Guten Tag Bruder Paulus,
Ich melde mich zum Thema Cybersex bei Ihnen und bin Ihnen sehr dankbar darüber, dass sie auf ihrer Website eine Plattform bieten darüber zu sprechen.
Ich wollte darauf hinweisen dass Pornografie-Sucht keinesfalls nur ein Männerproblem ist. Jede 3. Person, die sogenannte Erwachsenenwebsites besucht, ist eine Frau.
Bei mir begann das ungefähr im Alter von 13 Jahren. Damals liefen sogenannte Softpornos auf RTL2. Zufällig stieß ich nachts beim fernsehgucken darauf und konnte meine Augen nicht mehr abwenden von dem was ich da sah. So genau hatte ich das noch nie gesehen und meine jungfräuliche Neugierde verlangte bald nach mehr. Bald entdeckte ich das Internet und stellte fest, dass ich dort absolut freien Zugang zu den extremsten Sachen hatte. Natürlich tastete ich mich Stück für Stück an die einzelnen Szenen ran. Bei der ersten Betrachtung war ich noch schockiert, doch es gibt wahrscheinlich kein Material bei dem man schneller abstumpft, als bei Pornographie. Und dann verlangt man nach mehr. Nach Härterem. Extremeren. Ich habe weiss Gott die ekelhaftesten, erniedrigendsten, unrealistischsten Filmchen gesehen. Alles im heimischen Elternhaus. Die Erregung blieb natürlich nie aus, was dazu führte, dass meine Fantasien immer heftiger und brutaler wurden.
Was die Konsequenzen dieses immensen Konsums waren: Ich vergesse den Unterschied zwischen Sex und Liebe, ich habe ein schlechtes Männerbild bekommen, in dem Männer hart, gefühlskalt und gewalttätig sind, und ich schäme mich für meine Sexualität. Ich habe Schwierigkeiten meine eigenen sexuellen Wünsche in einer Partnerschaft auszusprechen. Da ich Frauen so unglaublich oft als kniende, erniedrigte Hündinnen gesehen habe, fällt es mir immer schwerer dies von meiner eigenen Realität zu trennen.
Im Endeffekt merke ich nun die Langzeitkonsequenzen, die der Konsum von Pornographie hat. Wie das Kind, das ich damals war, als ich damit anfing, bin ich nun das verstörte Kind im Hinblick auf meine eigenen Sexualität. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich mir selbst diese Bilder verbieten, die einem nie wieder aus dem Kopf gehen.
Es ist unglaublich wichtig das Jungen und Mädchen KEINEN ZUGRIFF zu Pornographie haben. Die Langzeiteffekte die das auf junge Menschen haben kann sind nicht zu verdenken! Um Jugendlichen ein natürliches Verhältnis zu körperlicher Liebe zu geben, darf der erste Eindruck davon nicht durch ….com entstehen!
Ich versuche mich heute von solchen Seiten fernzuhalten, weiss allerdings von der brennenden Neugierde, die einen immer wieder überkommt. Die schnelle Erregung "auf Knopfdruck", für die auf Sexseiten gesorgt ist, ist immer noch verführerisch. Sex mit einem selbst geht einfach am schnellsten. Dass man dabei verlernen kann Lust mit jemand anderem zu teilen, vergisst man schnell.
Ich hoffe, dass es mir langsam gelingen wird, Pornografie aus meinem Kopf zu bekommen und das Gefühl der Scham, dass ich gegenüber meiner Lust bei partnerschaftlicher Körperlichkeit habe, langsam loswerde.
Ich würde gerne Ihre Meinung zu meinem Bericht lesen, und würde mich freuen wenn die email, auf Ihrer Homepage veröffentlicht werden würde. Ich denke als weibliche Person stell ich gar nicht so sehr die Ausnahme dar, wie es vielleicht scheint und Betroffenen ist vielleicht ein wenig geholfen, wenn sie lesen, dass sie nicht alleine sind.
Es kann nicht genug "Zeugenberichte" geben, die vor dieser schrecklichen Sucht, die so viel in einem Menschen kaputt machen kann, warnen!
Vielen Dank dafür, dass Sie diesem Thema, einem vermeintlichen "Kavaliersdelikt", Aufmerksamkeit schenken.
Mit freundlichen Grüßen
E.P.
Zur Antwort von Br. Paulus