Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
« Februar - 2012 »
SMDMDFS
 010203
04
06
07
08
09
1011
12
13
14
15
16
1718
19
20
2122232425
26272829 
Sie befinden sich hier: Facetten Schreiben Mittel.Punkt. (02.2008)

Mittel.Punkt. (01.02.2008)

Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden. Apg 3,16

Die österliche Bußzeit soll den Geist lichten. Stattdessen verdunkelt allein schon das Wort „Buße“ bei den meisten Zeitgenossen die Gedanken. Als Kapuziner denke ich an den sonst doch so fröhlichen Franziskus von Assisi und eine doch so selbstbewusste Frau wie Klara von Assisi. Beide, ganz vom Dualismus geprägt, fasten und töten sich ab und sind so streng mit ihrem "Bruder Esel", dem Leib, dass ich es kaum verstehen kann. Buße sieht dann so aus wie eine Art Abwende-Bewegung: „Ich verließ die Welt“, fasst Fanziskus seine radikale Lebensbekehrung zusammen, die er vollzog, nachdem er einen Aussätzigen geküsst hatte. Sein „weg von der Welt“ drückt sich dann zwar auch aus in einer Art Verachtung des Genießens der Dinge in dieser Welt. Augenfällig ist aber auch, dass das „weg von der Welt“ für Franziskus und Klara ein „Weg in die Welt“ wird.

Beide initiieren eine Bewegung spezifischer Büßerinnen und Büßer. Sie wollen mit ihrem Verlassen der „Welt“ eben nicht an einen weltlosen Ort geraten, im Gegenteil.

In seinem Testament schreit der Poverello über seine Bekehrung: "So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: denn als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. Und danach hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt.“ Franziskus öffnete die Klausur des Gefangenseins in sich selber und umarmte einen Ausgestoßenen. Er ließ sich von der sozialen Not, die ihm da entgegentrat, unmittelbar anrufen. Franziskus machte auf diese Weise eine fundamentale Erfahrung mit sich und mit Gott. Und dies mitten in der Welt.

Das hat Folgen. Franziskus kehrte um von seinem Weg in eine ganz bestimmten Welt: einer Welt, die geprägt war (und ist) durch ein beständiges Kreisen um den eigenen Reichtum und die herzlos alles an den Rand drängt, was die Perspektive stetigen Reicherwerdens stört. Franziskus zieht es in eine andere Welt: in eine Welt, die Barmherzigkeit kennzeichnet und selbst die in die Mitte zurückholt, deren Aussetzung mit besten Gründen betrieben wurde. Er ahnt, dass Gott ihn mit der Wirklichkeit umarmt, die er wortwörtlich begreifen will. Alles in der Schöpfung ist der Ort, an dem Gott wirken kann. Unfriede, Sünde und Tod schrecken den Heiligen nicht.

Wer sich zu Gott bekehrt, wird radikal Welt zugewandt. Er will Ausgrenzung jeder Art widerstehen. Er will Gott weniger innerlich erfahren, sondern im Gehen bis zum Äußersten.

Für Franziskus zielt Umkehr auf eine erneuerte Welt, zu der jeder beitragen kann. Die Brüder unterwegs und die Schwestern, in der Klausur zwar, verzichten auf jede Art der Absicherung. Täglich neu wollen sie die Hände ausstrecken und sich gewahr bleiben, dass sie Gottes und eines jeden Menschen Wohltaten bedürfen.

Wir sind Bettler, das ist wahr (Luther). Buße klärt den Geist auf, wie es um die Sache des Menschen steht. Er muss der Versuchung widerstehen, sich ohne Gottes und der Menschen Gnade falschem Selbstgenügen (oder Selbstvergnügen) hinzugeben. Hier hat der freiwillige Verzicht sein Recht: Wir bleiben für Gott und die Mitmenschen nur offen, wenn wir uns bedürftig halten. Buße macht neugierig auf das, was Gott und die Welt für uns bereithalten. Sie macht empfänglich für Gott und erleuchtet unsere Wahrnehmung der Welt, auf dass wir erneuert darin Handeln.

Eine gesegnete österliche Bußzeit!

Ihr Br. Paulus Terwitte

Letzte Aktualisierungen

*  03.02.2012 12:55 - Newsletter Nr. 76 - 3. Februar 2012
*  03.02.2012 12:42 - Beheimatet im Unterwegssein
*  03.02.2012 12:41 - Beheimatet im Unterwegssein