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Mittel.Punkt September - Alles hat seine Stunde Koh 3,1

Ein Anruf. Ein Freund ist unterwegs nach Freiburg. Er kommt an Dieburg vorbei. Das wäre doch, meint er, eine gute Gelegenheit, mich zu treffen.

Nein, das ist keine gute Gelegenheit. Ich mache ihm klar, dass mich ein solcher Anruf kränkt. Seine Sachen führen ihn nach Freiburg. Das ist wichtig. So wichtig, dass er stundenlang im Auto sitzt. Dafür hat er Zeit. Für mich aber hat er sie nicht.

Immer wieder bekomme ich es mit solchen Vorbeifahrern zu tun. In der Familie sind die, im Freundeskreis und auch im Kollegenkreis. Jedes Mal trifft es mich aufs Neue. Der eine muss (!) nach Frankfurt. Der andere hat am Flughafen zu tun. Ein dritter macht Urlaub in der Nähe. Und ich bin dann das dritte Rad am Wagen der Zeit meiner Mitbrüder, meiner Freunde, meiner Kollegen.

Schon seit längerem habe ich mit meiner Familie und mit einigen Freunden ausgemacht, diese schlimme Form von Beziehungspflege zu beenden. Und ich merke: Das geht. Natürlich ist es immer noch ein sonderbares Gefühl, für einen Geburtstagsabend vier Stunden hin und vier zurück zu fahren. Es macht Mühe, wegen einer Kurzwanderung einen langen Weg auf sich zu nehmen. Das kommt mir dann im ersten Moment so luxuriös vor, dass ich am liebsten umkehren würde. Lohnt sich das denn? nagt eine Frage in mir. Was erlaubst du dir da eigentlich? klingt da als Nächstes auf.

Mittlerweile habe ich mir Antworten auf diese törichten Fragen zurechtgelegt, die auftauchen, sobald ich im Zug bin und für nichts anderes als eine schöne Kaffeestunde zwei Stunden Weg antrete. Die erste Antwort ist klar: Dieser Mitbruder ist mir mindestens soviel wert wie ein Auftritt in einer Fernsehsendung, für den ich natürlich sofort Zeit finde. Meine Verwandten zählen mehr als eine Versammlung von Leuten, die mich für einen Vortrag buchen, zu dem ich oft Stunden unterwegs bin. Auch meine Mitbrüder haben ein Recht darauf, dass ich mir extra für sie Zeit nehme und sie nicht nur nebenbei mal eben besuche, weil es auf dem Weg liegt.

Wenn sich jetzt im September die Terminkalender wieder füllen, bin ich gut vorbereitet. Ich warte nicht, bis mir von außen Termine eingetragen werden. Als erstes trage ich ein, wem ich, weil er mir was wert ist, meine Zeit schenken will. Frei nach dem Motto: Zeige mir, für wen du dir Zeit nimmst, und ich sage dir, wer du bist! wird die Exerzitienwoche eingetragen und auch die Woche, in denen ich mich mit meinen Brüdern treffen will zum Austausch. Ich prüfe in unseren Katalogen, wer einen runden Geburtstag feiert und wähle aus, für wen ich dann einen Tag lang unterwegs sein will. Und meine Mutter: Einmal im Monat oder alle sechs Wochen, habe ich gerne den Tag Fahrzeit im Programm.

Und dann sind da auch noch die Besinnungstage der GKP. Im letzten Jahr hat die Idee nicht recht gefruchtet, nur einen Tag anzubieten. Für 2009 gibt es nun wieder ein Wochenende (mit Sonntag), und das gleich zweimal für die Mitglieder. Auch Familien mit Kindern sind uns dabei willkommen. Bei mir im Kalender stehen sie. Mancher wird sie sich eingetragen haben, als er vorn davon gelesen hat. Andere werden es übersehen haben oder mit Bleistift eingetragen haben – falls noch Wichtigeres kommt.

Wichtigeres? Ein katholischer Verband, so meine ich, braucht Gelegenheiten, an denen sich die Mitglieder gegenseitig bezeugen, wovon sie leben. Und wenn gar nichts mehr hilft: Legen Sie sich einen Termin, z.B. rund um die Zeit in Helfta und kommen Sie vorbei …

Entschiedene Terminplanung für 2009 wünscht Ihnen

Ihr Br. Paulus Terwitte

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