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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 22. September 2009 KNA - "Betbrüder, Schmuddel-TV und der Missionsauftrag"

Pressebundinfo 3/2009

"Betbrüder, Schmuddel-TV und der Missionsauftrag"

Vallendar (KNA) Was hat ein Betbruder bei "Big Brother" verloren? Eine ganze Menge, meint Bruder Paulus Terwitte. "Das Wort Gottes wächst, wo es will", sagt er und lacht diebisch in die Runde. Gut und richtig sei es, dass er vor fünf Jahren an Heiligabend den Bewohnern des berüchtigten Fernseh-Containers die Weihnachtsgeschichte vorlas - "zur besten Sendezeit in der werberelevanten Zielgruppe", ergänzt er.

Bruder Paulus stritt nicht bei Maischberger, Will und Illner, sondern vor seinen klösterlichen Mitbrüdern und -Schwestern. Es war die wahrscheinlich beste Talkrunde des Jahres zum Thema Christentum in der Gesellschaft. Der einzige Fehler war, dass ihr nur ein ganz erlesenes Publikum lauschte. Vor den knapp 250 versammelten Äbten, Oberinnen und Ordensprovinzialen Deutschlands stritt das "Who ist Who" der TV-Klostermänner- und Frauen über Mönche, Nonnen und die Medien. Mit dem Kapuzinerbruder Paulus diskutierten die "Wort und Sonntag"-Dominikanerin Jordana Schmidt, die Presse-Sprecherin des Bingener Hildegard-Klosters, Schwester Philippa Rath, der Erzabt der Benediktiner von St. Ottilien, Jeremias Schröder, und die Fernsehkritikerin Klaudia Wick.

Anlass war das vierte Spitzentreffen der deutschen Ordenslandschaft. Die Ordensobernkonferenz traf sich diesmal in Vallendar, unweit der berühmten "Gnadenkapelle" von Schönstatt, und die angereisten Klostervorsteher diskutierten während des dreitägigen Treffens erstmals über die Rolle und das Profil der Orden in den Medien. Gäste der Konferenz waren auch der Apostolische Nuntius Jean-Claude Perisset und der Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers. Gespannt lauschten sie dem Schlagabtausch. Im Ton
freundlich, in der Sache aber kontrovers rangen die aus den Medien bekannten Ordensleute.

"Win-Win-Situation"

Dabei offenbarten sich die unterschiedlichen Philosophien ihrer Ordenstraditionen in einer Differenziertheit, die selten so offen zu sehen ist: auf der einen Seite die offensiven Predigerorden wie die Dominikaner, auf der anderen Seite die eher kontemplativen Traditionen wie die der Benediktiner.

Bruder Paulus vertrat auf dem Podium beherzt die missionarische Überzeugung seines Kapuzinerordens. Er als Medien-Mönch wolle der Gesellschaft "ein Schaufenster anbieten, wie eine offene Kirche". Man müsse die Botschaft der Christen zu den Menschen bringen. Da sei er sich auch nicht zu schade, dies auf RTL2 zu machen. Entschiedener Einspruch kam von Schwester Philippa: "Bei RTL2 bin ich mir höchst unsicher, ob meine Botschaften da überhaupt ankommen", sagt sie und beäugt Bruder Paulus. Ob er sich nicht zur Eigen-PR vor den Karren eines Schmuddelsenders spannen lasse, fragte die Benediktinerin.

Keineswegs, konterte Paulus: "Das ist 'ne Win-Win-Situation. Ich tanze nach ihrer Pfeife, aber die Melodie kann ich ja immer noch bestimmen." Schwester Philippa will ihren Medienauftrag als Nonne jedoch gar nicht so missionarisch sehen. "Wir sind Helferinnen zum Leben und bieten einen heilsamen Lebensentwurf." Da müsse man schon aufpassen, dass man diese Botschaft nicht unter Wert verkaufe. Sie erhalte am Tag durchschnittlich fünf Anfragen aus Funk, Fernsehen und Presse, um über das Nonnenkloster im Weinberg zu berichten und achte sehr darauf, dass der Weinberg in dem Bericht zwar vorkomme, aber eben nicht nur.

"Immer die gleichen Anfragen"

Zustimmung erhielt sie von Erzabt Jeremias. Er lasse viel lieber die Kamerateams zu sich kommen, als sich in Talkshows der für einen Ordensmann eher abwegigen Redesituation zu stellen. "Bei uns im Kloster lässt man die Leute ausreden", sagte der Erzabt bestimmt. Auch Schwester Jordana beklagte den Umgang mit ihr in TV-Runden. Zwar werde sie oft eingeladen. "Aber immer die gleichen Anfragen nerven." Meist gehe der Talk nicht über die Nachfrage hinaus, warum eine so attraktive Frau sich aufs zölibatäre Ordensleben einlasse. Trotz ihrer TV-Erfahrung sei es für sie nicht leicht, dass sie im Fernsehen nicht nur für sich und ihr Kinderdorf spreche, sondern eigentlich immer gleich für die ganze Ordens-Zunft rede.

Darum gehe es aber doch letztendlich, entgegnete ihr TV-Kritikerin Wick. Orden müssten viel mehr das Angebot der Mediengesellschaft annehmen und mit einer gewissen Missionskraft für ihre ganz andere Lebensform einstehen. "Seien Sie doch froh, dass die Redaktionen Sie einladen", so die ehemalige "taz"-Chefredakteurin. Sie freue sich jedes Mal, wenn Leute aus der Kirche noch in den Medien vorkämen, bekennt die Protestantin.

Am Ende rang sich auch der Erzabt von St. Ottilien zu einem eindringlichen Appell an die versammelten Ordenoberen durch: Nur wenige Leute hätten das richtige Händchen im Umgang mit den Medien. Die Klöster müssten aktiver diese Medientalente wahrnehmen und ohne jeden Neid fördern. Denn immerhin
würden sie einen Dienst an der gesamten Ordenslandschaft tun, sagte Pater Jeremias. Der Moderator der Runde, der TV-Kirchenjournalist Martin Blachmann, schmeichelte daraufhin dem Nachfolger des mediengewandten Abtprimas Notker Wolf und sagte: "Also Sie kann ich mir schon gut auch in Talkshows vorstellen."

Klaus Nelißen, KNA
"(C) 2009 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten."

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