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Mittel.Punkt. - 05. Januar 2008

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Mittel.Punkt. - 05. Januar 2008

Mitteilungen der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP)


Der am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
Joh 1,18

Welchen Kündern glaubt man noch? Digital lässt sich soviel vorstellen, dass die Frage nach dem, was dahinter ist, nach dem Echten und Wahren also, zu ganz neuen Ehren kommt.

An Epiphanie feiern wir eben nicht eine Erscheinung (als gäbe es dahinter die – graue – Realität). Wir feiern vielmehr, dass die Realität erscheint, auf deren Grundlage oder besser: Durch die alles erst wirklich werden kann.

Ich möchte Sie, liebe Kollegin, lieber Kollege, gleichsam als Beleg dafür mit nach Albanien nehmen. Dort lebt seit fünf Monaten mein Bruder Andreas. Der Kapuziner sitzt nach den Weihnachtstagen im einzig warmen Zimmer des bescheidenen Klosters der Kapuziner in Albanien und lässt die vergangenen Tage Revue passieren:

Am Stephanstag um 9.00 Uhr hatte ich den Gottesdienst in Qaf Mali, wo wir in einem schäbigen Klassenzimmer die Gottesdienste feiern können. Der kleine Ofen, den wir mit etwas Holz in Gang gebracht hatten, verbreitete kaum mehr als eine Ahnung von Wärme. 15 Personen – 3 Frauen, 7 jugendliche Mädchen, 3 Jungen und 2 kleine Mädchen – waren zum Gottesdienst gekommen. Dann waren noch Br. Gjon, Sr. Teresa und ich da. Der Gesang war erstaunlich kräftig. In meiner Predigt hatte ich davon gesprochen, dass nicht den Großen und Mächtigen die Geburt Jesu verkündet wurde, sondern den Kleinen und Armen: den Hirten auf den Feldern von Bethlehem. Die Leute waren ganz still. Zu den Fürbitten habe ich das große Jesuskind aus Ton, von den kleinen Schwestern von Charles de Foucauld gefertigt, herum gegeben. Wer wollte, konnte dann laut eine Fürbitte formulieren oder seine Bitte leise dem Jesuskind sagen. Ich war überrascht, dass die Leute hier ohne Scheu ihre Bitten aussprachen: um ein Ende des Hasses zwischen den Familien, um Frieden und Harmonie, für den kranken Opa, für die Kinder und die Jugendlichen … Weihnachten war ganz greifbar und nah.

Danach hatten wir dann den zweiten Gottesdienst in Lumardh. Auf dem verschneiten Waldweg haben wir Anton, einen 13- jährigen mitgenommen. Er wollte den Schlüssel für den Gottesdienst in der Schule abholen. Der Direktor hat ihn aber trotz der Absprachen vorher nicht herausgegeben. So mussten wir uns auf einen Weihnachtsgottesdienst im Freien einstellen. Gott sei Dank hatte die Schule einen Eingangsbereich mit einer Überdachung 5 x 5 Meter. Aus einem nahe gelegenen Haus wurde ein kleiner Tisch geholt. Aus zwei zusammengebundenen Ästen haben wir ein Kreuz errichtet. Ein Dachziegel, der herumlag, diente als Unterlage für das Jesuskind, das nun darin auf einem kleinen weißen Tuch ruhte. Es hatte angefangen zu tauen, vom Dach rieselten die Tropfen. Nach und nach kamen die Leute mit Winterkleidung, Mützen und Gummistiefeln. Man war Kälte und das raue Klima der Berge gewöhnt. Insgesamt waren wir 24 Personen, bunt gemischt: Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Auch ein Baby, in eine warme Decke gehüllt, war dabei. Die Leute standen dicht gedrängt um den Altar und die kleine Krippe. Mit Andacht nahmen auch sie anstelle der Fürbitten das tönerne Jesuskind in die Arme. Mit den Bitten waren sie diesmal eher zurückhaltend. Aber insgesamt war eine große, fast feierliche Freude der Menschen spürbar. Mir kam etwas in den Sinn von Greccio und dem Weihnachtsfest, das Franziskus dort inszeniert hatte. Und in meiner Predigt hieß es: „Jesus wurde geboren in einer Situation, absolut arm, ohne jeglichen Standard und Luxus, in einem Stall, mit Mist und Dreck, Gestank und in Kälte. Jesus wurde bei ganz einfachen Menschen geboren, draußen vor der Stadt, weil in der Herberge kein Platz für ihn war. Jesus wurde geboren bei Menschen des Alltags, bei Menschen wie uns.“ Diese Botschaft, glaube ich, haben diese einfachen Leute aus den Bergen verstanden.

An vielen Orten dieser Welt wird ganz bescheiden und mit großer Kraft die alte und doch immer neue Kunde gebracht. Ob Schneidetisch oder Tastatur, Mikrofon oder Kamera: Es ist oft nur ein kleiner Rahmen, in dem wir arbeiten. Doch im Glauben an die Realität Gottes können wir uns gerade da mit voller Kraft für die Kleinen, für Wahrheit und Recht einsetzen – auch wieder im Neuen Jahr 2008 (unserem kleinen Jubiläumsjahr).

Ihr Br. Paulus Terwitte

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