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Sie befinden sich hier: Medien Medienresonanz 18. September 2008, Dieburger Anzeiger

18. September 2008 - Interview Offenbach Post

Offenbach Post:

1. Auch der sogenannte Existenzminimumbericht der Bundesregierung sieht Handlungsbedarf. Familien müssen entlastet werden. Haben Sie den Eindruck, dass sich die wirtschaftliche Situation von vielen Menschen, auch gerade hier im Ballungsraum Rhein-Main, verschlechtert hat?

Bruder Paulus:

Auf jeden Fall. Die Mehrwertsteuererhähung trifft die Armen besonders hat. Der Wegfall von Arbeitsplätzen für geringqualifizierte Menschen schreitet voran. In Frankfurt/M. lebt laut Caritas jedes vierte Kind in Armut. Die soziale Schere öffnet sich weiter: Menschen mit Monatseinkommen von 10 000 Euro stehen denjenigen gegenüber, die mit 348 Euro für sich selbst und 208 Euro für ein Kind im Monat auskommen müssen. Deswegen brauchen vor allem Familien unsere Unterstützung.

Offenbach Post:

2. Die öffentlichen Kassen sind leer. Wie sollen neue Hilfsprogramme finanziert werden?

Bruder Paulus:

Wir setzen viel zu viel auf den großen Vater Staat. Wir brauche weniger Hilfsprogramme, sondern mehr eine starke Wirtschaft, die den grundgesetzlich verankerten Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet ist. Die Öffentliche Hand sollte sich fragen, wo sie die Bereitschaft der Bürger behindert, ein Gemeinwesen zu entwickeln, in dem die Schwachen einen Platz erhalten. Ich nenne als Beispiel die Vergabeordnung, die es unmöglich macht, dass heimische Betriebe bei einer Ausschreibung für ein vernünftiges Angebot den Zuschlag erhalten. Oder die Mahlzeitenversorgung in den Schulen: Wie schwer ist es da für die heimische Gastronomie, zum Zug zu kommen. Oder der Verkauf von öffentlichen Gebäuden an ausländische Investoren im Private Public Partnership mit dem Ergebnis, dass der heimische Handwerker von den neuen Besitzern oft das Nachsehen hat. Solange es da keine Besserung gibt, wird die heimische Wirtschaft unseren sogenannten schwer vermittelbaren Mitmenschen keine Arbeit anbieten können und muss zusehen, wie die Steuern, die man ohne sie sauer verdient hat, an sie weitergereicht werden. DAs muss doch frustrieren!

Offenbach Post:

3. Sollten sich die Kirchen und ihre Organisationen mehr bei der Armutsbekämpfung in Deutschland engagieren?

Bruder Paulus:

Die beiden Verbänden der Caritas und Diakonie sind fordernder und fördernder Partner der sozialen Aufgaben der Gesellschaft. Dieser kräftige Arm der Kirchen mischt bei der politischen Lösungsfindung kräftig mit. Wir wissen ja auch, wovon wir reden, weil wir in den Beratungsstellen, Kleiderkammern oder Bahnhofsmissionen tagtäglich vom Schicksal der Armen unserer Tage berührt werden. Allerdings kommt mir von diesen Erfahrungen zu wenig in den Jugendverbänden und der örtlichen Gemeindearbeit an. Dafür erwarte ich von Caritas und Diakonie Handlungsvorschläge, die den kleinen Gläubigen vor Ort für den Kampf gegen die Armut in Deutschland motiviert.

Offenbach Post:

4. Die Politikverdrossenheit nimmt zu: Was empfehlen Sie Politik und Wirtschaft?

Bruder Paulus:

Beispiele ziehen an. Die Bevölkerung will wissen, was denn ein Politiker oder Unternehmer wirklich tut. ich lese immer wieder gern die Portrait-Serien über kommunale oder regionale Persönlichkeiten. Nur weiter so; wie sind eine öffentliche Gesellschaft geworden, in der die Medien einen demokratischen Auftrag gerade in dieser Hinsicht haben. Besonders die jungen Engagierte, die noch keine Verdienste erwerben konnten, aber hochmotiviert sind, brauchen mehr Beachtung. Dann würde auch auffallen, wie schwer sie es haben, weil so mancher aus der alten Riege seinen Platz nicht räumen will. Da könnte eine Quotenregelung hilfreich sein: Bei allen anstehenden internen Wahlen in Parteien und Wirtschaftverbänden gibt man den Newcomern eine besondere Chance. Deren Netzwerke ziehen dann automatisch mit und interessieren sich plötzlich, was "unser" Kandidat gerade macht, welche Meinungen er vertritt und wo er Unterstützung braucht.

Interview Offenbach Post, 18. September 2008

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