Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
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01. Oktober 2009 - Lesung in Herford

Hier, heute und Ich
Lesung der Herforder Buchhändler mit Bruder Paulus Terwitte

Herford (mo) „Den Stuhl brauche ich nicht, und den Tisch räume ich auch mal kurz an die Seite. Wenn ich rede, muss ich mich dabei bewegen", lässt der Kapuzinermönch Paulus Terwitte das Publikum mit tiefer Stimme wissen. Zur Lesung mit dem wortgewandten Mönch hatten die unabhängigen Buchhändler Herfords ins Elsbach-Haus geladen.

„Wir haben Angst, nicht genug zu bekommen", das ist die Botschaft.die er verkündet. Wir, die Gesellschaft, jeder Einzelne, warten auf das perfekte Morgen. Alles könne ja noch besser werden. Die Gegenwart zählt nicht, sie dient nur als Vorbereitung. Mit ihr geben wir uns nicht zufrieden, denn in einer unbestimmten Zukunft ist eines doch bestimmt: Es könnte ja noch besser werden.

Diese Gedanken trieben viele von uns, sagt Bruder Paulus und sieht darin eine grundlegende Problematik. Wir können uns nicht über das Heute freuen, weil wir in dem Glauben schwelgen, dass das Morgen einen Zustand im Superlativ tür uns bereit hält. „Wer heute einfach nur glücklich ist, von dem glaubt man ja, er habe keine Ziele mehr", sagt Bruder Paulus. Voller Energie und Bewegungsdrang läuft der Mönch vor den 70 Zuschauern hin und her, wendet sich ihnen zu, schreitet durch die Reihen und trägt seine Botschaft so zu jedem Sitz.

Wenn die Zukunft für uns ein viel schöneres Dasein bereit hält, warum sollten wir uns in der Gegenwart völlig hingeben? Wir müssen uns doch schonen um dann, wenn wir in der schönen Ferne angekommen sind, endlich alles zu geben und anfangen können, richtig zu leben. Durch diese Denkweise verweigerten wir uns der völligen Hingabe im Hier und Jetzt und können nicht anders als nicht richtig glücklich zu werden, meint Terwitte, dann nimmt er die Besucher mit auf einen gedanklichen Rundgang durch sein Kloster, das Kapuzinerkloster Käppele in Würzburg.

Anhand ihrer Vorstellungen von Räumen und Klosterleben zeigt er, wie festgefahren ihre persönlichenVorstellungenund die Meinungsbilder der Gesellschaft sind. Dass es in den Gemäuern eine modderne Küche gibt, glauben sie erst, wenn sie es mit eigenen Augen gesehen haben. So sei es auch ein mit Klischees und Vorurteilen: Kaum einer macht sich die Mühe, zu überprüfen, wie viel daran noch wahr ist. Das frustriert: „Sie haben es ja recht einfach, wenn Ihnen an der Kirche etwas nicht gefällt, können sie einfach austreten. Was glauben Sie. wie oft ich schon aus der Menschheit austreten wollte", kommentiert der Kapuziner Fragen zu Standpunkte der Kirche. Im Bad des Klosters angekommen, kritisiert Bruder Paulus den Schönheitswahn der Menschen und die damit verbundene Geschäftemacherei. Dies sei ein Beleg für das Unvermögen, sich selbst nicht annehmen und akzeptieren zu können. Vor dem Spiegel und im Fitnessstudio quält sich das Individuum, damit es in der Zukunft glücklich sein werde.

Der Klosterrundgang ist abgeschlossen und mit ihm die Lesung. Der Mönch fordert die Hörer auf, mit ihm zu diskutieren und Fragen zu stellen. Das Publikum beteiligt sich, bis sich Bruder Paulus verabschiedet.

Neue Westfälische Zeitung, 01. Oktober 2009

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