Hallo Herr G.,
Dreh- und Angelpunkt der christlichen Auffassung zur Sexualität ist der Begriff der menschlichen Person. Sie, Dennis, sind ein Mann, der seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft hat. Sie sind in den Beziehungen, die Menschen zu ihnen gepflegt haben und die Sie pflegen, als Mann herangereift, und man darf sagen: Sie haben noch zwei Jahre vor sich, bis sich die Reifung schließlich so gefestigt hat, dass Sie eine Form haben, auf die Sie sich verlassen können - und andere auch.
Die Beziehungen, in denen Sie zum freien Menschen werden, waren hoffentlich alle von der Qualität der Freiheit, ohne die ein echtes Reifen nicht möglich ist. Sie haben hoffentlich erfahren, dass niemand eine Beziehung zu Ihnen aufbaute, die des anderen Selbstsucht als Motiv hatte.
Jetzt kommt der nächste Schritt: Sie haben - wenn ich Sie richtig verstehe - eine Partnerschaft zu einem Menschen, ich nehme mal an zu einer jungen Frau.. Darin werden Sie auch von Liebe sprechen. Und jetzt kommt wieder die christliche Position: Die Liebe meint die Person des anderen, das heißt, ihre Gegenwart, ihre Vergangenheit und ihre (gesamte) Zukunft. Die Liebe will das DU, dass es nur in diesem unteilbaren Kontinuum gibt. Es gibt da gewiss Abstufungen: Eine Freundin zu haben ist etwas anderes als eine Partnerin zu haben, und das noch einmal etwas anderes als eine Ehefrau. Erst letztere hat wirklich jenes Liebes-Ja empfangen und gegeben, das eine volle personale Gemeinschaft zur Folge hat. Das ist auch der Grund, warum es der menschlichen Vernunft einleuchtet, dass auch nur diese letzte Hingabe der Erlaubnisgrund ist, sich auch sexuell voll einander hingeben zu können. Zärtlichkeit mit der Freundin und der Partnerin ist, um es einfach zu sagen, immer nur insofern gut und richtig, als das Sie beide den vielleicht anderen im Blick haben, der noch kommen könnte als der dann richtige Mann, die richtige Frau.
Pornografie zu konsumieren ist vor allem deswegen problematisch, weil man damit jene unterstützt, die gegen den Willen Gottes ihren Körper, der ja ein Tempel des Heiligen Geistes ist, zum Zweck des Gelderwerbs den Blicken und manchmal auch den direkten Zugriffen eines anderen zur Verfügung stellen. Sie unterstützen damit die Handlungen anderer Menschen, die sich weit von ihrem menschenmöglichen entfernt haben. Und Sie entfernen sich auch selber davon: Denn Sie brauchen sich nur vorzustellen, dass mittels eines Gnadenaktes Gottes Ihre zukünftige Ehefrau , die Sie noch finden werden, jetzt schon sehen könnte was Sie machen … Hinzu kommt noch, dass keine Tat und kein Sinneseindruck von uns ungeschehen gemacht werden kann. Darum haben wir eine so große Verantwortung in dem, was wir zulassen, tun oder unterlassen.
Sie wollen nun den Weg einer befristeten Enthaltsamkeit gehen. Herzlichen Glückwunsch dafür! Sie werden bald erfahren, wie befreiend es ist, endlich wieder frei zu sein: Frei, das zu tun, was Ihrer Würde entspricht. Und sich davon nicht mehr abbringen zu lassen.
Mit herzlichen Segenswünschen
Ihr
Br. Paulus
P.S. Es ehrt Sie, dass Sie sich ansprechen lassen - und Sie könnten wirklich zu neuen Erfahrungen kommen. Vielleicht mögen Sie als Begleitlektüre http://www.dbk.de/schriften/synode/Dateien/Ergaenzungsband_in_Teilen/28_Sexualitaet.pdf wählen ... Das ist zwar eine komplexe Schrift, aber mit der Sexualität ist eben auch nicht mal eben so einfach.
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