Das Portal zum Menschen Bruder Paulus
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Leben und Glauben

Br. Paulus Terwitte (52), ist Kapuziner und Priester in Frankfurt am Main. Im Kloster Liebfrauen suchen ihn viele Menschen mit Glaubens- und Lebensfragen auf. Aufgrund seiner vielfältigen Medienauftritte (www.bruderpaulus.de) wird er auch von Vielen angesprochen, die ihn per E-Mail anfragen. Die Leser des SENDBOTEN lässt er mitlesen, was er antwortet.  kontakt(at)bruderpaulus.de

Nur ein virtueller Abenteurer?

Von: "Schmidt, Petra" [mailto: …..@web.de] *
Gesendet: Montag, 2. Januar 2012 11:05
An: kontakt(at)bruderpaulus.de
Betreff: Fragen

Guten Abend Bruder Paulus,bitte antworten Sie mir aus der Sicht eines Mannes, weil ich folgendes nicht mehr verstehe: Am 15. März 2011 lernte ich in einem Internet-Chatroom Georg kennen, geschieden, zwei Töchter im Alter von 13 und 15 Jahren, der bei S. in der Nähe von C. in Österreich lebt und 13 Tage älter als ich ist. Zuerst chatteten wir mehrmals miteinander, dann telefonierten wir über Skype. Georg hat mich tief in seine Seele blicken lassen, sodass ich ein Gefühl dafür bekam, dass er als Mensch in Ordnung ist. Nach sechs Monaten frug er mich in einem Telefonat, ob es mir passt, wenn er mich besuchen kommt, trotz 800 km Fahrt. Ich war wie vor den Kopf geschlagen,  völlig platt.

Meine Antwort war, dass ich ihm wegen meiner Psychosomatik NICHTS bieten kann, also z.B. in einer Gaststätte etwas trinken gehen, dass es ein weiter Weg von ihm bis zu mir ist. Georg überredete mich. Dann sagte ich ihm KEINE ERWARTUNGEN, KEINE UMSTÄNDE. Das bestätigte er mir. Somit gab ich meine Zustimmung. Und ich verliebte mich in ihn. Es war aber nichts zwischen uns, als er bei mir war. Nach einem Tag fuhr er. Einmal noch habe ihn angerufen. Dann nichts mehr. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Georg mir aus dem Weg geht und mit der Wahrheit nicht herausrückt, dass er keinen Kontakt mehr will, weil ich ihm vielleicht zu nahe getreten bin, als ich ihm meine Gefühle gestanden habe.Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2012.Petra Schmidt

Von: Br. Paulus Terwitte
Gesendet: Samstag, 10. Dezember 2011 17:19
An: '"Schmitt, Petra"'
Betreff:  Fragen

Liebe Petra, Georg ist leider einer der Männer, der sich keine Gedanken darüber macht, dass es Pflichten in der Beziehung zu einem Menschen gibt.

Das Internet verführt dazu, dass man sich seinen Wünschen und Gedanken hingibt, und Sie schildern ja, wie ehrlich Sie ihn empfunden haben. Leider haben Sie ihn nicht empfunden, sondern das, was die virtuelle Übertragung in Ihnen an Bildern und Gefühlen ausgelöst hat. So haben Sie zwar vom Kopf her gesagt: Du kannst kommen!, aber Sie wussten schon da, dass da was nicht stimmen kann. In Ihrem klaren Blick für sich selber ahnen Sie, dass ein Mann - schon gar nicht per Internet – sich auf eine Beziehung mit Ihnen einlassen kann aufgrund Ihrer psychosomatischen Störung. Trotzdem konnten sie diesem verführerischen Gedanken nicht widerstehen, dass da vielleicht doch ein Herzensprinz ist, der Sie gesundküssen kann – um mal ein Märchenbild zu gebrauchen.

Die psychische Störung zeigt sich ja gerade darin, dass man wider besseren Wissens Grenzen überschreitet oder nicht beachtet. Sie könnten daraus lernen, dass Sie in einem ganz besonderen Maße das Nein-sagen lernen müssen. Der Mann selber hat, so leid es mir für Sie tut, eine Art Nähe-Spielchen mit Ihnen veranstaltet, und sich sogar erdreistet, Sie über eine solche Distanz zu besuchen. Vielleicht hat ihn eine besondere Begegnung daheim auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Unfairer Weise hat er nicht klar und deutlich dieses virtuelle Abenteuer beendet. Vermutlich schlicht deswegen, weil er zu schwach dafür ist. Oder er sich schämt.

Mit freundlichen Grüßen

Bruder Paulus

* Name geändert



2004 Oktober, Konnte Jesus übers Wasser gehen?

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