und kommen mit ihrer freien Zeit nicht zurecht. Da kann man sich doch mal für wenigstens diese sechs Wochen mehr Freundlichkeit und einen richtigen Wochenfreizeitplan machen; vieles wird davon sicher gut weiterwirken.

6.    Kann die Fastenerfahrung das Leben ändern?
O ja, man wird einfach zufriedener, wenn man erfahren hat, wie wenig man zum Glücklichsein eingentlich braucht. Und wie leicht es ist, mit Gott ins Gespräch zu kommen und den Mitmenschen, wenn man sich wirklich für diese Phase des Jahres einmal Zeit für sie nimmt.

Fastenkalender:

Hans Dieter Erlenbach, Darmstädter Echo

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