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Mittel.Punkt April

Der erlösende Dreischritt (Mittelpunkt April)
 

Sünde ist immer öffentlichkeitswirksam. Deshalb braucht sie öffentliche Formen der Buße. Und öffentliche Vergebung. Nur schwer begreift die Kirche, dass diese humane Binsenweisheit auch für sie selber gilt. Statt sich selber in Buß-gewänder zu hüllen, meint sie noch zu oft, einen Glanz bewahren zu müssen, der sich oft und allzu oft nur als bloßer Anschein erweist.

Wer glaubwürdig sein will, kann in den österlichen Tagen bei Gott in die Schule gehen. Er warb um Vertrauen, indem er uns schwachen Menschen gleich wurde. „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2 Kor 5,21) Jesus als einer von uns scheut sich nicht, auf der Seite der Sünder zu gehen, damit sie mutig werden, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Damit kann Gott den Stolz brechen, der sich ständig selber rechtfertigt und entschuldigen will und es nicht übers Herz bringt, um Verzeihung.

Gott auf der Seite der Sünder. Gott im Dunkel. Gott in der Gefangenschaft. Gott in den Dornen der Welt. Dort brennt seine Gegenwart lichterloh.
Gott stärkt die Kirche, die begangene Schuld beim Namen zu nennen. Das Ver-säumte, Glattgebügelte, Vertuschte zu zeigen. Dennoch kommt der erlösende Dreischritt nur schleppend in Gang: Das glaubensstarke Bekenntnis der eigenen Schuld, öffentliche Reue, eine selbstauferlegte Buße.

In erschreckender Weise einander ähnlich fürchten Täter und Opfer das Licht der Öffentlichkeit. Beide verweisen, jedoch in unterschiedlicher Blickrichtung, mit ähnlichem Reflex von sich weg. Während die Opfer und ihre Familien stillhalten, indem sie sich einreden, anderen ginge es schlimmer als ihnen selber und man würde sie bestimmt meiden, wenn ruchbar würde, was ihnen geschehen ist, oder gar besorgt sind um die Täter, die sich „bestimmt bessern werden, wenn man schweigt“, zeigen die Täter lautstark auf „die anderen, die auch Böses tun“ und fürchten um das vordergründige Image der Kirche, voller Angst, man würde sie nun gänzlich meiden.

Dem gesellschaftlichen Exkommunikationsprozess kann nur mit dem Dreiklang Reue, Bekenntnis und Bußvorsatz entgangen werden. Ob die Lossprechung erfolgt, muss sich dann zeigen. Sie ist Gnade. Bei allem, was es zu kritisieren gibt am Umgang der Medien mit der Kirche: Wer schuldig ist, muss vortreten und bekennen. Als gläubiger Christ schon zweimal.

Denn wir sind überzeugt: Gott steht auf der Seite der Sünder. Dort nimmt er uns auf in die Gemeinschaft mit sich selber. Trotz der Ermordung des „treuen Zeugen“ spricht der von ihm bezeugte Gott sein „Du sollst leben“ zum ermordeten Opfer, Jesus, und wegen dessen Treue und Liebe im Hass auch zur Menschheit.

Wir sind gerechtfertigt. Es muss sich niemand mehr selber zu entschuldigen suchen. Es steht einer auf unserer Seite, der nicht von uns flüchtet, so groß die Schuld auch sein mag.

Die sexuell motivierten Verbrechen an Leib und Leben von Kindern und Jugend-lichen, die öffentliche Kirchenpersonen in einem gottlosen Spiritualitätsgespinst vollbringen konnten und können, warten auf Sühne bzw. Verhinderung. Sie geschahen und geschehen im Leib der Kirche und haben alle mit krank gemacht – und werden noch, so steht zu befürchten, weitere krank machen. Die Kirche  braucht jetzt von den Verantwortlichen aller Ebenen den christlichen Dreiklang „Reue – Bekenntnis – tatbereiter Bußvorsatz“ mehr denn je.

Das will geübt sein. Jetzt rächt sich, dass wir innerhalb der Kirche nicht mehr Bußfeiern kennen, die sich sozial auswirken, will sagen: Spürbar integrieren. Die Medien erinnern uns an eine verloren-gegangene Kompetenz: Der Reue über die Sünde Raum zu geben, wahrhaftig bekennen und versprechen, was man heute noch verändern will im eigenen Leben. Wer sich derart öffnet, entzieht der Sünde jede Grundlage, erneut mächtig zu werden.

Und dann? Ja, von Gott dann zu hören durch einen Vertreter der Kirche, der im Raum der Liturgie wirklich eher ein Vertreter der Kirche des Himmels ist: Ich nehme dich und euch wieder auf in die Gemeinschaft der Kirche.
Ob die Gesellschaft ohne Gott, in der wir als Kirche jetzt leben, uns wieder aufnehmen und ernstnehmen kann? Wenn die Verantwortlichen bereuen, bekennen und klar kommunizieren, könnte sie uns eine Chance geben.

Ihr Bruder Paulus

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