27. Februar 2009 Stadtmagazin Münster
"Mutter Beimer" zeigt eine andere Seite: Marie-Luise Marjan trifft den Hl. Paulus in Münsters Dom
Seit gut einem Jahr arbeiten Domkapitular Martin Hülskamp und Theologie-Professor Thomas Söding bei der Vorbereitung Hand in Hand, um die „Geistlichen Themenabende“ in der Fastenzeit iim Dom wieder zu besonderen Akzenten werden zu lassen.
Mit „Paulus – 2000 Jahr jung“ soll an jedem Mittwoch „der geistliche Raum des Domes extensiv gefüllt werden“, so Hülskamp, um „das Geheimnis des Glaubens zu erschließen mit Blick auf die konkrete Gegenwarts- und Lebensrelevanz.“ Der Apostel , dessen 2000. Geburtstag die Kirche mit einem „Paulusjahr“ begeht, ist der Patron des münsterschen Doms - übrigens die einzige deutsche Bischofskirche mit diesem Patronat.
Wort und Musik im Dialog
Den kantigen Eiferer für die Sache Jesu durch kompetente, bekannte Sprecherinnen und Sprecher zu Wort kommen zu lassen, seine Theologie zu interpretieren für den heutigen Menschen und das Ganze in den Dialog mit der Sprache der Musik zu setzen, das ist das Ziel, das das Domkapitel als Veranstalter der seit mehr als zehn Jahren in dieser Form angebotenen Themenabende erreichen möchte. Im vergangenen Jahr nahmen rund 4000 Besucherinnen und Besucher das Angebot wahr – „in diesem Jahr wünschen wir uns natürlich ähnliche Resonanz“.
Bekannte Namen von Marjan bis Kamphaus
Bekannte Namen wie „Muter Beimer“ Marie-Luise Marjan oder der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus gehören in dieser österlichen Bußzeit zu jenen, die sich gerne auf die Herausforderung eingelassen haben, so sagt Martin Hülskamp, dessen Kontakte auch die Religionsphilosophin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Kapuziner-Pater Paulus Terwitte und den Bischof Prof. Dr. Luigi Padovese nach Münster holen. Padovese ist der Apostolische Vikar von Anatolien – dort liegt Tarsus, wo der Hl. Paulus geboren wurde. Jeder der Sprecher hat in enger Zusammenarbeit mit Prof. Söding, der den theologisch-inhaltlichen Vorbereitungspart der Reihe übernommen hatte, das eigene Thema rund um die Briefe des Apostels gewählt.
Paulus-Briefe im Mittelpunkt
Denn diese Briefe, die Paulus an seine Gemeinden geschrieben hat und die „die ersten überlieferten Worte des Christentums sind“, so Söding, bilden den roten Faden: „Sie sind diktiert worden, um vor Ort den Christen von lesekundigen Frauen und Männern vorgelesen zu werden“. So werden dies Mitglieder der Städtischen Bühnen an den Mittwoch-Abenden tun – „wir freuen uns über diese wunderbare Zusammenarbeit“.
Vielschichtige Musik-Angebote
Doch nicht nur bei den Wortbeiträgen hört man bekannte Stimmen: Auch der musikalische Anteil der Themenabend („gerade zu Paulus gibt es eine Fülle musikalischer Literatur“) bietet seine eigenen Höhepunkte: Sei es die Percussion-Musik von Gereon Voß, seien es biblische Motetten für Solostimmen und Orgel von Telemann oder Werke von Messiaen oder Bach. Die Dialoge zwischen den Texten und den musikalischen Interpretationen genau dieser Worte versprechen eine fruchtbare Spannung, zu der unter anderen die Sopranistin Judith Gennerich (Stadttheater) und Domorganist Thomas Schmitz – der für die musikalische Seite der Themenabende zuständig ist – beitragen.
Anspruchsvoll, aber nahe am Alltagsleben
„Paulus pur“ werde zu erleben sein bei diesen anspruchsvoll-theologischen Abenden, versprechen Söding und Hülskamp. Beide sind erfreut, wie sehr das Paulus-Jahr gerade in Deutschland auf Resonanz in Bildungshäusern, Akademien und Gemeinden stoße – „dabei verändert sich das bisher in manchen Interpretationen negative Image des Paulus durchaus“. Die Angebote im Paulus-Dom – jeweils um 19.30 Uhr an den Mitwoch-Abenden vom 4. März (Marjan) bis zum 1. April, Domöffnung ab 18.45 Uhr – sollen dazu beitragen, „auch solche Menschen anzusprechen, die nicht unmittelbar einen Zugang zu Fasten oder Predigt haben“, sagt Domkapitular Martin Hülskamp.
Heike Hänscheid