Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
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01. Mai 2009 - GKP Mittelpunkt

Ihr werdet meine Zeugen sein Apg 1,8

„Komm mal mit, Mama!“ ruft die kleine Sarah. Sie hat etwas entdeckt, was sie unbedingt ihrer Mutter zeigen muss. Ein so schöner Stein liegt da einfach so auf dem Weg, dass sie es selbst kaum glauben kann. Sarah muss ihre Entdeckung einfach mitteilen. Mama soll sich auch freuen. Und wenn sie sich mitfreut, dann ist der Stein wohl wirklich so schön. In dieser kleinen Geschichte steckt die zweifache Richtung des missionarischen Handelns der Kirche, das in diesen Wochen wieder neu ins Gerede gekommen ist.

Es folgt zum einen dem unwillkürlichen Impuls, der sich aus der wunderbaren Entdeckung ergibt: Man wird einfach sagen müssen, welcher Reichtum einem da auf-gegangen ist. Fülle und Überfließen gehören zusammen. Zu dieser Außenwirkung der Entdeckung gehört gleichrangig eine Innenwirkung: Indem man mitteilt, was man entdeckt hat, sucht man sich dieser Entdeckung zu vergewissern und sie gleichsam aus einem anderen Blickwinkel noch intensiver zu verstehen.

Augustinus beschreibt dies so: „Machen wir nicht immer wieder folgende Erfahrung: Da gingen wir wiederholt für uns allein an eindrücklichen und reizvollen Sehenswürdigkeiten in der Stadt oder auf dem Land vorbei, ohne dass sie uns auch nur in geringster Weise beeindruckten, weil wir sie schon zu oft gesehen hatten; nun aber, da wir sie anderen Leuten zeigen, die sie noch nie gesehen hatten, lebt unsere Begeisterung neu auf durch die Begeisterung, die das erstmalige Sehen in ihnen weckt?

Das erfahren wir umso stärker, je enger sie mit uns befreundet sind: Im selben Maß, wie wir mit ihnen durch das Band der Liebe eins sind, wird auch für uns neu, was uns sattsam bekannt war.“*

Augustinus führt damit einen Aspekt der Mission an, der schon in der kleinen Geschichte vom Anfang mitklang: Zuerst muss da ein Vertrauen oder gar eine Liebe zwischen den Menschen sein, in der man sich traut, zu zeigen, was einem aufgegangen ist. Und, das muss hinzugefügt werden, in der man auch gern annimmt, was der andere einem zeigt von dem Reichtum, der ihn erfreut. Doch über die Bereitschaft hinaus, es gern zu empfangen, gebiert die Liebe, die sich zwischen Menschen entspinnt, auch geradezu die Erwartung, dass der andere nicht hinter dem Berg hält mit seiner Entdeckung. Denn die Liebe sucht ja gerade die Wahrheit und kann schon gar nicht verlangen, dass der andere sie einem vorenthält. Sie ist sogar bereit, zu erleiden, dass man eben (noch) nicht die Freude teilen kann, die dem anderen sein Fund macht. Aber dieser bisweilen tiefe Schmerz wird dadurch aufgehoben, dass er durch die Liebe verursacht ist, die den anderen zum Offenbaren seines Fundes führte. Diese Liebe ist nach dem Wort des Apostels ja Glaube und Hoffnung an Größe überlegen, wohl auch deswegen, weil sie ihren Geschwistern erst den Boden bereitet.

Mission ist eine Tat der Liebe – der Liebe zum anderen wie der Liebe zu einem selbst, und in all dem selbstverständlich der Liebe zum Entdeckten selbst. Mission ist Aufklärung im besten Sinne. Man kann mit ihr nicht allein bleiben, und dies um des anderen willen nicht wie auch um des eigenen Erkenntnisfortschritts willen nicht. Der Rabbiner Jakob Neuser erklärte in der aktuellen Diskussion, Christen dürften sehr wohl für die Bekehrung anderer in ihrem Sinne beten, wie das die Juden auch ihrerseits tagtäglich, wenn auch in einem anderen Kontext, täten.

Soviel Wert muss man sich selbst und müssen einem die anderen schon sein, meint Ihr Bruder Paulus

Ihr

Br. Paulus Terwitte


* Zitiert nach Schmitt, Karl Heinz: Erfolgreiche Katechese : Ermutigungen für die Praxis. München: Kösel, 2000, S. 116 f.

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