Verbandsversammlung: 300 Feuerwehrleute aus ganz Hessen tagten in Korbach
Feuerwehr wirbt: Frauen an den Brandherd
KORBACH (lb). Die Hauptstadt der hessischen Feuerwehren ist, zumindest an diesem Wochenende, Korbach gewesen: Rund 300 Delegierte tagten bei der Verbandsversammlung des Landesfeuerwehrverbandes Hessen in der Stadthalle.
Von Donnerstag an stand Korbach ganz im Zeichen der Feuerwehr. Los ging es mit Tagungen des Präsidiums und einzelner Gremien. Am Freitagabend luden die Stadt Korbach und der Landkreis zu einem offiziellen Empfang in die Stadthalle.
Bruder Paulus, Kapuzinermönch aus dem Kloster Dieburg, sprach am Samstagmorgen zum Thema »Bürgerschaftliches Engagement". Anschließend begann die Verbandsversammlung in der Stadthalle.
Bruder Paulus bei den Floriansjüngern
Schon am Freitag gab es gute Nachrichten für die Stadt. „Wir können in Eppe starten", freute sich Bürgermeister Klaus Friedrich beim Empfang: Weil eine Erweiterung des alten Gebäudes nicht möglich ist, soll das Gerätehaus in Eppe für knapp 160000 Euro neu gebaut werden. Einen Zuwendungsbescheid hatte Staatssekreär Gunnar Milberg vom hessischen Innenministerium zwar noch nicht in der Tasche, dafür immerhin die Genehmigung für das Bauvorhaben. Bürgermeister Klaus Friedrich geht davon aus, dass das Land rund 30 Prozent der Kosten übernimmt. „Wir sind dankbar, dass damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht", so der Bürgermeister. Das Innenministerium habe unbürokratisch gehandelt, sagte Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt. Im Brennpunkt der Verbandsversammlung am Samstag stand der demografische Wandel, der auch die Feuerwehren trifft. Der Landesverband will mit einer neuen Kampagne verstärkt um Frauen und Migranten werben. Mit attraktiven Angeboten und neuen Strukturen müsse man außerdem dem Negativtrend beim Feuerwehr-Nachwuchs entgegentreten, sagte Ralf Ackermann, Präsident des Landesverbandes. „Sonst haben wir vielleicht in 15 Jahren keine Jugendfeuerwehren mehr", machte er deutlich. Ackermann sprach sich gegen eine .Zusammenlegung von Feuerwehren aus. Der fächendeckende Brandschutz müsse gewährleistet bleiben. „Gerade die Unwettereinsätze bei Kyrill, Jeanette und Emma haben gezeigt, wie wichtig es ist, ein flächendeckendes System zu
besitzen." Beim Unwetter Emma seien die hessischen Wehren zu 3500 Einsätzen ausgerückt. Das habe nur mit überörtlicher gegenseitiger Hilfe funktioniert, so Ackermann.
Der Präsident distanzierte sich von Überlegungen, die Leitstellen von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz zusammenzulegen. Die Feuerwehren verfügten in Hessen über 25 Leitstellen, die gut durchorganisiert und auf einem technisch hohen Standard seien. Eine Veränderung des bewährten Systems sei problematisch und unrentabel.
Gerd Battenfeld (Landkreis Gießen) wurde zum neuen Vizepräsidenten gewählt. Er setzte sich gegen Karin Plehnert - Helmke (Schwalm-Eder- Kreis) durch. Battenfeld folgt Willi Sußebach (Werra-Meißner-Kreis) nach, der das Amt 16 Jahre lang ausübte. Sußebach wurde dafür mit dem silbernen Brandschutzehrenzeichen als Steckkreuz geehrt. Eine Ehrung gab es auch für Innenminister Volker Bouffier. Er erhielt das Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Feuerwehrverbandes.
Quelle: Frankenberger Zeitung 28.4.08